Der Rockstar unter den Action-Filmen (nicht nur Mad Max)!
George Miller dreht einen abgedrehten Film, der formal irgendwo zwischen dem zweiten und dritten Teil angesiedelt ist, der ein kompromissloser Haufen B-Movie sein könnte, mit den modernsten Mitteln eines astreinen Blockbusters. Er tauscht den in die Jahre gekommenen (und zwischenzeitlich auch in Ungnade gefallenen) Mel Gibson gegen Tom Hardy aus, dem das erstaunliche Kunststück gelingt, eine Rolle, die bisher felsenfest mit dem Vordarsteller in Verbindung gebracht wurde, sich komplett anzueignen. Und dafür bedarf es nur seiner enormen physischen Präsenz und seiner Mimik. Viel Gelegenheit zu sprechen bekommt er ja ohnehin nicht.
Die Story ist abstrus und passt auf einen halben Bierdeckel: Gruppe Verfolgter fährt in der Postapocalypse von A nach B, und dann weiter.Aber was Miller daraus macht ist schon ziemlich überragend: Mit seinen weit über 70 Jahren dreht er gerade zum Höhepunkt der Frauenrechtsbewegung in Hollywood mal ganz nebenbei eine entlarvende Frauenbefreiungsgeschichte auf mehreren Ebenen. Und das so nonchalant, dass einem die Spucke wegbleibt. Denn das man starke Frauen schreiben kann, ist nicht erst seit dieser selbstgerechten Bewegung der Fall, es bedarf hat nur eines wirklich guten Regisseurs, der das einfach mal macht. Nebenbei gibt er auch mal den einen oder anderen spitzfindigen Kommentar zur politischen Lage ab, und zeigt auch, was falsche Götzenanbetung in einer Zeit der Perspektivlosigkeit alles bewirken kann. Hinzu kommen diverse andere Themen wie Klassenkampf und fertig ist der thematisch vollgestopfte, extrem schlanke Action-Reisser.
Natürlich bietet der Film inhaltlich auf den ersten Blick nicht viel mehr als die Teile 2 und 3, aber zwischen den Zeilen ist wirklich deutlich mehr drin.Hinzu kommt eine Action-Orgie, die der des zweiten Teils vielleicht etwas nachstehen könnte, aber inszenatorisch durch die Blockbuster-Mittel der heutigen Zeit einfach dennoch besser weg kommt. Ton, Schnitt, Effekte, alles vom Feinsten.
Und schließlich das Prunkstück: Die Chemie zwischen Charlize Theron und Tom Hardy ist über jeden Zweifel erhaben, wer von beiden der Hauptdarsteller in diesem doch klassischsten und damit modernsten aller Western ist, ist hierbei komplett nebensächlich.Und warum Klassisch und Modern gleichzeitig?
Im Grunde genommen ist dieser Film nichts anderes als ein moderner Buster Keaton Action-Reisser mit einer typisch klassischen Western-Story: Mysteriöser Fremder hilft einer Gruppe im Kampf gegen übermächtig wirkende Böse. Das ist im Grunde nichts anderes als mit der Kutsche vor Indianern zu fliehen. Und da der Mysteriöse Fremde nun mal in seinem eigenene Kopf eine unwiderrufliche Schuld mit sich trägt, ist er ein ewig Getriebener, der keine Ruhe finden darf. Dafür zumindest etwas Frieden!Und in diesem ganzen Brimbramborium eines kinetischen Meisterwerkes findet Miller natürlich auch noch die Musse, mehrere Geschichten über verschiedene vollendete Reisen zu erzählen.
Durch den fehlenden Trash-Faktor und die deutlich vorhanden Subkontexte schwingt sich der vierte Mad Max in eine Riege der Action-Meisterwerke hoch und verweist selbst den legendären zweiten Teil irgendwie in die Schranken.Man, ich bekomme gerade wieder Lust, den Film zu schauen!
9 Punkte