Review

Kein Berg war je beängstigender

Der Mount Everest - näher kann man den Himmel wohl nicht kommen. Und ich meine nicht nur dem blauen, sichtbaren Himmel da oben... Kein anderer Berg auf der Welt wirkt so magisch, majestätisch & anziehend auf uns Menschen - "Everest" zeigt einerseits beeindruckend warum, andererseits beängstigend warum das eigentlich absolut verrückt ist. Anhand eines, in Sachen Bergsteiger/Touristen boomenden Frühjahrs 2016, zeigt der dramatische, realistische & atemlos schöne Film, wie gefährlich, reizvoll & einzigartig der Aufstieg auf die 8848 Meter ist. Kein Actionfilm wie "Cliffhanger" oder "Vertical Limit", und doch tausendmal mitreißender & in Erinnerung bleibender. "Everest" hat mich wirklich positiv überrascht & emotional eiskalt erwischt, ist er doch einer der besten, recht klassischen Katastrophenfilme der letzten 20 Jahre - inklusive Bildern einer Berglandschaft, die menschenfeindlicher & schöner niemals über die Leinwand flimmerte. Kein Berg war je so schön & tödlich zugleich, nie ging & kam mir Bergsteigen so nah. Ein Spektakel, für dass die Leinwände kaum groß genug sein können.

"Everest" erzählt ruhig, selbstbewusst & sehr konzentriert von ganz normalen Menschen - keinen Bösewichten oder Helden. Selbst der Berg wirkt trotz seiner "Taten" nie teuflisch - ein extrem realistisches & pures Gefühl wird hier erreicht, sodass man Angst, Wahnsinn & Wunsch nach Freiheit & Erfüllung gleichzeitig vernimmt. Regisseur Baltasar Kormakur bringt uns den riesigen Berg so nah, dass es einen fröstelt, dass man Höhenangst spürt & gleichzeitig diese unendliche Weite. Näher werde ich dem Dach der Welt nicht mehr kommen - und das ist auch gut so. Vor allem in 4K oder 3D sind die Bilder zum Teil von solch einer Wucht, Tiefe, Stärke & Schönheit, dass man weinen muss - und nicht nur wegen der vielen traurigen Schicksale. Ein etwas kleineres Team & stärkere emotionale Verbindung zu den etlichen Charakteren wäre noch wünschenswert gewesenen, doch mit dem was ihnen gegeben wird, arbeitet das stargespickte Ensemble von Knightley über Gyllenhall bis Brolin stark. Es gibt halt nur etwas wenig Screentime für jeden. Trotzdem gehen einem die Schicksale nah genug, die exzellenten Effekte erst recht & audiovisuell kommt man schnell ins Schwärmen wie Schwitzen. Für mich abschreckend wie anziehend zugleich - genauso wie der Everest selbst. 

Fazit: niemand auf der Welt kriegt mich da hoch! Was für ein abschreckender, emotionaler & majestätischer Film bzw. Berg. Der Everest wird mir persönlich nie näher kommen. Packend, unglaublich, stark. Kein Meisterwerk, aber einzigartig realistisch.

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