Der Ex-Elitesoldat Jim Terrier (Sean Penn), vor Jahren in heikler Killermission im Kongo eingesetzt, kehrt Jahre später in friedlicher Brunnenbauer-Mission dorthin zurück. Der einst aktive Gunman soll jedoch als Zeuge der damaligen Aktivitäten beseitigt werden und muss nun seinerseits vor einem Killerkommando fliehen. Während er in London und Barcelona bei alten Freunden und Kameraden herauszufinden versucht, wer ihm aus welchen Gründen nach dem Leben trachtet, trifft er auch seine damalige, inzwischen verheiratete Freundin wieder...
Der einstige Jäger wird nun selbst zum Gejagten - was sich nach einem actiongeladenen Thriller anhört, entpuppt sich jedoch schon nach kurzer Zeit als eine ermüdende Personality-Show eines alternden Filmstars. Sean Penn (Markenzeichen: sauertöpfischer Blick) hat für diese Rolle monatelang Bodybuilding betrieben und die Kamera wird nicht müde, seine dicken Oberarme ein ums andere Mal bildfüllend zu präsentieren. Natürlich ist dieser ehemalige Elitesoldat auch Jahre nach seinen Einsätzen immer noch genauso fokussiert wie damals und kann seinen Häschern ein ums andere Mal spielend leicht entkommen. Munter prügelt er sich in einer Bar und erledigt einen Killer nach dem anderen, was seine angekündigte Rolle von Rückzug und Läuterung geradezu karikiert. Den ärztlichen Rat zu einem ruhigeren Leben ignoriert er, stattdessen hängt er die Drähte einer Bombe aus und macht sie hinterher wieder scharf - all das kennen wir schon aus diversen anderen Filmen, leider gibt es so gut wie gar keine Charakterzeichnung des Söldners Jim Terrier, denn Sean Penn reagiert nur, eigene Gedanken, Refektionen oder gar Wandlungsfähigkeit gibt es nicht in Gunman.
Regisseur Pierre Morel, mit 96 Hours, Ghettogangz – Die Hölle vor Paris und anderen Action-Reißern eigentlich für temporeiche Thriller bekannt, kann nur an einzelnen Stellen mit ein paar wenigen, dafür durchaus solide abgefilmten Shoot-outs für Abwechslung sorgen. Den Hauptteil des Films langweilt man sich jedoch an der Darstellung des immer-noch-Superhelden Jim Terrier, der durch nichts zu stoppen ist und dadurch auch keinerlei Empathie beim Zuschauer weckt. Eine winzige Schwäche gesteht ihm das Drehbuch zu, nämlich irgendeine fortschreitende Gehirnerkrankung, die sich in seltenen Bluthustern äußert, ansonsten prügelt und schießt sich Sean Penn wie Silvester Stallone in Rambo II durch die Gegend.
Vielleicht hätte Penn nicht am Drehbuch mitschreiben sollen, denn das setzt zwischendurch immer wieder bemüht melodramatische Momente ein, die den ohnehin zähen Erzählfluß stoppen und Gunman auch das Prädikat Action-Reißer kosten: So trifft er seine damalige Freundin wieder - eigentlich viel zu jung, um mit Anfang 20 schon als Ärztin in heikler Auslandsmission gearbeitet zu haben: Jasmine Trinca als Annie. Sein ehemaliger Vorgesetzter Felix (Javier Bardem) hatte diese umständehalber geheiratet (wogegen sie offensichtlich nichts hatte - ?) und beim Wiedersehen Jahre später landet sie natürlich sofort mit Penn in der Kiste. Toll. Und Felix hat da natürlich auch nichts dagegen...
Auch Javier Bardem (James Bond 007 – Skyfall, Collateral) ist hier komplett verschenkt, zuerst stottert er plötzlich bei einem Vortrag, als er den ehemaligen Kameraden Sean Penn sieht, später lallt er angeheitert mit einem Rotweinglas in der Hand, bevor ein Kopfschuss, der eigentlich Penn galt, seine traurige kurze Rolle beendet. Mark Rylance als Bösewicht Cox darf immerhin bis zum Schluß den Strippenzieher mimen, dessen unspektakuläre Motive sich allerdings schon frühzeitig offenbaren und Gunman somit auch jede Spannung nehmen. Das dramaturgisch aufgeblasene Finale findet dann in einer Stierkampf-Arena statt und nachdem er und Penn alle vermeintlich wissenswerten Informationen ausgetauscht haben, wird Cox dann vom Stier auf die Hörner genommen. Was für eine Überraschung. Gähn!
Gunman ist ein durch und durch öder Streifen, der mit jeder weiteren Minute mehr langweilt. Am Happy-End gibt es keine Sekunde lang Zweifel, und auch das zu Filmbeginn kurz angerissene politische Statement über den unheilvollen Einfluß westlicher Konzerne in Afrika wird verschenkt, da es nur als Vehikel beim Einstieg dient. For Sean-Penn-Fans only, ansonsten nahe an der Zeitverschwendung. 2 Punkte.