Mad Max - Fury Road(2015)
Wenn man nur weit genug zurückgeht, gibt es eigentlich nur diesen EINEN Endzeitfilm. In einer medial süchtigen Welt wo ein neuer Hype den nächsten Jagd, wo Action immer mehr und vor allem immer mehr erklärt werden muss, kommt George Miller - quasi aus der Versenkung - und revolutioniert eigentlich...hmm...nichts. Der nunmehr vierte Ableger steht völlig in der Tradition seiner Vorgänger und funktioniert völlig für sich. Keinen der Vorgänger muss man gesehen haben, um in die trostlose Welt einzutauchen, die Miller hier nach 30 Jahren zelebriert. Ich schweife ab...
Wenn man nur weit genug zurück geht...
Children of Men, Book of Eli, Doomsday, The Walking Dead, 28 Dingens Later, The Road und die vielen anderen Variablen der Endzeit sind dehnbar. Selbst Videospiele wie RAGE, Borderlands oder Fallout, um mal die Paradebeispiele zu nennen, sind eindeutig auf dem Weg hin zu Fury Road zu spüren. Ein fantastisches Art Design, knallige Kostüme und spielerisch verrückte Einfälle durchziehen die phänomenale Ausstattung von Fury Road. George Miller ist wirklich ein visionärer Filmemacher. Dieser Begriff wirkt vielleicht etwas strapaziert, trifft hier aber nach langer Zeit mal wieder einen wirklichen Helden an den Strippen der Filmschaffenden.
Ein düstere Melange aus Tumoren, Verstümmelungen und enormer Widerwärtigkeit verzückt den Zuschauer bis in den Magen. Das Szenario ist einfach, geradlinig und wieder zurück. Max(Tom Hardy) ist irgendwo, irgendwann, wird von den Bösen aufgegriffen und gefangen gehalten, während Furiosa(Charlize Theron) aus den Fängen des Immorten Joe(Mad Max 1 Veteran Hugh Keays-Byrne) flieht und sich die Ereignisse überrumpeln...
Alles fühlt sich nach Echtzeit an. Fury Road beginnt, wie schon Teil 2, einfach mitten im Geschehen, steigert sich mit der Laufzeit noch enorm, jedoch ohne zu ermüden. Ein Effektoverkill sondergleichen. CGI's sind rar gesät, gut eingebettet und nur kaschierend für die kinetische Leistung der FX Spezialisten. Ein Feuerwerk aus Stahl, Stunts und perfekten Choreografien. Jeder Crash glänzt, jeder Schuss ist einfach bombastisch inszeniert und nichts, aber wirklich gar nichts wiederholt sich.
Mad Max 4 ist ein Finale in voller Filmlänge. Die ruhigen Phasen sind gelungen, wortkarg, laden zu Spekulationen ein und so sind schlussendlich dermaßen archetypisch, dass es einfach eine absolute Erholung ist. Nichts wird zu Tode geschwafelt, die Hintergründe zur Storyline sind ebenso schleierhaft, wie die abgewandelte Prämisse von Max selbst. Dessen Tagräume heben sich gegen die Ursprünge der Reihe, werden mit diffusen Flashbacks(man achte auf die "gedrückten" Augen) unterlegt und sind ehr das, was man nicht erwartet. Nebensächlich.
Überhaupt. Max als Figur selbst funktioniert hier genau so wie im zweiten Teil. Nämlich als Nebenfigur, als schweigsamer Schatten in einer Episode, in der er am liebsten gar nicht sein möchte. Hardy ist da genauso gut wie Gibson. Keine Diskussion. Mit Charlize Theron als Furiosa etabliert man klammheimlich die eigentliche Hauptfigur der knappen Geschichte...ein Triumph und ebenso passend besetzt.
Wenn man nur weit genug zurück geht...dann gibt es nur einen. Mad Max 2 ist die Dystopie schlechthin. Daran scheitert Fury Road in letzter Instanz(neben den hin und wieder strapazierenden 3D Close Up's), führt aber gleichzeitig einen betörenden Tanz mit ALLEN Actionfilmen der letzten Jahre und alle, wirklich alle fallen auf die zerschundenen Knie. Ein derartig temporeiches, verspieltes und absolut wagemutiges Fest des Wahnsinns übertrifft sie alle und macht klar, wie Action auch heute aussehen kann.
Ein einfallsreicher Film mit wenig Wort und viel Energie in der Tat an sich. Die letzten Minuten sind bezeichnend für Max und so schließt sich auch der Kreis zu The Road Warrior.
9 Punkte für den wahren Helden...selbst wenn der dem Hauptpreis den Rücken kehrt...ohne Worte. Großartig.
Trailer
https://www.youtube.com/watch?v=xo_Mvi5jIfo