Beim Thema Menschenhandel, insbesondere Zwangsprostitution liegt es eigentlich auf der Hand, dass ein entsprechendes Drama nicht nur Interesse weckt, sondern auch Empathie schürt und bestenfalls mitfiebern lässt. Doch selten wurde ein so brisantes Thema dermaßen unbeteiligt angegangen.
Mit Aussicht auf die Hauptrolle in einer Reality-Show landet die Rumänin Sofia (Francecsa Agostini) in Rom, wo sie sich schon bald in den Fängen des Zuhälters Manol (Michael Madsen) sieht, der sie auf den Straßenstrich schickt. Hier lernt sie die Kollegin Alina (Mischa Barton) kennen, welche ebenfalls ein trostloses Dasein fristet. Mit Kundin Eva (Alessia Navarro), einer ehemaligen Söldnerin, keimt Hoffnung auf, den Teufelskreis endlich zu durchbrechen…
Der überwiegend in Italien gedrehte Streifen verzichtet nahezu komplett auf Schauwerte und zwar in jeder Hinsicht. Voyeure erhalten kaum nackte Haut, Gorehounds allenfalls angedeutete Gewalteinlagen und wer actiongeladene Unterhaltung sucht, ist ohnehin komplett fehl am Platz.
Doch auch als Gesellschaftsdrama versagt „Hope Lost“ in beinahe allen Belangen. Hauptfigur Sofia ist schlichtweg zu naiv und gleichermaßen passiv, um überhaupt ein Mitfiebern zu ermöglichen, zumal nicht einleuchtet, warum die junge Dame nicht einfach die zahlreichen Möglichkeiten zur Flucht nutzt. So geben sich zahlreiche Klischees die Klinke in die Hand, während Sofia an unterschiedliche Freier und dabei nur selten in prekäre Situationen gerät.
Die einzig halbwegs interessanten Momente sind die mit Söldnerin Eva, welche einerseits geheimnisvoll und knallhart auftritt, jedoch auch eine zerbrechliche, nach Nähe und Trost suchende Frau verkörpert. Die Geschichte rein aus ihrer Sicht hätte eventuell weitaus ansprechender sein können, doch stattdessen verkommt die Handlung im letzten Drittel zu einer Snuff-Show, die den Zuschauer weitgehend kalt lässt, schon aufgrund mutlos inszenierter Foltereinlagen. Hinzu gesellt sich ein verkorkster Ausgang, der ebenfalls nicht zufrieden stellt.
Die Reihe namhafter Mimen reißt in diesem Zusammenhang nichts: Madsen spult routiniert sein gelangweiltes Programm ab, gleiches gilt für Danny Trejo in einer Nebenrolle als überwachender Handlanger. Einer aus der nicht mehr überschaubaren Baldwin-Sippe schaut für zehn Minuten in einem furchtbar hässlichen Strickpulli vorbei und Mischa Barton hat schlichtweg nicht viel zu tun, performt jedoch solide. Agostini holt noch relativ viel aus der undankbaren Figurenzeichnung heraus, wogegen Alessia Navarro nicht nur eine faszinierende Ausstrahlung mitbringt, sondern mit Abstand am besten performt.
Hilft jedoch alles nichts, denn der Streifen beginnt bereits nach zwanzig Minuten zu langweilen. Es kommt keine Spannung auf, es gibt zu wenige Konfrontationen und für reine Exploitation geht Regisseur David Petrucci zu mutlos vor.
Eigentlich sollte ein Film dieser Art unter die Haut gehen, stattdessen mäandert er ohne Höhepunkte vor sich hin und langweilt eher, als Anteilnahme zu erzeugen.
Knapp
4 von 10