Review

Glaubst du an Monster?

Einerseits ist es schade, dass man nicht mehr an Monster glaubt wie noch als Kind, ebenso dass es in unserer dauerüberwachten & weit erforschten Welt ziemlich sicher keine Fabelwesen oder Ähnliches gibt. Die Fake-Doku von "Hatchet"-Fan-Liebling Adam Green, "Digging up the Marrow" oder in Deutschland unnötigerweise umbenannt in "How to catch a Monster", verfolgt den Regisseur selbst, wie er und sein näheres Umfeld einem seiner Fanbriefe folgen, der diesen Fakt widerlegen will. Ein alter Mann hätte einen Eingang zu einer Monsterwelt tief unter der Erde gefunden & schon etliche andersartige Wesen/Menschen entdeckt...

Das Adam Green gar nicht wirklich die Maske einer echten Doku aufrecht erhalten will, stellt man schnell fest & das der Film weiß, was er ist, ist gut so. Angenehm ist auch seine lockere, sympathische Art, ein cleverer Aufbau, der den Film recht deutlich über andere, vielleicht auch höher budgetierte Horror-Found Footage-Stories hebt. Aber da der Durchschnitt in diesem Subgenre schon lange Limbo tanzt, heißt das natürlich noch nicht, dass diese kleine Mockumentary ein guter Film ist. Als Green-Fan & mit beiden Augen zugedrückt, auf die positiven Aspekte konzentriert, kann man das leidenschaftliche Werk von Horrorfans für Horrorfans, feiern. Objektiv betrachtet ist der Film aber weder besonders lustig noch spannend genug, um klar zu punkten. Beides hat der Regisseur schon besser hinbekommen.

Realistisch & eigentlich ganz nett sind die Performances der "Nicht-Schauspieler" bzw. sonst eher hinter der Kamera Beschäftigten. Trotz mauer deutscher Synchro & etwas viel Ego-Trippin' des Horrortalents, wird man gut & sehr langsam eingeführt. Herausragend durchgeknallt & leidenschaftlich ist nur Ray Wises Darstellung des Ex-Cops & Hobby-Monsterforscher, der sich als einziger nicht selbst spielt. Ebenso charmant, drollig & gut aussehend sind die (leider viel zu seltenen) Monster(effekte). Man ist erstaunt, überrascht, fasziniert & schwankt zwischen Schmunzeln & Herzstillstand (die erste Erscheinung ist ein edler JumpScare!). Die Atmosphäre passt meistens & die vielen Anspielungen für Fans & Gastauftritte von Horrorpersönlichkeiten sind mehr als nur nette Boni. Und das die Monster als falsch verstandene, ausgestoßene Außenseiter angedeutet werden, ist ebenfalls ein lobenswerter, naiver Gedanke. Eines Kindes, eines Horrorfans, oder beides.

Warum der Film dann im Endeffekt, selbst für Fans des Fachs, doch eher Belastungsprobe (leider nicht im guten Sinne) ist, ist einfach zu erklären. Zu wenig Monster, zu geringes Budget (was aber auch Teil des Charmes ist), zu späte & zu wenig Highlights, selten ernste Spannung. Eine gute Einführung & gemächliche Erzählweise ist selten etwas Negatives - hier wird damit aber übertrieben & die Erzählung verläuft sich öfters in unnötigen Gesprächen, Subplots, Schleifen, Wiederholungen. Erst die letzten 10-20 Minuten drehen auf, wie man es schon viel früher gerne mal ansatzweise gesehen hätte. Und selbst da werden weder die Unterwelt noch deren Bewohner auch nur annähernd so beleuchtet & gezeigt, wie sie es verdient hätten. Aber die sind wohl wirklich kamerascheu... Das der Film sein komplettes Story-Gerüst von "Nightbreed" klaut, dimmt dann sogar noch den kreativen Punkt & viele originell erscheinende Ansätze & Ideen.

Fazit: charmant & wesentlich klüger als der Found Footage-Schnitt, allerdings auch abgekupfert, viel zu spät aufdrehend & höhepunktarm. Für Fans des Regisseurs ein mehrfach genialer Semi-Blick hinter die Kulissen, für den Rest maximal in Ordnung, mit Charme-Bonus.

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