Review

Auch eine Möglichkeit mit der Eurokrise, insbesondere der Griechischen Staatsschuldenkrise umzugehen: Autor und Regisseur Alexis Alexiou bastelt daraus eine Parabel, eine Art sarkastische Egoperspektive.

Der End-Vierziger Stelios (Stelios Mainas) betreibt seit siebzehn Jahren einen Jazzclub in Athen, welcher im Zuge der Finanzkrise nicht mehr viel Kohle einbringt. Ausgerechnet jetzt fordert ein rumänischer Kredithai Schulden in Höhe von fast 150.000 Euro binnen 32 Stunden von ihm ein. Doch nicht nur sein Club ist in Gefahr, auch seiner Familie droht nach Ablauf der Frist…

Athen mal anders, denn hier regnet es ungewöhnlich oft, Neonlichter ziehen vorbei und bilden einen verschwommenen Wulst und es ist oft Nacht, zumindest ist es überwiegend dunkel.
Alexiou orientiert sich überdeutlich am Film Noir, es gibt einige gescheiterte Existenzen, nur Frauenfiguren sind hier beinahe ohne Belang. Mittendrin Stelios, der gleich zu Beginn ein paar kryptische Sätze von sich gibt, welche sich erst zum Ende erschließen.

Und der Mann hat Probleme, denn nicht nur die rumänische Mafia macht Druck, auch seine Ehefrau erwartet mehr Zeit für seine Kinder und zudem kann er seinem alten Freund Vassos nicht mehr trauen. Die Zeit drängt, Kokain bringt wenig und führt kurzzeitig zu Nasenbluten, lediglich die alten Schlager spenden ein wenig Trost.

Die Geschichte wird überwiegend ruhig erzählt, abgesehen von minimalen Gewalteinlagen, sehr wenigen Temposzenen und einem Showdown in Zeitlupe, der ein wenig an Tarantino angelehnt ist. Inhaltlich ist das oft ein wenig behäbig und beinahe lethargisch, doch auf atmosphärischer Ebene phasenweise sehr stark. Es herrscht ein melancholischer Grundton, eine gewisse Einsamkeit der Individuen in einem trüben Moloch, was durch den grandiosen Score hervorragend unterlegt wird. Auch Hauptdarsteller Mainas trägt mit seiner grundsoliden Vorstellung maßgeblich dazu bei.

Die episodenhafte Erzählweise, eingeläutet durch Angabe einer Uhrzeit mit einem nachfolgenden Zitat spult einen Countdown bis zum titelgebenden Zeitpunkt ab und man ahnt früh, dass hier nicht unbedingt ein glücklicher Ausklang zu erwarten ist oder zumindest einige Verluste hinzunehmen sind.
Das dürften inzwischen viele Griechen ähnlich sehen…
7 von 10

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