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Max, gespielt von Tom Hardy, lebt nach dem Ende der Zivilisation in einer postapokalyptischen Wüste, geplagt von den Erinnerungen an seine verstorbene Familie. Er wird in die Zitadelle eines brutalen Warlords, Immortan Joe genannt, verschleppt, wo er als Universalspender einem kranken Kämpfer, gespielt von Nicholas Hoult, Blut spendet. Als die Imperatorin Furiosa, gespielt von Charlize Theron, zusammen mit den Frauen und einem Tanklastzug des Warlords zu fliehen versucht, heftet sich dieser mit seiner gesamten Streitmacht an ihre Fersen. Während der Verfolgungsjagd kann Max sich befreien, woraufhin er sich Furiosa anschließt. Sie versuchen nun, deren Heimat zu erreichen, den letzten grünen Fleck in der gigantischen Wüste.

„Mad Max: Fury Road“ war von den Fans des ersten Teils von 1979 - und davon gibt es in Anbetracht des großen Erfolgs dieses Endzeitstreifens offensichtlich ziemlich viele - lange herbeigesehnt worden, zumal die Entwicklungsgeschichte bis in die späten 90er zurückreicht. Das dürfte erst recht der Fall gewesen sein, da feststand, dass mit George Miller der Regisseur der Trilogie mit Mel Gibson erneut auf dem Regiestuhl Platz nehmen würde, wenngleich der in den letzten 25 Jahren mit „Lorenzos Öl“, „Ein Schweinchen namens Babe“ und „Happy Feet“ nicht einmal ansatzweise im Actiongenre unterwegs war und unlängst seinen 70sten Geburtstag feierte. Außerdem wurde während der nicht enden wollenden Vorproduktion bekannt, dass Mel Gibson aus dem Projekt ausgestiegen war. Man konnte also auch befürchten, dass ein mittlerweile weich gespülter, von der langen Entwicklung entnervter Regisseur einen blutleeren Blockbuster abliefern würde, der wenig mit den Originalfilmen gemein hat. Aber zumindest das kann man Miller definitiv nicht vorwerfen.

„Mad Max: Fury Road“ ist von harter Action und zynischem Humor geprägt. Max fungiert nach seiner Gefangennahme als „Blutbeutel“ für einen jungen Kämpfer, er wird wie eine Gallionsfigur auf die Motorhaube eines Wagens gebunden, mit einer Nadel im Arm. Diese Szenerie ist, ähnlich wie die anderen sehr abenteuerlich entworfenen Gefährte und Figuren, so grotesk, dass sie eben auch lustig ist. Besonders einfallsreich ist der Streitwagen mit den Trommlern und einem an Gummiseilen befestigten Mutanten, der mit seiner E-Gitarre dem übrigen Tross bei der Verfolgungsjagd einheizt. Hinzu kommen noch die entstellten Freaks und der irre, aber sehr passende Score, die die groteske, makabere, teilweise aber auch lachhafte postapokalyptische Szenerie komplettieren. Wie sich die Menschen in dieser aus den Fugen geratenen Welt ernähren, wie es ihnen möglich war, die gigantische Zitadelle zu bauen, woher sie Benzin und Ersatzteile für ihre Fahrzeuge beziehen und warum sie nicht gegen ihren grausamen Anführer rebellieren, stellt man dabei besser nicht in Frage.

Ohnehin besteht der Film letztendlich fast ausschließlich aus Verfolgungsjagden und einem eher spartanischen Plot, der diese einigermaßen sinnig verknüpft. Handwerklich ist das alles aber sehr gut gemacht. Die postapokalyptischen Schauplätze, die weiten Wüstengegenden, die Sümpfe, aber auch die Zitadelle machen visuell einiges her, die Effekte sind gut und die Actionsequenzen sehr dynamisch. Darüber hinaus wird, was Stunts, Pyrotechnik, Quantität der Action, aber auch den Bodycount angeht, keinesfalls gegeizt, man kann jedenfalls nicht behaupten, dass „Fury Road“ weniger hart und konsequent als seine Vorgänger wäre. Nur die mal wieder weitgehend unnötige Umsetzung in 3D hätte sich Miller besser schenken sollen, zumal gerade die Aufnahmen in der Wüste durch die Brille verdunkelt eher unecht und befremdlich wirken. Auch darstellerisch gibt es nichts zu bemängeln, so gibt es einen sehr überzeugenden Nocholas Hoult zu sehen, während Charlize Theron in der Rolle der knallharten Imperatorin Furiosa mal wieder unter Beweis stellt, dass sie praktisch alles spielen kann. Für Tom Hardy, dessen Karriere in den letzten Jahren mit „Inception“, „Warrior“ und „Dark Knight“ zunehmend an Fahrt gewann, dürfte die Rolle des Mad Max darüber hinaus ein echter Glücksgriff sein, weil er hier erstmals auch in der Hauptrolle eines großen Blockbusters agieren kann. Und das gelingt dem sehr präsenten, charismatischen Darsteller ausgezeichnet, wenngleich sein u.a. in „Warrior“ unter Beweis gestelltes schauspielerisches Talent hier letztendlich nicht gefordert ist.

So garantiert „Mad Max: Fury Road“ letztendlich zwei unterhaltsame Stunden, mehr aber auch nicht. Das hängt einmal mit dem substanzlosen Inhalt zusammen, aber auch mit den flachen Charakteren, die überhaupt keinen emotionalen Zugang zum Film zulassen. Abgesehen davon, dass die Freakshow ohnehin so grotesk ist, dass kaum Bezug zum Geschehen aufkommt, fehlen auch den eigentlichen Sympathieträgern Herz und Seele. Warum sich der von Nicholas Hoult verkörperte Kämpfer schließlich der Gruppe um Furiosa und Max anschließt, ist nicht nachvollziehbar, während Furiosa selbst fast überhaupt nicht an Profil gewinnt. Die Tagträume und Visionen von seiner toten Familie, die Max wohl einen tragischen Hintergrund verleihen sollen und überhaupt nicht so recht ins Bild passen wollen, erscheinen wie der aussichtslose Versuch Millers, doch noch einen Hauch von Emotion ins Geschehen zu bringen. Das gelingt aber nicht, sodass auch der Tod von Hauptfiguren den Zuschauer letztendlich vollkommen kalt lässt. Außerdem hat der Film mit seinen auf Dauer etwas eintönigen Verfolgungsjagden keinen echten Höhepunkt, folgt vielmehr der Logik eines Computerspiels, bei dem ein Level nach dem anderen zu meistern ist. Lediglich der Plan der Beteiligten, mit denen sie Immortan Joe und seine Männer zu überlisten versuchen, kann noch als ausgeklügelte Wendung gelten. Dafür folgt dann aber im Anschluss ein sehr abruptes Ende, das viele Fragen offen lässt und darüber hinaus nicht allzu schlüssig ist.

Fazit:
„Mad Max: Fury Road“ ist ein harter und konsequenter Endzeit-Actionfilm ganz im Stil der Vorgängerfilme. Die zweistündige Hetzjagd durch die tristen, postapokalyptischen Landschaften, bei der erneut eine Horde grotesker Freaks mitmischt, ist handwerklich sehr gut gemacht, sorgt für hohe Schauwerte und hält durchweg bei Laune, wenngleich die Action-Szenen auf Dauer etwas eintönig sind. Was Inhalt und Charakterkonstruktion angeht, ist George Millers Actionfilm aber sehr flach und emotional so unterkühlt, dass kein echter Bezug zum Geschehen hergestellt werden kann. Das steht dem Sprung über das Mittelmaß hinaus dann auch im Wege, wobei noch erwähnt sei, dass der Autor dieser Kritik die Vorgängerfilme schlechter fand.

64 %

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