Review

Alte Männer rennen durch die Nacht

Ein weiterer kurzweiliger Sonntagnachmittag-Hit vom spanischen Unter-dem-Radar-Regisseur Collet-Serra - in "Run All Night" versucht sich Liam Neeson, als ausgelaugter & verranzter Auftragskiller der irischen Mafia, seine Kollegen vom Hals zu halten, da diese hinter ihm und seinem Sohn her sind, weil Neeson wiederum den Sohn von Mafiaboss Ed Harris erschossen hat um seinen Sohn zu beschützen... klingt kompliziert, ist aber eigentlich nur ein nächtliches, sehr simples und stylisches Katz-und-Maus-Spiel durch New York. Liam Neeson war selten so dreckig und von der eigenen Vergangenheit verfolgt, dagegen wirken die "Taken"-Fortsetzungen noch glatter und billiger als sie es eh schon taten. Hinzu kommt eine vom Regietalent gewohnt schmissige Inszenierung, für die Langeweile ein Fremdwort ist. Gerade die Trickshots und Kameraeffekte, der raue Stil und der Big Apple bei Nacht machen Einiges her. 

Ed Harris als Mobboss, bester Jugendfreund und nun schlimmster Feind Neesons, wirkt als Gegenspieler unwahrscheinlich intensiv und nachvollziehbar sauer und verzweifelt. Das Gangster-Milieu der irischen Mafia wird realistisch getroffen und an jeder Ecke und bei jeder noch so kleinen Nebenfigur merkt man eine gemeinsame Vergangenheit und Gravitas. Und gerade wenn man denkt, dass die Verfolgungsjagd zu einem Ende kommt oder etwas zu lang geht, setzt der Thriller ein sehenswertes Finale an das nächste. Sogar Common als fiesen Hitman kann man da verkraften und trotz etlicher Nebenschauplätze verliert der Film nie seine Kernthemen und wichtigen, tiefgründigeren Beziehungen aus dem Blick. Die zwischen Neeson und seinem Sohn und Neeson und Harris. 

Fazit: Hochgeschwindigkeits-Mob-Actioner, der immer in Bewegung ist und die mittlerweile fließende Connection zwischen Regisseur und Neeson beeindruckend aufzeigt. Kurzweilig, bleihaltig, für jeden Männerabend bestens geeignet. Und dabei rennt kaum einer unfreiwillig komischer als Liam Neeson. 

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