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Das "Unbeschreibliche Ungeheuer" landet mit seinem fliegenden Raumschiff-Schloss auf dem Planeten Krull und schickt seine Soldaten - genannt Slayers - los, um dessen Einwohner zu unterjochen. Durch die Heirat von Prinzessin Lyssa und Prinz Colwyn soll nun eine Allianz zwischen zwei verfeindeten Königreichen geschlossen werden, um mit vereinten Kräften gegen den außerirdischen Invasor vorzugehen. Da das Ungeheuer die hübsche Prinzessin aber lieber selbst zur Braut hätte, schickt es einen Slayer-Trupp los, der die Hochzeit crasht und Lyssa in das dunkle Schloss entführt. Prinz Colwyn macht sich prompt auf, seine Angebetete zu befreien. Auf Geheiß des weisen, alten Ynyr besorgt er sich zunächst das legendäre Fünfklingenschwert (im Original: Glaive) und schart im Anschluss auf seiner gefährlichen Reise einen großspurigen Zauberer, die Mitglieder einer Räuberbande und einen Zyklopen als Gefährten um sich. Gemeinsam versucht man zur Festung des Ungeheuers zu gelangen, was leichter gesagt als getan ist, denn das Raumschiff beamt sich alle 24 Stunden an einen anderen Ort des Planeten... Die Produzenten von "Krull" haben sich im Vorfeld sicherlich Hoffnung darauf gemacht, dass ein wenig vom Glanz von George Lucas' "Star Wars"-Trilogie auch auf ihren Streifen abstrahlt und sie hiermit einen ähnlichen Boxoffice-Hit landen würden, aber daraus ist nichts geworden, denn so geschmacksverirrt war das damalige Publikum dann doch nicht. Dass Peter Yates' Film an der Kinokasse heftig gefloppt ist und nicht mal seine Kosten wieder einspielen konnte wundert einen da rückblickend betrachtet aber keineswegs, denn sowohl vom Inhalt her als auch, was das gesamte Design anbelangt (bezeichnend: die Verbindung von mittelalterlichem Ambiente mit futuristischem Gedöns und Pew-Pew-Lasern, die nie homogen rüberkommt), ist das hier nur bizarrer Trash, der wohl eher auf einer Linie mit David Lynchs verkorkstem "Der Wüstenplanet" liegt: Hier wie dort ist das Ergebnis die Unsummen, die sichtlich reingepumpt wurden, nicht wert gewesen, denn jeder italienische "Krieg der Sterne"-Nachzieher hat da im Vergleich noch die Nase vorne. Tatsächlich macht Antonio Margheritis ähnlich kruder Science-Fiction-trifft-Fantasy-Mix "Einer gegen das Imperium" aus demselben Jahr mit seinen billigen Kulissen, den Pappmaché-Dinos und dem notorischen Overactor Reb Brown als blondem Barbaren-Hero Yor erheblich mehr Spaß als "Krull"... und das mit bestimmt nur einem winzigen Bruchteil von dessen Budget! Die Kohle, die hier augenscheinlich in Effekte und Ausstattung geflossen ist, wurde da wohl am Skript gespart, denn inhaltlich liefert man im Grunde genommen nur eine olle Standard-Plotte von 'ner entführten Prinzessin, die es aus den Klauen eines Ungeheuers zu retten gilt... und damit hat "Krull" in etwa dieselbe intellektuelle Tiefe wie der erste Teil von "Super Mario Bros.", nur dass das Worldbuilding hier nicht ganz so plausibel geraten ist wie bei besagtem Videospiele-Klassiker. Die dünne Abenteuer-Handlung hangelt sich lediglich von Set-Piece zu Set-Piece, bei denen man das Gefühl hat, dass sie noch am Abend zuvor schnell aus dem Drehbuchautoren-Hut gezogen wurden, denn jeder noch so unsinnige Einfall ist hier gerade recht, um irgendwie die Laufzeit bis zum Abspann zu füllen. Die Dialoge, die dabei permanent abgesondert werden, klingen zwar hochtrabend, sind an Bedeutungslosigkeit aber nicht mehr zu überbieten. Okay, das was ein George Lucas da zuvor mit "Krieg der Sterne" auf die Leinwand gebracht hat, war inhaltlich bestimmt auch nicht anspruchsvoller, doch anders als bei Luke Skywalker & Co, die vom "Star Wars"-Cast so brillant mit Leben erfüllt wurden, wachsen die hier versammelten Charaktere niemals über den Status simpler Abziehbild-Figuren hinaus... und ob Prinz Colwyn schlussendlich das Ungeheuer besiegen und seine Liebste retten wird, bleibt einem darum auch reichlich egal. James Horners penetranter Score orchestert derweil - um quasi mit Gewalt doch noch irgendwie ein wenig Stimmung und Fantasy-Flair in das Geschehen zu infusionieren, die alleine durch die erzählte Geschichte nicht aufkommen würden - geradezu impertinent jede einzelne Szene zu... egal, ob es  nun gerade passt oder nicht. Ein echter Sense of Wonder stellt sich dabei jedoch nie ein, da können die aufwendigen Sets und Studio-Bauten noch so beeindruckend sein. Über weite Strecken kommt es einem aber eh so vor, als hätten hier die Tricktechniker das Sagen gehabt, die den Zuschauer förmlich mit einem Übermaß an Effekten erschlagen (übrigens: qualitativ nicht immer erste Sahne, sondern ziemlich uneinheitlich und teils sogar echt mies!). "Bullitt"-Regisseur Peter Yates - drei Jahre zuvor noch Oscar-nominiert für "Breaking Away" (hierzulande schlimm betitelt als "Vier irre Typen - Wir schaffen alle, uns schafft keiner") - war hierfür ganz offensichtlich einfach der falsche Mann, denn die Inszenierung von Action liegt ihm nicht und ein Gespür für schlichtes Entertainment geht ihm auch vollkommen ab. Das alles ist bisweilen so unbeteiligt und konfus erzählt, dass es glatt Momente gibt, in denen Mitglieder der Helden-Truppe den Löffel abgeben und man als Zuschauer nicht einmal sagen kann, wer da nun gerade draufgegangen ist (und es einen auch nicht juckt)! Liam Neeson und Robbie Coltrane in frühen Auftritten erkennt man da wenigstens noch am Gesicht. Das einzige Element von "Krull", das wirklich erwähnenswert ist und Spuren in der Pop-Kultur hinterlassen hat, ist der Glaive, der auch in Spielbergs lahmen "Ready Player One" nochmal aufgetaucht ist... und der hier weitestgehend vergeudet wird, denn anstatt ihn zu benutzen, trägt der Held ihn die meiste Zeit nur als Accessoir am Gürtel mit sich rum und benötigt ihn am Ende nicht mal, um das Ungeheuer zu besiegen. Das ist ungefähr so, als wenn Obi-Wan und Luke ihre Lichtschwerter nie eingeschaltet hätten. Also, bei aller Liebe zum (Genre-)Kino der 80er Jahre: "Krull" ist ein echt beschissener Film, der zu keiner Sekunde wirklich funktioniert... grotesk (und) langweilig!

2/10

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