Der Titel GHOSTS GALORE klingt ja schon ganz schön vollmundig nach Spuk in Hülle und Fülle, doch kann ein Film dieses Titels den Erwartungen standhalten, zumal er mit überzeichnetem Klamauk in der Hongkong-Variante der VÄTER DER KLAMOTTE einen rasanten wie unübersichtlichen Einstieg sucht? Nun, zumindest kommen wir relativ schnell zu den wie mit Ecstasy gefütterte Truthähne glotternden Geisterjägern Dick und Doof, die nervös mit ihren Zweiglein peitschen und mit ihren geschriebenen Talisman-Zettelchen hausieren, wie der übereifrige Gerichtsvollzieher mit seinem Kuckuck. Daran ist erstmal nichts verwerfliches, ist das doch schließlich die Tradition im fernen Osten und aus zahlreichen Geisterstreifen und dergleichen bekannt. Die Frage ist eher, soll das euphorisierte Lumpentheater mit der pseudohistorischen Travestie und den Synthisesounds wie aus dem an eine Starkstromleitung angelegten Atari VCS nun lediglich die Nerven des Zuschauers strapazieren, oder wird man den Ansprüchen an einen Film aus dem Hause SHAW BROTHERS mit GHOSTS GALORE gerecht werden können?
Mit dem eher als Darsteller bekannten Hsu Hsia auf dem Regiestuhl vervollständigt sich hier leider der Eindruck, daß der Film eher ein improvisiertes Flickwerk als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für durchaus namhafte Akteure wie Lo Lieh geworden ist. Es handelt sich um eine bunte Reise der Irrationalität, die sich zwar bemerkenswerterweise ganz klassischer Kinotechniken aus dem Trickfundus von Georges Méliès, wie etwa Jumpcuts und Mehrfachbelichtungen, bedient, aber trotz viel Bewegung kaum etwas zu erzählen hat. Geistartige, jedoch nicht geistreiche Wesen tauchen willkürlich in Menschengestalt auf, um sich etwas merkwürdig zu bewegen. Ein animierter, nur aus bemalten Blättern bestehender Zweimetermann ist zunächst das Höchste der Spukgefühle. Bedeutsam wird eher die Anwesenheit überraschend vieler Japaner, die sich als Ninjatruppe auf der Suche nach zwei geflohenen Aufständischen entpuppt, deren Wege sich natürlich mit denen Dick und Doofs kreuzen. Positiv ist sicher die Zunahme von Martial Arts Action, die sich immer weiter in ungeahnte Höhen schraubt und dann in einem Duell der Meister gipfelt, welche sich auf Altaren betten, von denen aus sie sich die Hilfe phantasiereich gewandeter Adjutanten herbeibeschwören.
Natürlich reanimiert GHOSTS GALORE mit diesem Mix aus Restposten der SHAW BROTHERS Mottenkiste ein paar unterhaltsame Motive, hangelt sich anhand unterschiedlichster Elemente wie Geister, Magie und überzeichneten Kampfchoreographien auch immer an nur leicht angeschmolzenen Ikarusflügeln baumelnd über einen Abgrund aus Chaos, Verdruss und Langeweile, doch ist eben der Humor deutlich Geschmackssache und die Revue letztlich nicht mehr als Zeitvertreib, so daß weder von einem Highlight noch von erfüllten Ansprüchen gesprochen werden kann, schließlich haben sich die SHAW BROTHERS gerade um das Jahr 1983 herum auch durch skurrile bis übertriebene Horrorfilme einen Namen gemacht. GHOSTS GALORE verknüpft jedoch eher Elemente des frühen Stummfilms mit dem Mummenschanz des bekannten Kung Fu Ensembles, ohne damit wirklich nachhaltig begeistern zu können.