Review

Wow!

Eigentlich finde ich es ja ganz natürlich, dass man seine Erwartungen mit jeder fortschreitenden Fortsetzung einer Filmreihe runterschraubt, aber im Falle des letzten, richtigen Ablegers der Nightmare-Reihe muss ich gestehen, dass Wes Craven mich durchaus eines positiveren belehrt hat. Sein siebter Teil des Traumkillers Freddy Krueger macht eigentlich alles richtig, was ein Sequel richtig machen muss: Interessante Story, gute Neuerungen, der selbe Cast. Das alles vereint sich zu einem unerhört dichten Horrorfilm, der - anders als seine Vorgänger - wieder mehr den Horror der Geschichte vorzeigt.

Und zwar befinden wir uns diesmal in der Realität. Ja, richtig, Heather Langenkamp spielt sich selbst, Robert Englund spielt sich selbst, verdammt, sogar Wes Craven spielt sich selbst! Das macht den Film schon allein wegen der Inhaltsangabe deutlich interessanter als die teilweise saftlosen Vorgänger, die eigentlich immer nur ein und dieselbe Story nochmal und nochmal warm gekocht hatten. Hier wird Heather Langenkamp ihre Rolle im Original von 1984 langsam Leid - Ein Verrückter ruft sie mit der Stimme Freddys an und schickt ihr Briefe, während Sohnemann auch langsam am Rad dreht. Bei allen Beteiligten verfestigt sich langsam aber sicher der Verdacht, Freddy Krueger könnte aus seiner fiktiven Welt in die unsere übergewechselt sein.

100 Minuten geht der Spaß, und es wird nie wirklich langweilig. Stattdessen baut sich der Film langsam auf, Krueger wird nicht schon von vornerein präsentiert, sondern taucht so richtig erst gegen Schluss auf (was dem ganzen auch noch den richtigen Schliff gibt). Zudem wurde sein Make-Up einmal überarbeitet. Manche sagen, dies wäre schlecht ausgefallen, aber diese Meinung teile ich nicht. Eher wirkt Krueger jetzt wirklich schreckenerregend und angsteinflössend, während er ja sonst fast immer de Stand-Up Comedian mit der ein oder anderen Brandnarbe war. Zudem bewirken ein dunkler Mantel und grüne Kontaktlinsen auch noch mehr Atmosphäre. Da kriegt man doch glatt Gänsehaut.

Heather Langenkamps schauspielerische Leistungen haben sich nebenbei gesagt enorm gesteigert, war sie früher doch eher lasch und klischeehaft am Werk. Auch Craven und Englund merkt man sichtliche Spielfreude an, und Miko Hughes als Dylan ist der beste Kinderdarsteller, den ich seit langem (und eventuell auch überhaupt) sehen durfte. Zwar wirkt er manchmal etwas bemüht darum, besonders schrecklich in die Kamera zu schielen, aber trotzdem ist seine Leistung für ein kleines Kind überdurchschnittlich. Naja, vielleicht lag es an seiner Erfahrungen, immerhin hat der auch schon eine ziemlich makabere Rolle in dem Stephen King Film "Friedhof der Kuscheltiere" gespielt.

Es gibt nichts, was wirklich so schwer ins Gewicht fallen würde, dass es den Film ins bodenlose ziehen würde. Zwar sind die Morde allesamt deutlich an Fantasie runtergedreht worden (während Craven die Szene mit dem Tod des Kindermädchens inklusive scheinbar unsichtbarem rumtollen in der Luft einfach aus seinem Original kopiert hat), aber das tut hier keinen Abbruch, ich würde es schon fast als erfrischend bezeichnen, hier einmal nicht auf absurde Traumwelten zurückzugreifen, mal ganz abgesehen davon, dass Krueger hier keinen einzigen Kalauer ablässt. Aber auch sonst gibt es nicht viel zu meckern, außer vielleicht noch, das die Tricks gegen Ende eher billiger Natur sind, vor allem die Sache, als Krueger verbrennt und sein Kopf anschwillt. Dem zusammenbrechendem Haus im Finale merkt man dann auch an, dass man sich hier an einem kleinen Modell ausgetobt hat, aber was solls, besser handgemacht als lieblos am Computer bearbeitet.

Zuletzt kann ich jedem diesen Film sehr ans Herz legen, man muss auch eigentlich nur den ersten, maximal auch noch den dritten Film der Reihe gesehen haben, um alles zu verstehen. Ein wirklich würdiger Schlusspunkt, den Krueger-Vater Wes Craven gekonnt in Szene gesetzt hat - "Freddy vs. Jason" lassen wir einfach mal weg.

Fazit

Atmosphärisch dichte und spannende Horror-Mär mit einem (endlich!) ziemlich beängstigenden Freddy Krueger, souveränen Darstellern und einer netten Geschichte mit doppeltem Boden.

7/10

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