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Mit Freddy's New Nightmare füllte Altmeister  und Regie-Legende Wes Craven 1994 sein eigentlich für Nightmare 3 geplantes Skript mit filmischen Leben, welches anno 1987 noch vom New Line Haus und Hof Produzenten Robert Shaye abgelehnt wurde, weil es seiner Meinung nach nicht in das damalige Franchisekonzept passte. Die ziemlich intelligent konstruierte Weiterentwicklung der Kultfigur Freddy Krüger, welche in der Realität die Crew des neuen Nightmareablegers angreift, lässt die Hauptprotagonisten auf unterschiedlichen Metaebenen agieren und verwischt gekonnt die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fiktion. Mit dabei ist wieder Heather Langenkamp alias Nancy , welche unter ihrem fragwürdigen Ruhm sowie dem anhaltenden Fankult der Reihe leidet und neben Ihrem Sohn die Schlüsselfigur für Freddys Eindringen in unsere Welt darstellt.

Interessant zu wissen ist das Langenkamp selbst einst ihr Kind verlor und von einem irren Freddy-Fan gestalkt wurde. Schlitzohr Wes Craven baute mit ihrer Erlaubnis die Schicksalsschläge in die Handlung ein was dem Geschehen zusätzliche Brisanz verleiht. Ein origineller Einfall ist, dass Robert Englund, Wes Craven und Langenkamp, sowie John Saxon über eine weitere Verfilmung im Film selbst nachdenken und dadurch immer mehr jenen lieb gewonnenen Traumfänger zum Leben erwecken. Außerdem litten auch Wes Craven und sogar Robert Englund unter massiven Albträumen, was für beide neben einer nicht zu verleugnenden Inspiration auch eine akute seelische Beeinträchtigung bedeutete, welche als subtil mentale Belastung des Horrorfilmgenres auf die Filmdarsteller bereits bei der Freddy Convention-Jubiläum-Sequenz angedeutet wird. Somit steigert sich die Verschmelzung der unterschiedlichen Dimensionen exponentiell zum angedeuteten Horror, der sich bei den Akteuren langsam in deren tatsächliche Existenz in Person von Freddy Krüger zu schleichen droht.

Auch wenn dieser von vielen vielleicht zu unrecht gescholtene Film, die Brutalität und Rohheit seiner direkten Vorgänger in weiten Zügen vermissen lässt, so ist zumindest Freddy Krüger wieder ernster und düsterer charakterisiert. Freddys New Nightmare setzt ähnlich wie das berühmte Original auf die reine psychologische Spannung, welche von der Situation bzw. von der Angst vor dem Augenblick selbst erzeugt wird und nicht durch ausufernde Sterbesequenzen oder einen exorbitanten Bodycount, obgleich diesem auch ein bis zwei Opfer mehr nicht schlecht zu Gesicht gestanden hätten. Die technische Umsetzung  der phantasievollen Albtraumszenarien ist, wie es sich für einen Nightmarefilm gehört, absolut über jeden Zweifel erhaben und weiß mit kreativen Inhalten vollends zu überzeugen, vor allem das Ableben des Kindermädchens und das ausgiebige und mörderisch spannende Finale darf als Highlight des bis heute letzten Auftritts vom Original Freddy Robert Englund genannt werden.

Schauspielerisch können alle Beteiligten Ihre vom Drehbuch vorgegebenen Charakterisierungen gefällig auf die Leinwand bringen. Langenkamp beispielsweise, intensiviert hierbei nochmals ihre surreale Rolle der Nancy Thompson und ist die selbe anfangs emotional angeschlagene, später stabile kämpferische Person, welche sie auch im Film darstellt. Gleiches gilt für Miko Hughes als ihr Sohn Dylan Porter, der eine psychotisch leicht debil drein blickende Performance abgibt, welche in ihrer Intensität zwar fesselt, in summa summarum aber nicht ganz an dessen teuflische Renaissance aus Friedhof der Kuscheltiere heranreicht. Robert Englund gelingt es in seiner Doppelrolle als Freddy Krüger und Englund selbst den Kontrast seiner gespielten Filmfiguren explizit zu verdeutlichen. Als kleines "Schmankerl" für die Nightmare Fangemeinde ließ es sich Wes Craven nicht nehmen, persönlich als Regisseur in seinem eigenen Film aufzutreten.

So bleibt am Ende des Tages ein etwas anderer, aber dennoch fesselnder, überdurchschnittlicher Horrorstreifen übrig, der die franchiseüblichen Albträume gekonnt mit der Realität vermischt und mit einfallsreichem Psychoterror, sowie einer stark aufspielenden Darstellerriege mit einem wie immer phänomenalen Robert Englund punkten kann. Die leider fehlende Härte und das überschaubare Opferkino waren wohl der Grund, warum Freddys New Nightmare die ganz große Anerkennung an den Lichtspielkassen verwehrt blieb, es konnten lediglich knapp 20 Millionen Dollar weltweit eingenommen werden, was für das Studio in Anbetracht des Budgets von circa 9 Millionen Dollar eine mittelschwere Enttäuschung bedeutete. Nichtsdestotrotz entscheidet sich der Autor dieses Reviews für eine 7,5 von 10 Punkte MovieStar Wertung, was aufgerundet die wohl verdiente 8 bedeutet.



 


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