Review

Ein recht deftiger & überraschend guter Roughie von Lisa-Film, nach einem Drehbuch von August Rieger, der auch Regie führte. Schauplatz des unerquicklichen Geschehens ist (irgend)eine ungenannte Industriestadt. Nach einem fetten Anschiss von ihrem Chef gibt sich die Journalistin Silvana Orth (Angelica Ott) als Geheimprostituierte aus & taucht Undercover entschlossen ins Rotlicht-Milieu ein, um aus erster Hand, direkt aus dem Sündenpfuhl heraus, berichten zu können. Na, ob die wagemutige Dame damit nicht mehr abbeißt als sie schlucken kann?

Mit seinem düsteren Schwarzweiß-Look, der dreckigen Atmosphäre, dem harschen Tonfall, den rauen Umgangsformen, den schmierigen Zuhältern & dem (beiläufig) niederträchtigen Vibe fühlt man sich als Zuschauer gleich einmal unwohl, zumal die Methoden des Gesocks nicht aus der Luft gegriffen sind. Erst werden die jungen naiven Mädels mit (vorgespielter) Liebe geködert & zappeln sie erstmal im Netz, werden sie mit einem Mix aus Süßholzgeraspel, Alkohol, Erpressung & Drohungen gefügig gemacht. Und wer partout nicht mitspielen will, bekommt das Rasiermesser zu spüren.

Erik Schumann, Felix Franchy, Alfred Geiger, Rainer Basedow & Herbert Fux (in einer Nebenrolle) brillieren als Widerlinge, die ihre Pferdchen (darunter Sissy Löwinger) hart rannehmen & keinen Widerspruch dulden. In Bezug auf nackte Haut & Sex bleibt der Film jedoch züchtig; neben reichlich Dekolletés schmuggelt sich neben der Fast-Nackt-Tänzerin (in einem transparenten Glitzer-Nichts) bloß eine blanke Brust ins Bild. Außerdem: Eine Duschszene (mit Männern), ein lesbischer Kuss, ein Catfight, eine coole Gesangseinlage & schlüpfrige Dialoge/Sprüche.

Regisseur Rieger ließ sich für die "Action" einiges einfallen. So klebt die Kamera einmal an den über den Asphalt stöckelnden Nuttenstiefeln & als eine Abtrünnige von Bikern attackiert wird, beginnt sie wild herumzuwirbeln, dass einem fast schwindelig wird. So richtig mitreißend ist das recht sprunghaft dargebotene Geschehen lange nicht, erst zum Ende hin, mit dem packenden Finale im Steinbruch als Krönung, nimmt der ruppige & schmuddelige Film in Bezug auf Dramatik Fahrt auf, da gibt’s dann auch den einen oder anderen aufwühlenden & gar berührenden Moment.

7,5/10

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