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Zehn Jahre Freddy Krueger: Zum krönenden Abschluss der kultigen 80er-Horror-Reihe hat sich der Erfinder eines der berühmtesten Serienmörder der Kinogeschichte etwas ganz Besonderes ausgedacht: Anstatt die immer wilder und abgedrehter werdenden Filme so fortzuführen, eröffnet er (zwei Jahre vor seinem nächsten Kultfilm „Scream“) eine Metaebene – diesmal wird die Hauptdarstellerin des ersten Films Heather Langenkamp in der Realität von einer Kreatur in Gestalt Freddy Kruegers verfolgt, die in unsere Welt einbrechen und Chaos und Gewalt verbreiten will. Ihr kleiner Sohn Dylan scheint der Schlüssel dafür zu sein … und der Regisseur und Drehbuchautor Wes Craven!

Mit „Freddys New Nightmare“ bietet der Schöpfer des legendären Originals eine clevere, ironische Durchbrechung der bisherigen Fiktionalitätsebene, indem er ein Monster, das die Gestalt Freddys annimmt, in die Realität der Darstellenden eindringen lässt. Und so dürfen dem Fan allerhand bekannte Gesichter (mehr oder weniger) sich selbst spielen – neben Langenkamp auch John Saxon, Craven selbst und Robert Englund, der endlich einmal neben dem diabolischen Monster einen recht sympathischen Freund und Kollegen verkörpern darf. Inwieweit das alles tatsächlich der Realität entspricht, sei natürlich dahingestellt, schließlich konzentriert sich die Story doch enorm auf die übernatürlichen Horrorelemente der Geschichte: gruselige Träume, blutige Gewalt, immer mehr eskalierende Attacken auf Langenkamps eigentlich ruhiges Leben. Dass der „neue“ Freddy nicht nur anders aussieht, sondern auch insgesamt relativ wenig Screentime bekommt, mag ein kleiner Wermutstropfen sein, dennoch bietet die Story mit ihrer cleveren, in sich selbst verschachtelten Grundidee und diversen Spannungsmomenten sehr viel geradlinige Unterhaltung.

Das Konstrukt der sich stetig steigernden Eskalationskurven beherrscht Cravens Drehbuch hier tatsächlich mustergültig. Aus beunruhigenden Träumen und Gefühlen werden erst bedrohliche Momente, wenn Langenkamps Filmsohn schlafwandelt oder sich in gefährliche Situationen bringt, bis schließlich das Freddy-Monster immer näher und näher kommt und dabei nach und nach mehr von sich zeigt – bis schließlich zur ersten direkten Attacke. Man merkt dem Film von Anfang an sein hohes Budget und die professionalisierten Produktionsbedingungen an – hier hat man es definitiv mit einem großen Hollywoodwerk zu tun. Die Effekte, ob aus dem Computer oder von Hand, sind erstklassig und überzeugen auch heute noch in den allermeisten Szenen; auch allerhand Action- und dramatische Spannungsszenen, wie etwa eine Verfolgung über einen dicht befahrenen Highway, können für echtes Herzklopfen sorgen. Und das Finale in einer Art mystischer Unterwelt gefällt mit aufwendigen Kulissen und starken Feuer- sowie maskenbildnerischen Effekten.

Auch inhaltlich gefällt „Freddys New Nightmare“ die meiste Zeit. Für Fans stellt dieser abschließende Teil der Reihe ein fröhliches Wiedererkennungs-Ratespiel da, so viel wird in einzelnen Szenen, in Handlungs- und Bilddetails auf die Vorgänger verwiesen. Wenn etwa Dylans Babysitterin blutend und schreiend die Wand empor und an der Decke entlang geschleift wird, ist das eine Eins-zu-Eins-Einstellung auf den brutalen Tod des ersten Opfers im Originalfilm. Und wenn später die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen und Saxon und Langenkamp in ihrer Kleidung aus dem damaligen Finale plötzlich auch ihre Namen ändern, kann das ein echtes nostalgisches Glücksgefühl auslösen. Dass über der ganzen Ironie und Anspielungsfreude hier eine Zeitlang die Spannung und Dichte der Handlung etwas leidet, mag man wohlwollend übersehen – ganz so geschmeidig wie später in „Scream“ gehen hier ironische Brechung und ernstzunehmende Hochspannung noch nicht ineinander über, aber als Fingerübung hin zu diesem modernen Klassiker kann „Freddys New Nightmare“ definitiv gelten.

Dass auch dieser siebte Teil so seine Schwächen hat, dürfte für Fans nichts Neues sein. So gibt es wieder die eine oder andere inhaltliche Lücke zu ignorieren oder manche unglaubwürdigen Details zu übersehen. Etwas schwerwiegender ist da schon Langenkamps Filmsohn Dylan, der alle Klischees nervender Horrorfilm-Kinder bedient – viel Geschrei, apathisches Herumtappen, sich unnötig in Gefahr bringen, mehr wissen, als er zu sagen weiß; und irgendwann kann auch Langenkamps permanentes Schreien „Dylan! Dylan!“ ein wenig nerven.

Nichtsdestotrotz erweist sich „Fredys New Nightmare“ mit seinen wunderbar durchdachten Metaebenen, viel Selbstironie und freundlich-parodistischen Seitenhieben auf das System Hollywood sowie reichlich Spannung, Blut und Action als überaus würdiger Abschlussfilm einer der legendärsten Horrorfilmreihen in der Geschichte Hollywoods. Wer bis hierher durchgehalten hat, wird also nochmal mit einem echten Highlight belohnt.

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