"Allright, allright, allright: Stop! See that kid there gettin' beaten to Death by a Bunch of angry Punks? That happens to be my son, Ross. And I can't fucking help him! You wannaknow why? 'Cause I'm dead. Guess, what else is dead..."
Auch, wenn sie aus dem Jenseits zu einem sprechen, ist es doch immer wieder schön, bekannte Gesichter wieder zu sehen. Vor allem, wenn es sich wie bei Schauspieler Michael Goorjian um einen der beiden Co - Stars aus dem grandios unterbewerteten "SLC Punk!" stammt und dann noch mal eine ganze Nummer mehr, wenn besagter Co - Star jetzt als erzählerischer Dreh - und Angelpunkt des Filmes ist. Schade, dass in dem Fall gefühlt noch weniger Leute den Film gesehen haben als den ersten Teil, der hierzulande sogar ein Kinorelease erhielt und den trotzdem kaum jemand kennt. Ein Grund mehr, darüber zu reden, in meinem Fall sogar vor einer Review des ersten Teils. Weil auch ich irgendwo noch ein kleiner Punkrockrebell bin.
Wer Teil 1 nicht gesehen hat bekommt für den direkt einen fetten Spoiler serviert, in exakt der Sekunde, in der Heroin - Bob, der Mitbewohner von Erzähler Stevo aus Teil 1, seine flapsige, altkluge und nunmehr tote Klappe ausreißt: Der Vollblutpunk mit der panischen Angst vor Spritzen (daher der Name) starb am Ende des ersten teils ironischerweise an einer versehentlichen Überdosis, aber nicht, ohne Hippiefreundin Trish ein Geschenk zu hinterlassen, dass 19 Jahre später auf den Namen Ross hört und ob seiner tragischen Familiengeschichte zum depressiven Goth mit starkem Todestrieb mutiert ist. Dem wurde kürzlich von seiner ersten Liebe das Herz gebrochen und versinkt nun noch tiefer im Selbstmitleid als ohnehin.
Damit der enttäuschte Thanatosjünger nicht komplett in Trauer versumpft nehmen Punkbuddy Crash und dessen Freundin, die heteroneugierige (Ja, heteroneugierige!) Penny den Schwarzmaler mit auf einen Road Trip im geklauten Caddylack von Pennys arschigem Redneckvater. Ziel: ein Punkrockgig außerhalb der Stadt. Während Bob das Geschehen aus dem Jenseits heraus interessiert beobachtet und dem Zuschauer davon berichtet stirbt Mutter Trish tausend Tode und versucht mit Hilfe einiger alter Bekannter aus Teil 1, Ross zu finden, der gerade die Party seines Lebens und den übergroßen Schatten seines Vaters ablegt.
Hallelujah! Ich wusste nicht, dass ich eine Fortsetzung zu Teil 1 haben wollte und ignorierte diesen Film wider besseren Wissens jahrelang! Und beiße mir nach der Erstsichtung immer noch in den Arsch, dass ich dieses Werk aus der Feder von James Meredino so lange ungesehen auf meiner Liste stand. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich die Geradlinigkeit des zweiten Teils als kleine Schwäche empfinde und mir Stevo alias Matthew Lillard fehlt. Spannend hingegen finde ich die Charakterentwicklungen der Veteranen des ersten Teils: Dealer und Acidhead Sean hat nach seiner legendären Überdosis aus dem Vorgänger tatsächlich die psychische Kurve gekriegt und sich einen lukrativen Job im Stab eines Politikers, während Modkumpel John, der vor 19 Jahren als "Diplomat" zwischen Mods und Punks vermittelte nach einer Beziehung mit einer Norwegerin zum Schwarzmetaller mutiert ist und die Fahne des skandinavischen Inner Circle in seinem eigenen Plattenladen hochhält, manchmal sehr zum Leidwesen seiner Kunden. Womanizer und Ex - Waver Eddie hingegen hat einen Reichtum
Im Übrigen rockt der Soundtrack des Filmes auch lange vor dem Konzert am Ende, wo unter anderem The Dwarves aufspielen. Daneben gibt es mit NOFX, Screeching Weasel und Rancid einige Punkveteranen neueren Datums, während außerhalb der üblichen Szeneverdächtigen die Cocteau Twins, New Order samt Vorgängerband Joy Division und Glamrocker David Bowie de Szenerien beschallen dürfen. Sogar ganz und gar unalternatives wie Shirley Bassey und Richard Wagner finden musikalisch ihren Platz in dem Film. Ein Soundtrack, so wild und abwechslungsreich wie der Film selbst.
Und Punk ist doch nicht tot! Während Stevo das System als Anwalt von Innen zerstört und seine Punkzeit als Phase in den Kleiderschrank gehangen hat sieht Bob trotz anfänglicher Zweifel alles etwas gelassener, auch die Eskapaden von Söhnchen Ross, zumal dieser endlich aus der Überbehütung durch seine Mutter ausbricht. Der Weg dahin ist mit 75 Minuten etwas kurz und stellenweise etwas ruhiger als der Vorgänger, aber dennoch liebens - und sehenswert. Macht nicht den Fehler wie ich, 9 Jahre zu warten.