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Um mit einem Kurzfilm zu punkten, bedarf es natürlich einer entsprechend durchdachten literarischen Vorlage und da bietet sich das Werk eines Håkan Nesser, der zu den populärsten schwedischen Krimiautoren gehört durchaus an.

Der 32jährige Jakob (Ludwig Trepte) erfährt am Sterbebett seiner Mutter von seinem totgeglaubten Vater, welcher bereits seit über 25 Jahren in einer psychiatrischen Klinik einsitzt. Um ihrem letzten Wunsch zu entsprechen, besucht Jakob die Einrichtung. Ein vorbereitendes Gespräch mit dem behandelnden Arzt Dr. Weiß (Robert Hunger-Bühler) schürt jedoch weitere Ängste vorm ersten Treffen...

Regisseur Dustin Loose, der bereits für seinen Erstling "Rolltreppe abwärts" viele positive Kritiken einfuhr, inszeniert das vorliegende Drama größtenteils sauber. Die Kamera arbeitet sehr solide, die Ausstattung ist auf den Punkt konzentriert, lediglich die Farbgebung mit plötzlich einsetzendem Unwetter wirkt ein wenig übertrieben. Die markanten Mimen performen überwiegend nuanciert und auch der ruhige Score passt haargenau zur jeweiligen Gemütsstimmung.

Inhaltlich tun sich indes wahre menschliche Abgründe auf, da Jakob erst vor kurzem von der Existenz seines Vater erfuhr, zuvor zwei Jahre seine Mutter pflegte und nun vor dem Moment steht, der sein Leben entscheidend verändern könnte.
Dabei geht es um Verantwortung, Gewissensentscheidungen und (ohne näher zu spoilern) kommt eine knallharte Kritik gegenüber bestimmten "Vorgängen" zum Vorschein, wie der effektive Twist unterstreicht.

Zumindest bietet es sich an, die rund zwanzig Minuten ein zweites Mal zu sichten. In dem Fall treten zwar letztlich leichte erzählerische Schwachstellen zum Vorschein, doch die finalen Minuten packen auf emotionaler Ebene definitiv.
Sehr sehenswert.
7,5 von 10

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