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100 Code Staffel 1

100 Code Staffel 1

Spoiler mitjebracht, willsse nich, dann jeh bitte weita?!

"Immer wenn du glaubst du gewinnst, ändert Jemand alle Regeln."

D?ie Ermittlungen bezüglich (scheinbar) eines, sich durch die Gegend meuchelnden Serienkillers, führen New York Detective Tommy Conley (Dominic Monagähn) nach Schweden. Dort wird er, da in diesem fremden Land keinerlei Befugnisse, dem Schweden-Cop Mikael Eklund (Michael Nyqvist) unterstellt, der eigentlich gerade auf dem Pensions-Sprung war. Gemeinsam, sich nicht wirklich gut riechen könnend, jagen Sie nun den ominösen Serienmörder.

Der Preis für das "schlechteste Opening des Jahrzehnts" geht diesmal an:
100 Code! (und schubst damit eindrucksvoll den bisherigen Spitzenreiter "Homeland" mit Anlauf vom Thron)
Ein gar grauseliger Song, komplett unpassend und ebenso unpassend bebildert. Fantasy-Serie für 10jährige? Passt! Hier nicht!
Auch die zu Anfang jeder Folge eingeblendeten Zitate berühmter Dichter und Denker macht die Sache nicht besser. Das wurde z.B. bei "Criminal Minds" deutlich besser eingeflochten, wirkt bei 100 Code eher gewollt aber nicht gekonnt.

Dann sind wir auch zeitnah beim ersten wirklich großen Problem! Dominic Monaghan als ernstzunehmender, dazu noch "zerrissen ob der schlimmen Vergangenheit" Ermittler?! Extremste Glaubwürdigkeitsdefizite schmiegen sich gleich brutal an einen und lassen einen auch über die gesamte Staffel auch kaum aus der Umklammerung. (Bitte nochmal Ed O'Neill/ Polizeibericht L.A. schauen, Danke!) Ganz schlechte Wahl meiner Meinung nach, sicher ein sympathischer kleiner Knubbel, gerne auch als Hobbit, gerne auch als ver"LOST"eter Rockmusiker, aber als charaktertiefer langjähriger Ermittler? Man könnte auch sagen: Auf dem Weg zum belohnenden Grundgekonzert, kurz nach bestandener Abiprüfung, ins falsche Studio abgebogen und in 'ner fies erdachten Serienkillerstory gelandet, und wo man schon mal da ist...Ganz ehrlich ich bin ja durchaus von Phantasie nur so umzingelt, aber neeee, auch ich habe meine Grenzen...
Michael Nyqvist ist zwar ebenso nicht gerade die charakterstarke Schauspieloffenbarung, dafür mimisch leider zu eintönig, aber insgesamt völlig okay und passend.

Die Szenerie beginnt zunächst spannend und düster, erfreulich das wollte man ja auch schließlich sehen, doch das ändert sich schnell.
L.H., bis kurz vor Schluß im nicht immer spannenden Dunkel versteckt, betreibt eine Art geheime Internetseite. Dort toben sich Psychos aller Couleur verbal aus und erzählen sich von ihren abartigen Phantasien und Mordgelüsten. Frau will Trucker töten, wurde sie doch von einem vergewaltigt, ein Anderer wurde fälschlicherweise einer Sache bezichtigt die er nicht zu verantworten hatte, verliert Job und Familie und will nun aus Rache Cops killen, hier lassen sie all ihren finsteren Gedanken freien Lauf. Das Perfide, L.H. gehört NICHT zum Dr.Sommer-Team sondern ermutigt die Verzweifelten ihre Phantasien auszuleben und alsbald nach seinen genauesten Anweisungen blutig in die Tat umzusetzen! Das erschwert die Ermittlungen natürlich enorm, sind es doch gleich viele, völlig voneinander unabhängig agierende Killer. Und kaum haben sie einen gefunden, stirbt er auch, ohne wirklich brauchbare Infos zurücklassend, umgehend.

Nebenbei hat Herr Nyqvist noch, mimisch bald autistisch und stammelnd wirkende "Streit-Situationen" mit seiner furchtbar nervigen Teenagertochter, gibt Sie ihm doch die Schuld am Tod der Mutter. Als Diese krankheitsbedingt starb war er nicht da, sondern ermittelte wieder mal in irgendeinem Fall. Als es die ersten Opfer zu beklagen gibt, stellt sich Töchterlein ein Cop vor, der angeblich von Vatern beauftragt wurde ein beschützendes Auge auf Sie zu haben. Natürlich verknallt Sie sich gleich in ihn, doch der Cop geht auf Distanz, sie ist erst 17, er ein Cop, nö lass ma...gut, sonderlich lange hält er es nicht durch, denn schon kurz darauf sitzen beide in einem Café und er sabbert und schleckt an ihren Fingern 'rum.
Der komplette Handlungsstrang der naivsten 17jährigen der Welt und dem Schmierlappen-Aufpasser, der eher wie ein Zuhälter denn ein Cop anmutet, hat mich im weiteren Verlauf derart genervt und gelangweilt das ich nur dachte: Der Tod stünde ihnen beiden mehr als gut...

Das der Cop-Aufpasser total einen an der Klatsche hat fällt jedem Blinden nach nur wenigen Sekunden auf, IHR nicht. Sie hängt an ihm wie die berühmte Klette, sie lässt nicht mehr los, krallt sich an ihn, will, unbedingt, stampf auf Boden, ÄTSCH PAPA, GETZ bin ich erwachsen, guck ma. Der Schmierlappenaufpasser führt Sie in einen Sado-Maso Club oder verlangt im Restaurant das sie ihren Slip auszieht und er sie dann...unterm Tisch...Harry und Sally in echt und so....als sie nicht will, sagt er: Warum bin ich dann hier? Haut ihr noch ein paar verbale Gemeinheiten um die erröteten Ohren ...und sie will immer noch, mehr als zuvor. Aber irgendwie auch nicht...scheiß Pubertät. Ganz schlimmer Handlungsstrang, der allerdings zum Ende hin dann doch noch 'nen halbwegs plausiblen Sinn und Stellenwert einnimmt, bis dahin aber in dieser Intensität und Fülle überflüssiger und nerviger kaum sein könnte.

Dazu erfährt man das sich Dominic, damals als Undercoverermittler im Einsatz, in die Schwester eines Bösewichts verliebte, die wiederum bei einer fehllaufenden Festnahme ihres Bruders zu Tode kommt. Die Tote erscheint ihm im Spiegel, in der Badewanne und er leidet Höllenqualen, gibt er sich doch die Schuld für ihren Tod.
Er leidet, oder besser gesagt er sollte an dieser Stelle leiden, aber das wirkt alles einfach nicht glaubhaft, scheinbar mangelt es ihm an Vorstellungskraft, ich will jetzt nicht noch deutlicher werden. Totale Fehlbesetzung, und spätestens jetzt ist für mich zumindest klar: glaubhafter Charakterdarsteller geht anders.

Und zum Beweis meiner ausschweifenden Phantasien sei gesagt: Sollte man irgendwann das Leben von Günter Grass verfilmen, da sollte man Boris Becker und Loddar Maddäus zwingend in die engere Wahl...

Die Geschichte, zwar durchaus bisweilen interessant und einigermaßen spannend, aber mit fortlaufender Spielzeit leider immer mehr ermüdend. Die Spannung vermag es nicht einen komplett bei der Stange zu halten. Es bricht hier und da mal ein. Bin ich gelangweilt fallen mir dann auch dumme Dialoge wie z.B. während einer Jagd auf einen Flüchtigen(!) auf. Funk: "Er ist auf der Flucht!" ACH?!

Einerseits wegen der Fehlbesetzung Monaghans schon permanent leicht nervig, anderseits krankend an der Präsentation des oberfiesen "Sektenpapas" L.H.!
Es gibt meiner Meinung nach 2 Möglichkeiten, die erste wäre gleich zu Anfang einen "wirkenden" Killer einzuführen der schockt, diesen auch mal zu zeigen und ihn diverse eindringliche Dialoge sprechen zu lassen, damit die Bedrohung des Wahnsinnigen einfach auch greifbar und spürbar ist. Gut, hat man nicht gemacht, statt dessen bleibt L.H. bis fast zum Schluss dialoglos, abgesehen der Internetpostings, die die Ermittler dank eines grundgigen Hackers mitlesen können und bleibt komplett im Dunkeln. Tja, okay gut, dann aber eventuell als Auflösung einen den man schon kennt, ein Cop aus dem Team z.B., da hätten sich durchaus diverse Charaktere angeboten, gut hat man getz auch nich, sämtliche Aha- und Oho-Effekt auch hier komplett links liegen gelassen, dabei hätte man sie nur aufheben müssen. Eher so ein: Hmmm, na dann...-Effekt.
Statt dessen präsentiert man kurz vor Schluß einen völlig uncharismatischen langweiligen L.H., wenn er es denn ist...

Denn offensichtlich war das noch lange nicht alles, wie die immerhin recht spannenden letzten 2 Folgen offenbaren. Die Geschichte scheint doch noch weit größere Ausmaße anzunehmen als zunächst vermutet, am Schluß noch schnell den Templer Orden ins Spiel gebracht, ein wirklich sehr gelungener Schluß läßt grüßen und wir sehen uns in Staffel 2, wenn auch mit deutlich heruntergeschraubten Erwartungen und auf Bewährung.

Einiges richtig gemacht, viel verschenkt, Vieles blieb für mich leider im Bereich der oberflächlichen Balanglosigkeit und insgesamt ist das alles eher mit maximal durchschnittlicher Spannung oder gar Dramatik gesegnet, mit am Ende leichter Tendenz gen Norden.

Die zusammenfassenden Worte von "Alice in chains" auf die Dvd/Bluray Hülle geschrieben:

" I'd like to fly, but my wings have been so denied " (100 Code)

5,5/10

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