Review

Heather Langenkamp, Hauptdarstellerin im ersten und dritten Teil der populären siebenteiligen “Freddy”-Reihe, wird von schrecklichen Alpträumen gequält, die sie mit Freddy Krueger, dem eigentlichen Star der Filmserie konfrontieren. Nachdem ihr Ehemann bei einem Autounfall ums Leben kommt und vier merkwürdige Kratzer seinen Bauch zieren, weiß sie: Freddy lebt! Als auch ihrem Sohn Dylan die Schreckensgestalt im Traum begegnet, ahnt Heather, daß der Mann mit dem Krallenhandschuh Besitz über Dylans Körper erlangen will...
“Freddy’s New Nightmare” ist die mit Abstand harmloseste, aber zugleich auch beste Fortsetzung des Craven-Klassikers von 1984 - obwohl dies bereits der siebte Teil der erfolgreichen Filmreihe ist. Wer einen erstklassigen Blutrausch erwartet, wird also bitter enttäuscht sein, denn “Freddy’s New Nightmare” ist der einzige Teil der Reihe, der ungekürzt bereits eine FSK-16-Freigabe besitzt. Doch das störte mich als objektiven Filmbeobachter nicht im Geringsten: Der endlich wieder unter der Leitung Wes Cravens gedrehte Horrorfilm ist spannend und mit einigen durchaus witzigen Einfällen (bester Dialog: “Warum nennst du mich Nancy, John?” - “Warum nennst du mich John, Nancy?”), so auch beim finalen Zweikampf zwischen Freddys Lieblingsopfer Heather und eben besagtem Unhold aus den Alpträumen. Der Clou ist allerdings die äußerst originelle Grundidee, die jedem eingefleischten Cineasten zusagen oder wenigstens als interessant angesehen dürfte: Heather Langenkamp verkörpert in “Freddy’s New Nightmare” niemand anderen als sich selbst, d.h. sie spielt Heather Langenkamp, die populäre Hauptdarstellerin des grandiosen Originalfilms, in der Freddy dem Publikum zum ersten Mal das Fürchten lehrte - dies gibt dem Film den nötigen Pfeffer. Erst recht, als Heather erkennt, daß Freddy Krueger nicht bloß eine von Craven erfundene Schauergestalt ist, sondern in der Wirklichkeit existiert. Mit diesem im Kino äußerst selten verwendeten Aspekt der “Film-in-Film”-Verschachtelung als Initialzündung gelingt es Craven, den Zuschauer durch eine wahre Achterbahnfahrt zu führen, bei der man bald nicht mehr weiß, in welcher Ebene man sich gerade befindet: Traum oder Wirklichkeit? In der Schlußszene liest Heather dann ihrem Sohn aus einem Drehbuch vor, das keinen geringeren Titel trägt als: “Freddy’s New Nightmare”, d.h. der Film bewegt sich in einer Endlosschleife, so daß die abschließende Sequenz genausogut als Einleitung für den Film hätte verwendet werden können.
Mit diesem oftmals verwirrenden und sehr umständlichen, aber durchaus kunstvollen Handlungsgerüst kann der Zuschauer auch einen absolut konfusen, haarsträubenden Erklärungsversuch, warum denn Freddy Krueger doch lebt und nicht bloß eine Erfindung ist, verzeihen: Regisseur Wes Craven (in seiner Gastrolle sich selbst spielend) erklärt der bedauernswerten Heather, daß Freddy wirklich existiere, aber aufgrund der von Craven initiierten “Nightmare”-Reihe gebannt werden konnte (!), jedoch nach dem sechsten Teil aus der Filmwelt in die Realität zurückgekehrt ist. Nur wenn Heather noch einmal bereit ist, die Nancy (ihren Part aus dem ersten Teil) zu spielen, kann Freddy auf ewig besiegt werden. Das klingt nicht nur konfus, sondern ist schlichtweg eine lächerliche und unfreiwillig komische Erklärung für die Existenz Kruegers.
Wer sich aber durch diese Tatsache nicht weiter stören läßt, kann des weiteren wenige, aber umso bessere Effekte begutachten (vor allem in Freddys surrealer Zwischenwelt), die in ihrer Perfektion den Vorgängern in nichts nachstehen.
Der Grund, warum sich “Freddy’s New Nightmare” von den anderen Teilen um einiges abhebt, ist außerdem die deutliche Charakterisierung der Hauptperson, die im Gegensatz zu den vorigen Fortsetzungen endlich einmal wieder stärker beleuchtet wird und Heather zu einer echten Identifikationsperson werden läßt - was auch an der durchaus guten schauspielerischen Leistung der Schauspielerin liegen mag. Ebenso schön die netten Nebenauftritte der Schauspieler Robert Englund (als er selbst, also ohne Maske!) und John Saxon (als er selbst, spielte Heathers fiktiven Vater in “Nightmare - Mörderische Träume”) - einige der wenigen herausragenden Darsteller der “Elm Street”-Geschichten. Schwach hingegen die Leistung von Tracy Middendorf als Julie, die scheinbar nicht die Gabe besitzt, eine nur annähernd überzeugende Mimik aufzulegen. Nervig in der deutschen Synchronfassung auch die Stimme von Dylan.
Trotz besagter Mängel ist “Freddy’s New Nightmare” der zweitbeste Teil der Reihe, weil auch nicht nur Wert auf die Effekte oder viel Blut gelegt wird, also auf eine bloße Aneinanderreihung von Traummorden - wie vornehmlich in den Teilen vier bis sechs.
Die Atmosphäre ist deutlich besser als die der vorherigen Fortsetzungen. Wenn Dylan sich in der Nacht allein den Film seiner Mutter, “Nightmare - Mörderische Träume”, ansieht oder Heather träumt, wie ihr Sohn sie plötzlich mit an der Hand angeklebten Messern angreift, erinnert der Film schon an das verstörende Original. Herrlich auch die Szene im Krankenhaus, als Freddy Tina umbringt.
Ein weiterer Pluspunkt ist die Figur Freddy Krueger, die hier nach dem zweiten Teil endlich einmal wieder so richtig böse daherkommt und nicht als der Clown dargestellt wird, den er noch in den letzten drei Teilen abgegeben hatte.

Fazit: Beste Fortsetzung der populären “Freddy”-Saga. Viel Spannung, Atmosphäre, hinterhältiger Witz, zahlreiche hübsche Ideen und die detaillierte Charakterisierung der Hauptperson machen “Freddy’s New Nightmare” zu einem sehr guten filmischen Vergnügen mit nur wenigen Schwachpunkten.

Details
Ähnliche Filme