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Johnny Depp spielt den Kriminellen Whitey Bulger, der zum König der Bostoner Unterwelt aufstieg, nachdem er als Informant eine Allianz mit dem FBI eingegangen war. Während der zuständige Beamte der Bundesbehörde, gespielt von Joel Edgerton, seine Hand schützend über den irisch stämmigen Gangster legte, mordete und dealte dieser, wie es ihm passte, bis sich beim FBI schließlich die Erkenntnis durchsetzte, dass mit der Unterstützung Bulgers ein gewaltiger Fehler begangen worden war.

Gerade Gangster-Filme haben es oftmals schwer, schließlich ist die Liste großer und noch größerer Vorbilder, an denen sich die Genre-Filme meist messen lassen müssen, alles andere als kurz. Und Regisseur Scott Cooper, der mit „Crazy Heart“ und „Auge um Auge“ durchaus auf sich aufmerksam machen konnte, ist mit „Black Mass“ letztendlich auch kein zweiter „Der Pate“, „Good Fellas“ oder „Heat“ gelungen, gleichwohl aber ein sehenswerter Gangsterfilm, der sich zumindest in einem Aspekt von den meisten anderen Genrefilmen abhebt.

Wenn die Gesetzeshüter in einem Gangsterfilm eine größere Rolle spielen, dann wird oft das Duell der eifrigen Ermittler und der findigen Ganoven thematisiert, so wie es etwa bei „American Gangster“ und „Heat“ der Fall war. Oder in Scorseses „Departed“, der ebenfalls vom König der Bostoner Unterwelt, von James Bulger, inspiriert war. In „Black Mass“, der auf einer wahren Begebenheit und der gleichnamigen Buchvorlage basiert, wird dagegen die unheilige Allianz zwischen dem Gangster und den FBI-Männern thematisiert, die ursprünglich mit Bulger gemeinsame Sache machten, um die Mafia zu vertreiben.

Gezeichnet wird das schonungslose Bild einer naiven Behörde, die zunächst glaubt, den skrupellosen Bulger an der kurzen Leine führen und für die eigenen Zwecke einspannen zu können. Tatsächlich verstößt der aber gegen sämtliche Bedingungen, die das FBI ihm diktiert, was die Beamten jedoch nicht davon abhält, den mehrfachen Mörder auch weiterhin zu schützen. Immerhin liefert der ja (größtenteils unbrauchbare oder bereits bekannte) Informationen. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem ein FBI-Mann, der Bulger noch aus Kindheitstagen kennt und maßgeblich an der Zusammenarbeit interessiert ist. So sind die besten Szenen letztendlich die privaten Treffen der Kollaborateure auf den verschiedenen Seiten des Gesetzes, welche die unglaubliche Nähe des FBI und des Gangsterbosses kaum besser verdeutlichen könnten. Wer sich die Taten des NSU und die missglückte Taktik, die rechte Szene mit V-Leuten zu infiltrierten, ins Gedächtnis ruft, wird zudem einige Parallelen zu den dunkleren Kapiteln der deutschen Strafverfolgung feststellen. Der Bruder Bulgers war übrigens lange einer der mächtigsten Politiker in ganz Massachusetts. Klingt alles unglaublich, ist aber wahr.

So ist „Black Mass“ über weite Strecken sehr interessant, obwohl Coopers Film ansonsten sehr konventionell geworden ist. Erzählerisch leistet der Regisseur solide Arbeit, wählt aber immer mal wieder ein etwas zu behäbiges Tempo, sodass phasenweise auch mal etwas Leerlauf aufkommt. Auch die Zeitsprünge der über einen großen Zeitraum erzählten Geschichte sind nicht immer ganz glücklich gewählt, sodass es punktuell zu kleineren Brüchen kommt. Gelungen ist dagegen die Idee, immer wieder Schnipsel aus den Polizeiverhören von Bulgers Schlägern ins Geschehen zu integrieren, weil es so von den unmittelbar Beteiligten zusätzlich kommentiert wird und „Black Mass“ durchaus einen dokumentarischen Touch verleiht. Zudem sieht man dem Gangsterfilm sein beachtliches Budget von über 50 Millionen Dollar durchaus an, was etwa die authentische Ausstattung anbelangt.

Ein weiteres großes Plus sind die Darsteller. Johnny Depp erbringt in der Hauptrolle nach langer Zeit endlich noch einmal den Beweis dafür, dass der als Kassengift verschriene und für seine zuletzt sehr unglücklichen Rollen zu Recht gescholtene Darsteller in Hollywood durchaus noch seine Existenzberechtigung hat. Mit tiefblauen Augen und Halbglatze ist sein äußeres Erscheinungsbild, das dem von Bulger zumindest entfernt ähnelt, zunächst etwas befremdlich, bis Depp schließlich loslegt und alle Zweifel zerstreut. Es ist eine starke Darbietung und jede Szene mit Depp aufgrund seiner bedrohlichen Präsenz absolut überzeugend. Aber auch in den wenigen Sequenzen, die das Privatleben des Unterweltbosses thematisieren, weiß Depp als Familienvater voll zu überzeugen. Er wird der ambivalenten Figur damit durchgängig gerecht. Die anderen Darsteller spielen daneben eher die zweite Geige, wissen aber auch zu überzeugen, allen voran der ebenfalls sehr stark aufspielende Joel Edgerton als naiver FBI-Mann. Mit Benedict Cumberbatch, Kevin Bavon, Peter Sarsgaard und weiteren bekannten Gesichtern sind zudem auch die Nebenrollen sehr prominent besetzt.

Fazit:
„Black Mass“ ist ein astreiner Gangsterfilm, der besonders von der bedrohlichen Präsenz eines endlich wieder einmal überzeugenden Johnny Depp lebt. Außerdem seziert der auf wahren Begebenheiten basierende Thriller die Ermittlungspannen des FBI, das Bulger erst den Aufstieg zur Bostoner Unterweltgröße ermöglichte. Ansonsten ist der Film zwar recht konventionell, aber durchaus sehenswert.

71 %

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