Nicht nur Enzo G. Castellari sorgte bei Italofans für einen schnelleren Herzschlag, auch Michele Massimo Tarantini (Amazonas - Gefangen in der Hölle des Dschungels, Ausgestoßen - Frauen im Zuchthaus) alias Michael E Lemick heizt mit seinem "Hard Bull" kräftig ein. Dennoch erreichte sein DTV-Werk keinen hohen Bekanntheitsgrad und ist wirklich nur für den Actionfan interessant.
Der Drogenlord Pinero (Philip Wagner) ist einer der mächtigsten Männer Boliviens. Jeglicher Versuch ihn auszuschalten misslingt, denn seine Privatarmee unter Captain Wesson (Henry Silva) scheint unbezwingbar. Doch nun schickt man den amerikanischen Elitesoldaten Bull (Miles O´Keeffe) und zwei weitere Soldaten (Milton Morris, Chuck Bishop) in Boliviens Dschungel. Sie sollen sich mit einem Kontaktmann treffen, der als Spitzel in Pineros Organisation eingeschleußt wurde. Doch Bull und seine Kammeraden finden den Insider ermordet vor und geraten in eine Falle. Von Wesson und seinen Mannen werden sie erbarmungslos durch den Dschungel gehetzt. Doch es gelingt ihnen zu Pineros Ranch vorzudringen, hier kommt es zum finalen Gefecht.
Die üblichen Elemente fügen sich zu einem Alibiplot zusammen. Da wäre ein Drogenlord, dessen Bestechungen sogar amerikanische Regierungsmitglieder erreichen, somit ist jeder Angriff zum Scheitern verurteilt. Gleich zu Beginn wird eine ganze Armee von Wesson niedergemäht, die Pinero ausschalten sollte. Da hier alles Schlag auf Schlag geht, dauert es keine fünf Minuten und Bull ist mit seinen Männern im Dschungel gelandet. Die Story erinnert ein wenig an "Rambo II - Der Auftrag", nur soll Bull hier keine Gefangenen befreien, sondern er soll Gefangene machen und zwar Pinero, den er nach Amerika bringen soll oder töten. Doch es gibt mal wieder einen Verräter in den eigenen Reihen und wer das ist, kann jeder Laie erraten. Natürlich findet Bull auch den Spitzel tot auf und hat im Dschungel bald den ersten Kontakt mit Wesson und seiner Einheit.
Storytechnisch sollte man die Ansprüche stark herunterschrauben, oder es wirklich sein lassen. Vorhersehbar, simpel gestrickt und völlig wendungsarm verläuft der Plot, doch Tarantini haut dem Zuschauer von Anfang an die Action um die Ohren. "Hard Bull" ist eine Nonstop Ballerei und Hetzjagd ohne Verschnaufpause. In dutzenden ballern Bull und seine Männer ihre Gegner über den Haufen, der Bodycount kann locker einem John Woo Film das Wasser reichen. Ständig steht Bull unter Feuer, denn Wesson jagt sie nicht nur am Boden, sondern hat auch einen Helikopter am Start. Im Sekundentakt hagelt es Explosion, der Munitionsverbrauch ist gigantisch und auch der Dschungel hat so seine Tücken. Krokodile und Piranhas bekommen einen kleinen Auftritt, nebenbei wehren sich Bull und seine Kammeraden auch mit ein paar selbstgebastelten Fallen. Bei den vielen Shootouts vernachlässigt Tarantini leider die Kloppereien. Bull darf sich zwar einen langen Faustkampf gegen Wesson liefern, doch ansonsten sieht es mau aus. Leider sieht man dort deutlich, dass die Beiden aneinander vorbeihauen und auch sonst hat die zahlreiche Action ein paar Schönheitsfehler. So werden hier sichtlich einige Modelle zur Explosion gerbracht, Wesson und seine Einheit sind drastisch schlechte Schützen und Bull steht immer ohne Deckung da und wird nie getroffen. Schenkt man diesen Fopas jedoch kaum Beachtung, so ist diese Dauerballerei ein Fest.
Auch die Sets überzeugen, es wurde nicht in irgendeinem botanischen Garten gedreht, sondern wirklich im Dschungel. Auch das Camp von Pinero kann sich sehen lassen, dies wird im langen Actionfinale zu Klump geschossen und gebombt. Der Score ist fetzig, wenn auch nicht abwechslungsreich genug.
Zusätzlich sorgt Henry Silva (Cusack - Der Schweigsame, Riffs II) mit seiner bösartigen Performance für einige Pluspunkte. Silva ist für die Rolle als Fiesling geboren. Den Spruch "Töten ist für mich eine Leidenschaft" nimmt man ihm sofort ab. Da hat ein Miles O´Keeffe (Silent Hunter, Power Force) nicht viel entgegen zu bringen. Routiniert spult er die Rolle als Ersatzrambo herunter, mehr als zwei Gesichtsausdrücke hat er nicht parat.
Die Story dient nur als Lückenbüßer um die zahlreichen Actionszenen miteinander zu verbinden. Hier wird im Sekundentakt geschossen, gehetzt, gebombt, einige blutige Einschüsse inklusive. Man sollte jedoch über einige Fopas hinwegsehen, dann steht dieser Nonstop Ballerei nichts mehr im Weg. Ordentlich inszeniert ist "Hard Bull" auch.