kurz angerissen*
“Run All Night” ist sehr vieles auf einmal: moderner Actionthriller, altmodische Gangsterballade, Liam-Neeson-Vehikel. Auf der einen Seite zoomen und sliden computergenerierte Schwenks mit Google-Maps-Ästhetik von einem Viertel New Yorks zum nächsten und verzerren die Lichter der nächtlichen Stadt zu unruhigen Schweifen, auf der anderen Seite werden freimütig traditionelle Westernmotive zelebriert, Fehden geschlossen und romantische Vorstellungen von Bruderschaft und Ehre bedient. Neeson, der etwas ungewöhnlicher als sonst als furzender Penner vorgestellt wird, reißt den Film bald schon in der ihm eigenen Manier an sich, um die lukrative Serie von 96-Hours-Replikaten nicht abreißen zu lassen. Nicht minder programmatisch spult Ed Harris sein Programm als melancholischer Gangster ab und spielt Neeson bzw. der auf Neeson zählenden Produktionsfirma damit in die Hand.
Collet-Serras Inszenierung ist ungemein temporeich und schwer unterhaltsam, macht aber bei Erstsichtung nicht den Eindruck, gehaltvoll zu sein, was eine Zweitsichtung vermutlich deutlich langweiliger gestalten wird. Manche Pose (insbesondere der letzte Kraftakt im Finale) wirkt zudem arg comichaft. Krawallige Verfolgungsjagden (zu Fuß und per Auto durch den Late-Hour-Verkehr) und Versteckspiele sowie Drohungen per Telefon und in dramatisch aufgeblasenem Face-to-Face pegeln das Adrenalin aber fast automatisch nach oben. Der perfekte Kick für Leute, die auf dem Land leben und sich nicht täglich (bzw. nächtlich) durch die Großstadthölle kämpfen müssen. Geschlafen wird später.
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