Review

kurz angerissen*

Als in der “Hellraiser”-Franchise plötzlich Dämonen mit überdimensionalen DVD-Discs im Schädel auf den Plan gerieten, wusste man endgültig, dass die geschlossene Mythologie einem Expanded Universe Platz machen musste, mit dem Versprechen einer infiniten Abfolge von weiteren Sequels, die nicht mehr zwangsläufig etwas mit dem Urentwurf nach Clive Barker zu tun haben mussten. Schaut man sich nun die schwer atmende, winkende Kreatur von „Chapter 3“ der „Insidious“-Reihe an, so kommt man zur gleichen traurigen Erkenntnis.

In seinem Regiedebüt löst sich Leigh Wannell (der bis dato nur als Schauspieler und Drehbuchautor mit den Vorgängern verknüpft war) von dem Bemühen um erzählerische Komplexität und Kontinuität, woran „Chapter 2“ noch viel gelegen war. Er wählt die komfortable Methode und vereinfacht seinen Zugang, indem er sämtliche erzählerische Brücken geflissentlich ignoriert. Trademarks der ersten beiden Filme werden nur noch wie Gimmicks eingeflochten, die junge Lin Shaye in der Hauptrolle verstärkt noch zusätzlich den Eindruck, man befinde sich in einem übernatürlichen Teenie-Slasher.

Kommerziell mag diese Entschlackung vielleicht sogar die richtige Entscheidung gewesen sein, wenn man bedenkt, dass „Insidious 2“ gerade wegen seiner Multidimensionalität viel Kritik einstecken musste und dass „Insidious 3“ nun immerhin das Zehnfache seiner Kosten wieder eingespielt hat. Er öffnet aber zweifellos auch Tür und Tor für eine ganze Flut von Billigsequels, die den roten Buhmann nur noch in ikonischer Funktion vorausschicken oder als dunkle Eminenz installieren, um immer wieder neue Monsters of the Week zu präsentieren, so wie der Sauerstoffmaskenträger mit den schmutzigen Füßen eines ist.

Technisch bleibt Whannell relativ nah an dem, was Wan vorgegeben hat, im Endeffekt gelingt aber kaum mehr als eine lärmende Abfolge vorhersehbarer Jump Scares, deren Vertrauen auf die Surround-Spur etwas Hilfloses in sich trägt. Eigenertrag gleich null; bedenkt man, dass „Insidious“ das Vertrauen in den damals toten Geisterfilm wieder belebt hat, trägt schon ein lieblos abgekurbeltes Sequel wie dieses die Gefahr in sich, das sensible Genre für die Massen wieder zu verlieren.

Dabei ist Whannells Regiearbeit als Genrebeitrag nicht einmal richtig schlecht; sie trägt eben nur düstere Vorzeichen mit sich für den von Wan geprägten Geisterfilm, bei dem bisher jede Episode trotz schwankender Qualität zumindest Sorgfalt bewiesen hat. Von „Insidious 3“ kann man das nicht mehr behaupten.

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