Review

kurz angerissen*

Die Erleichterung über ein Creature Feature, das bei den Special Effects in einer Liga mit "Arac Attack" oder "Infestation" spielt, ist groß genug, dass man beinahe vergessen könnte, sich mit den übrigen Qualitäten zu befassen. Dass deutsche Gelder in die Realisierung von Riesenwespen geflossen sind, wirkt überdies geradezu wie ein Wachtraum. Nein, "Stung" ist in vielerlei Hinsicht kein gewöhnliches Exemplar seiner Gattung, eher schon ein Produktionsunfall, bei dem sich aufgrund der ungewöhnlichen Umstände eher hinzusehen lohnt als bei allem, womit wir von den hiesigen Billigmanufakturen zugeschmissen werden.

Was allerdings nicht bedeutet, dass wir es mit einem besonderen Geniestreich zu tun haben. Wenn man die beiden Hauptdarsteller auf dem Weg zu ihrem Job als Servicekraft für eine Alte-Leute-Feier begleitet, werden die Schwächen der Dialogschreiber ebenso aufgedeckt wie die begrenzten Qualitäten der Schauspieler, die auf eine negative Weise so aussehen, als hätten sie ihr ganzes Leben nichts anderes getan als gegen Viehzeug aus dem Rechner zu kämpfen. Als dann auch noch Lance Henriksen auf der Party wartet, ist die Sachlage eigentlich relativ klar.

Immerhin wissen die ersten Eindrücke bei den Festivitäten mit krudem Gammelhumor zu überzeugen. Dazu gehört ein Keyboard-Alleinunterhalter (inklusive abgeschmackter Bossa-Nova-Rhythmen aus den Keyboard-Defaulteinstellungen, die sich ranzig in der Luft verbreiten wie Mr.Oizo-Beats) ebenso wie Clifton Collins Jr. in eher ungewohnter Rolle als verklemmtes Muttersöhnchen; auch Henriksen leistet als Veteran seines Fachs einen gewichtigen Beitrag.

Als dann die Insekten aus ihren Erdlöchern kriechen, schnell an Volumen gewinnen und als ausgewachsene Spezialeffekte durchs Bild schwirren, ist man jedenfalls überrascht, denn man würde bei der Filmanlage doch eher schlecht kopierte Praktikumsnachweise der Marke "Camel Spiders" erwarten, aber gemessen daran können sich die Stecher wahrlich sehen lassen. Insbesondere dahingehend, wie sie die Party-Gäste attackieren - da bleibt dann auch mal eine ganze Gesichtshälfte am Unterleib hängen und das Gekröse verteilt sich herzhaft auf dem Boden.

Schade, dass im Anschluss an den ersten Ausbruch nur noch Standards abgearbeitet werden. Ein verriegeltes Haus und eine panische Gruppe Überlebender, die Szene für Szene dezimiert wird, da helfen auch die bekannten Gesichter nicht mehr viel.
Als "Asylum"-Alternative eignet sich "Stung" definitiv, aber für einen echten Kracher, und einen solchen hat das Subgenre längst noch einmal nötig, hätte es außer annehmbarer digitaler Effekte außerdem ein raffiniertes Drehbuch benötigt.

*weitere Informationen: siehe Profil

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