Wenn obzöne Anrufe so realistisch sind, messerscharfe Krallen durch die Bettdecke schneiden und aus den Wolken nicht das Glück sondern die Alpträume kommen - dann ist Freddy-Time und für die Kids beginnt der Horror.
Keine Bange, Freddy Krüger wird hier nicht - wie der deutsche Titel ("Freddy's New Nightmare") nahelegt - von einem Alptraum heimgesucht, sondern macht wieder mal anderen Leuten die Hölle heiß.
Auch wenn Freddy diesmal nicht ganz so viele Leute über die Klinge springen lässt, hat er doch wieder zu seiner alten Bedrohlichkeit zurückgefunden. Wes Craven nannte den Film nicht umsonst "New Nightmare" statt etwa "Nightmare 7". Der Titel ist Programm und die zugrunde liegende Idee fasziniert. Drang Freddy bislang nur in die Träume seiner Opfer ein, versucht er nun in die Realität einzubrechen. Sein Opfer ist wieder einmal Heather Langenkamp, die Hauptdarstellerin des ersten und dritten Teils. Diesmal findet die Handlung jedoch hinter der Kamera statt.
Während die Dreharbeiten für eine neue Nightmare-Episode vorbereitet werden, wird Heather von unheimlichen Träumen aus dem Schlaf gerissen. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, macht ihr auch noch ein anonymer Anrufer - der sich als Freddy Krüger ausgibt - das Leben zur Hölle. Ihre Freunde winken ab: offenbar ein geistesgestörter Fan, der sich einen üblen Scherz erlaubt. Doch die unheimlichen Vorfälle mehren sich und schon bald kristallisiert sich heraus, dass der echte Freddy seine Klaue im Spiel hat. Besonders beunruhigt Heather die unheimliche Veränderung ihres Sohns Dylan. Sie erwischt ihn dabei, wie er sich im Fernsehen Nightmare 1 ansieht. Als sie das Gerät abstellt, bekommt er einen Schreikrampf. Als Dylan dann schreiend aus einem Alptraum aufwacht, ist sein Kuscheldino von vier parallelen Schnitten aufgetrennt.
Wenig später stirbt ihr Mann unter geheimnisvollen Umständen. Im Leichenhaus bemerkt Heather vier tiefe Schnitte auf seiner Brust. Für Heather steht der Täter fest. Sie sucht Wes Craven auf, der gerade am Buch des neuen Films arbeitet. Was sie von ihm erfährt, lässt ihr das Blut gefrieren. Zwar ist das Verwirrspiel zwischen Film und Realität nicht ganz neu (ich denke da etwa an "Im Augenblick der Angst"), Wes Craven spielt jedoch souverän mit den verschiedenen Handlungsebenen. Ihm gelingt ein interessanter Beitrag mit sehr schönen Details. So führt Craven anhand Hänsel und Gretel vor Augen, dass auch Märchen nicht ohne Horrorelemente ausgekommen sind. Geschickt zieht er eine Parallele zu Freddy, der wie die Hexe im Märchen in den Flammen umkommen muss.
Craven lässt sich sehr viel Zeit, bevor er das Grauen losbrechen lässt. Mit subtilen Andeutungen schafft er eine latente Atmosphäre der Bedrohung, die dann in ein fulminanten Showdown mündet. Freunde des Bodycounts dürften die zahlreichen Andeutungen, mit denen Craven sein Publikum in der ersten Hälfte des Films bei Stange hält, allerdings nicht genug sein. Für diese fackelt Craven in den letzten 20 Minuten ein Effektefeuerwerk ab, gegen den sich ältere Teile behäbig ausnehmen. Diese Uneinheitlichkeit ist es, die den Gesamteindruck etwas trübt. Dennoch: Schon allein der Mut, aus einem eingefahrenen Erfolgsrezept auszubrechen und neue Wege einzuschlagen (auf die Gefahr hin, die Fans zu vergraulen), verdient Beachtung.