"Engel der Sünde" folgt den investigativen Aktivitäten der Journalistin Silvana (Angelica Ott), die inkognito als Straßenprostituierte ein paar gewalttätigen Zuhältern (darunter Erik Schumann und Rainer Basedow) in die Finger gerät und bedroht wird. Sieghardt Rupp agiert dabei als edelmütiger Beschützer. Unter den Prostituierten, deren Schicksale nebenbei in den Blick genommen werden, ist unter anderem Christiane Rücker zu sehen, zudem - natürlich unter den Schurkengestalten - darf auch der famose Herbert Fux kurz den Hut ziehen und (leider ohne seinen wunderbaren Akzent) ein paar böse Drohungen ausstoßen.
Der katholische Filmdienst ("Lexikon des internationalen Films"), dessen gesammelte Torheiten heute immer noch brav von Wikipedia und anderen Websites verbreitet werden, spricht hier von einem "dummen Sexfilm" und stellt sich damit ein weiteres Inkompetenzzeugnis aus, denn um Sex an sich geht es hier eigentlich nie, sondern nur um das Elend der Prostituierten, die von ihren Zuhältern rumgeschubst werden. Das ist zwar nichts Neues, aber erscheint hier in angemessen trostlosen, aber dennoch ansprechenden Schwarzweißbildern und ist mit den besagten typischen Reißerfilm-Schauspielern angereichert durchaus einen Blick wert. Zwar wird hier wie 1967/68 möglich auf der Exploitation-Klaviatur gespielt, aber in eine Schublade mit unzähligen Münchner Sexklamotten, die ein paar Jahre später folgen sollten, gehört dieses Werk auf keinen Fall. Am Ende gibt es sogar eine kleine Actionsequenz in einem Steinbruch und die beschließende Dramasequenz ist recht anrührend umgesetzt, zumal der Film es schafft, weder zuckersüß noch in finsterer Hoffnungslosigkeit zu enden.
Die DVD von MCP bietet den Film zwar in einer akzeptablen Bildqualität, lässt jedoch die Frage nach Kürzungen angesichts einiger eher abrupt endender Szenen offen.