Triple 9 (2016)
Kommen wir zum Männerfilm: Triple 9.
Auf der lockenden Habenseite die auf den ersten Blick mehr als fette Besetzung. Doch auf den zweiten Blick muss man leider Folgendes konstatieren:
Norman 'Zombimeuchler' Reedus, wie immer unauffällig. Seit Walking Dead, bei der dieses 'leckt mich doch alle am Arsch'- Schauspiel vielleicht noch passte, habe ich ihn in nicht einer überzeugenden Rolle gesehen, Tiefpunkt AIR. Er verlässt sich wie gewohnt auf seine 'Ich glaub ich bin cool, reicht'-Attitüde. Immerhin fällt er vor lauter Ausdruckslosigkeit nicht um, steuert aber auch nichts Erwähnenswertes bei. Michael Kenneth 'Indeed' Williams als Transe. Der allerdings ist cool und spielt seinen 3 Satz-Minipart mit Spaß, bleibt aber völlig verschenkt. Woody 'Feixer' Harrelson, als schmierig-versoffener Sergeant, mit 'nem Kilo Kautabak oder Watte hinter der Unterlippe. Hier heißt es dann Ton lauter stellen, damit man überhaupt versteht was sich der Uninspirierte, Prolliges in den Bart nuschelt. Kate Winslet, fällt diesmal nicht über die Reling dafür aber als, gegen den sonstigen Strich gebürstete Besetzung auf. Sie macht ihre Sache als russische Gangsterchefin aber auch nur durchwachsen, zu backgroundlos und mit leichtem Beigeschmack von fehlbesetzt. Aaron 'Breaking Bad-Methkoch' Paul zähle ich auch nicht zu den denkwürdigen, mimisch starken Darstellern, heult und torkelt sturzbesoffen und sämtliche Mimik versteckend durch den Film, statt irgendetwas Zählbares beizutragen. Clifton 'aalglatt' Collins Jr., kann man so machen. Casey 'Mein Bruder heißt Ben' Affleck, war auch schon mal deutlich besser. Er zeigt uns wie man albern und poserhaft Kaugummi kaut und dabei cool guckt, glaubt ER. Mehr als Begriffe wie nett und okay fallen mir da nicht ein. Da hat man locker ein dreckiges Dutzend Mittel- bis Hochkaräter aufgefahren, welches man rückwirkend betrachtet fast schon als Blendwerk bezeichnen kann, vielleicht sogar muss. Viele Köche verderben bekanntlich den Brei und hier stehlen sie sich gegenseitig die Show. Also würde es eine geben, dann ...
Abgesehen der düsteren Inszenierung, der kompromisslosen Härte, der knallig und blutig präsentierten, wenn auch für 2 Stunden Spielzeit deutlich zu wenigen Action, gibt es nicht viel mehr zu erwähnen. Die ewig gleiche Story, korrupte Cops, der letzte, jetzt dann aber auch wirklich der letzte, sozusagen allerletzte Coup muss durchgezogen werden. Wirkliche 'Identifikationstypen' oder Mitfieber-Protagonis absolute Mangelware, dafür bleiben fast alle viel zu oberflächlich, blass und nahezu uninteressant. Die kleinen, eingestreuten Wendungen sind zu vorhersehbar (z.B. Geschenk/Auto-Szene und der gesamte Ausgang) und retten auch nicht mehr viel.
Ein starker und zunächst Hoffnung machender Beginn, eine 'auf dem Papier Wow'- Besetzung, handwerklich soweit in Ordnung, der Score passt, Spannung schaut auch mal hier und da vorbei, aber so richtig packend ist es insgesamt leider nicht. Weder als reiner Actioner, noch tiefergehender Copthriller mit durchdachter Story brauchbar. Von ernsthaft glaubwürdigen Handlungsabläufen fange ich erst gar nicht an. Die (zu) lange Spieldauer bremst deutlich aus und die Chance, diese Zeit wenigstens vernünftig zu nutzen um die Hintergründe und Zusammenhänge näher auszuleuchten, bleibt ungenutzt. Alleinstellungsmerkmale sucht man vergeblich und die Frage 'Was bleibt hängen?' kann ich nur mit 'wenig bis nichts' beantworten.
Fazit: Ich bin wohl doch kein Mann.
5,5 von 10 Tresorschließfächern