Oder: This is F**king Awesome
Ein ganz normaler Tag in der post-apokalyptischen Wüste: »Mad« Max Rockatansky (Tom Hardy) wird von einem kriegerischen Kult gefangen genommen, um als »Fleischsack« den Soldaten Energie im Kampf zu liefern. Als die Kriegerin Furiosa (Charlize Theron) den Kultführer Immortan Joe (Hugh Keays-Byrne) verrät und mit einem Kriegslaster abhaut, schlägt Max’ Stunde. Im Tumult der Verfolgungsjagd kann er sich von seinem Sklavenhalter Nux (Nicholas Hoult) lösen und tut sich mit Furiosa zusammen. Gemeinsam mit Joes fünf Frauen, die Furiosa entführt hat, fahren sie in eine hoffentlich rosigere Zukunft. Aber das ist gar nicht so einfach, wenn man eine Armee im Rücken und einen tosenden Sandsturm vor sich hat …
Wow, wow, wow! George Millers Mad Max: Fury Road (2015) ist Adrenalin pur. Keine einzige ereignislose Sekunde gibt es in diesem Streifen, alles ordnet sich dem Genre Action unter. Der Film ist letztlich nicht mehr und nicht weniger als eine zweistündige Verfolgungsjagd. Die Zukunft des Mad-Max-Universums ist knallhart, brutal und schnell. Der Kult um Immortan Joe wird zu Beginn ohne viel Blabla erklärt: Er besitzt das Wasser in dieser Welt und hat deshalb das Sagen. Und er ist böse. Und hat ein Harem von Frauen. Und seine »War Boys« kümmern sich ums Grobe. Das ist alles, was man hier wissen muss. Und – ich wage es fast gar nicht zu sagen – das reicht absolut.
Ein Film wie Mad Max braucht keine ausufernde Exposition. Miller schafft es, die Welt im Verlaufe der Geschichte Stück für Stück zu erweitern. Diese Welt ist comichaft überzeichnet, greift aber einige durchaus interessante Themen auf: Der felsenfeste Glaube von Soldaten in ihren Anführer, die Vorherrschaft der Männer, der Wahnsinn des Krieges. Etwas wirklich Überraschendes hat Miller zu alledem freilich nicht zu sagen. Damit wird er, der Mad Max schon seit Anfang 80ern mit drei Vorgängerfilmen zelebriert hat, so schnell keinen Nobelpreis gewinnen. Aber das muss er ja auch nicht. Tom Hardy und Charlize Theron füllen ihre skizzenhaften Charaktere mit einer gehörigen Portion Charme aus, Nebendarsteller wie Nicholas Hoult als verrückter Nux können mit launigem Overacting brillieren.
Was bleibt und zählt, ist die Action. Und mein lieber Scholli, haut die rein! Zuweilen geschehen zehn unterschiedliche Dinge miteinander. Miller lässt den Zuschauer aber nie orientierungslos zurück. Schnitt, Rhythmus und Bildsprache; das ist meisterhaft inszeniertes Actionkino. Schiessereien, Raufhändel, Verfolgungsjagden – und das alles zugleich. Kein Problem für Miller. All dies geschieht in einem wunderbar steampunkigen Setdesign, wo es vor Dampf, Dreck, Blut und Sand nur so wimmelt. Ein Fest für die Augen, das einen von der ersten Sekunde bis zur letzten mitreisst.
Das täuscht nicht darüber hinweg, dass der Plot reichlich simpel gestrickt ist und sich wortwörtlich um sich selbst dreht. Die Figuren handeln von Anfang an aus der Not hinaus, was ihre Entscheidungen letztlich uninteressant macht. Und Max Rockatanskys gespenstischen Erinnerungen, die immer mal wieder aufflackern, sind läppische Gimmicks, die die Vorgeschichte des Charakters erfolglos wieder aufleben lassen wollen. So ist Mad Max als Thrillride und Action-Spektakel allererste Sahne, als Geschichte platt und dürftig. Wer sich mit diesen Prioritäten unseres lieben Regisseurs anfreunden kann, auf den warten zwei knallhart unterhaltsame Stunden.
8/10