Review

Na dann wage ich mich jetzt mal an eine Kritik an die beste Krimiserie der letzten 10 Jahre. "Bosch", das ist nicht nur der Name eines Elektrogeräte-Herstellers, sondern auch der Nachname der Titelfigur, die diese Serie mit ganz viel Charisma geprägt hat.

Harry Bosch, superb dargestellt von Titus Welliver, der ja bislang auf Bösewicht-Nebenrollen spezialisiert war, ist Mordermittler bei der Hollywood Division in L.A.. Er ist ein in Würde gealterter Army-Veteran mit Kampferfahrung, seine geschiedene Frau arbeitet beim FBI, die gemeinsame Tochter schaut regelmässig rein. Er wohnt in einem traumhaften Glas-Pavillon auf den Hügeln über L.A. (das wohl unrealistischste Element in dieser Serie, was aber plausibel erklärt werden kann), ist ein ruhiger Typ, großer Jazz-Fan und genehmigt sich nach dem Dienst gern mal einen Whisky. Er hält sich an die Vorschriften, ist absolut gesetztestreu, hat aber auch einen großen Gerechtigkeitssinn und kann auch anders, wenn es die Situation erfordert. So kommt es auch immer mal zu Anklagen wegen Polizeibrutalität, seine anwaltliche Gegnerin Honey Chandler wird im Verlauf eine gute Freundin, im Spinn-Off "Legacy" gar eine Hauptrolle. Seine Fälle bearbeitet er mit seinem jüngeren Partner J. Edgar (lustige Anspielung auf den legendären FBI-Chef), der stets adrett gekleidet noch penibler ist als Harry Bosch. Die beiden werden ergänzt von einem älteren Detective-Paar, die für gelegentliche humorige Einlagen sorgen und da gibt es noch einen weiblichen Captain, voll hinter ihren Leuten stehend.

In jeder Staffel mit jeweils immer 10 Folgen wird immer ein Fall bearbeitet, der mit dem Ende der Staffel dann auch abgeschlossen ist. So entspricht ein Fall immer einer Roman-Vorlage. Geschrieben wurde das ganze von Michael Connelly, einem ehemaligen Polizeireporter, der in den Staaten sehr populär ist, in Deutschland eher weniger gelesen wird. Die andere große Romanreihe von ihm ist übrigens "Lincoln Lawyer", die es bei Netflix gibt. Saisonübergreifend sind natürlich die privaten Angelegenheiten und einige recht komplexe Nebenhandlungen. Im Wesentlichen geht es da um den Polizeichef und seinen tragischen Karriereweg nach Oben. Dafür benötigt jener dann auch mal inoffizielle Polizeiarbeit, wofür gerne auf Bosch zurückgegriffen wird. Das Abhängigkeitsverhältnis zwischen den Beiden zieht sich dann auch durch die ganze Serie. Zudem ist Bosch sein ganzes Leben auf der Suche nach dem Mörder seiner Mutter, was dann in einer späteren Staffel ein zentrales Thema wird.

Was macht den Reiz dieser Serie aus? Einfach Alles! Da ist zum Einen der tolle Cast, angeführt von Welliver, der mit dieser Rolle eine unglaubliche Präsenz besitzt. Zum Anderen ist die Reihe superb geschrieben und fotografiert. Unglaublich spannende Fälle, wohldosierte Gewalt, wenig Action, aber wenn dann hart und prägnant. Alles wirkt glaubhaft: der Polizeialltag, die Ermittlungsarbeit, die Verhöre - immer dicht an der Realität. Dazu kommen einige Soap-Elemente, die eine perfekte Mischung aus horizontaler und vertikaler Erzählweise schaffen. Und nicht zu vergessen, der jazzige Vorspann, den ich nicht übersprungen habe, sondern mir immer jedesmal angesehen habe.

Für wen ist diese Serie nicht geeignet? Für Alle, die Mainstream lieben, die ständiges Dummgelaber mit abgedroschenen Witzen lieben, für Freunde von IT-Nerds, die im Hintergrund immer auf Alles eine Antwort haben oder mit wenigen Klicks jede Lösung präsentieren, für Freunde schneller Schnitte oder Wackelkamera-Ästhetik. Auf gar keinen Fall für Fans von NCIS, CSI, S.W.A.T, Scorpion oder Hawai 5-O!

Wer darf diese Serie nicht verpassen? Jeder mit einer Vorliebe für visuelle Ästhetik, Jazz, ruhiger Erzählweise, detailierter Ermittlungsarbeit, Polizei-Soap und guter Krimi-Romane. Aber auch für Freunde intensiver Schiessereien und harter Gewalt. Eine Serie für Erwachsene und die etwas älteren Semester unter uns!

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