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Es ist doch immer ein bisschen ärgerlich, wenn sich schlechte Filme an der Kinokasse rentieren. Wer sieht sich bitte diesen Mist an und überhaupt, sind die denn alle weich im Scheitel? Aber wo Licht ist, ist auch Schatten und anders herum. Es ist nämlich andererseits auch richtig schön, wenn sich gute Filme rechnen. Und Paul Feigs aktuelle Zusammenarbeit mit „Taffe Mädels"-Star Melissa McCarthy hat sich bei 65 Millionen Dollar Investition und über 230 Millionen Dollar Gewinn in der Tat voll ausgezahlt. Warum das eine herrliche Sache ist? Weil „Spy - Susan Cooper Undercover" die beste und sympathischste Komödie des sich zu seinem Ende neigenden Jahres 2015 ist.

Dabei war das deutsche Filmplakat so brav, ausgelutscht und langweilig, der Trailer nur bemüht ulkig und überhaupt die Prämisse für einen Jason Statham Film wenig vielversprechend. Nur, und das ist überraschendes Moment und Warnhinweis zugleich, ist das hier kein Jason Statham Film. Die korpulente, relativ unattraktive Melissa McCarthy steht faktisch im Mittelpunkt des Geschehens. Und zwar rund um die Uhr und auch im Beisein ihrer beiden ungleich berühmteren Filmpartner. Dabei gelingt ihr, beziehungsweise dem aus diversen Blödel-Komödien als Darsteller bekannten Paul Feig, ein selten gesehenes Meisterstück. Nämlich, eine als Blickfang völlig untaugliche Hauptdarstellerin erfolgreich als tragende Säule einer Filmproduktion zu verwenden, die sich vornehmlich an ein männliches Publikum richtet. Wie das gelingt? Indem man den vom ersten Eindruck zunächst verschreckten Kerlen genau das bietet, was sie oft vergeblich suchen: Eine Melange aus rasanter Action, derbem Humor und einem zweiten weiblichen Hauptcharakter, der im Gegensatz zum ersten ziemlich gut aussieht.

„Spy - Susan Cooper Undercover" wirkt auf den (aller-)ersten Blick wie das hundertste James-Bond-Copy-Comedy-Lustspiel. Da zündelt der Spitzbube mit Allmachtsfantasien und da löscht der gutaussehende CIA-Agent (Jude Law), der meist im Smoking seine Arbeit verrichtet und dabei nie ins Schwitzen kommt. Nur wird der eben recht überraschend noch während der ersten Minuten des Films ausgetauscht durch eine mehr als gewöhnlich aussehende Dame mit viel zu vielen Kilos auf den Rippen (Melissa McCarthy), die ersatzweise daran geht, im Undercover-Einsatz den Verkauf einer Atomwaffe zu verhindern. Doch damit nicht genug der sonderbaren Kapriolen, denn ihr an die Seite drängt sich eine schaumschlagende männliche Dumpfbacke (Jason Statham), die den Zenit ihrer Karriere nicht ohne Grund nie erlebt hat und die meint, der drallen Spionin unter die Hüften greifen zu müssen. Doch was wie ein familienfreundliches Kitschplot der Marke „Babynator" (2005) daherkommt, entblättert sich bald zu einer reinrassigen Erwachsenenangelegenheit, die einerseits weder Fäkalhumor noch explizite Gewaltszenen scheut und andererseits intellektuell nicht unterfordert. Dabei wird erfreulicherweise eine Gagdichte garantiert, der nie die Puste ausgeht und die selbst in den Actionsequenzen nicht ins übliche Stocken gerät.

Aus einer bei der TV-Serie „24" geklauten Kommandozentrale (mit Fledermausproblem) entflohen und nun erstmals im Außeneinsatz, zeigt die titelgebende Sarah Cooper was sie kann. Sie kann ermitteln, kämpfen und führen. Und das ohne zu nerven. Denn bemühte Apologetik stünde bei der überwiegenden Mehrzahl vergleichbar angelegter Produktionen zu erwarten. Hier jedoch wird weder das beleibte Mauerblümchen zur heimlichen Schönheit verklärt, noch die in einem solch schwerwiegenden Fall womöglich vorhandene Verlegenheit künstlich entkrampft. Im Gegenteil. Melissa McCarthy spielt ganz ungehemmt mit der Erscheinung ihres Körpers und zielt dabei nicht ab auf psychologisch wertvolle, aber für Unbeteiligte nervig sendungsbewusste Psychohygiene. Wie hier überhaupt der gesamte Cast sichtlich vergnügt und auffällig zwanglos Party feiert, zeigt auch die weibliche Hauptdarstellerin, dass sie trotz der nur schwer zu befriedigenden Ansprüche des hier anvisierten Zielpublikums, unbeschwert und zugleich behänd ihrer Sache gewachsen ist.

Doch ganz ohne hübsches weibliches Gesicht geht es wohl doch nicht. Und so kommt die zierliche Rose Byrne (u.a. „28 Weeks Later" 2007, Bad Neighbors" 2014) ins Spiel. Die glänzt hier augenzwinkernd als versnobte Waffenhehlerin mit Ostblockcharme - und das ohne den Unterhaltungswert der vom äußeren Eindruck her ungleich weniger reizvollen Hauptdarstellerin zu schmälern. Es sind die ganz großen Momente des Films, wenn sich Byrnes Filmfigur über das behäbige Erscheinungsbild der dicken Agentin lustig macht und dafür nicht zur Rechenschaft gezogen wird, und es ist bestimmt kein Zufall, dass die Lehrmeister von „Spy - Susan Cooper Undercover" nicht nur der berühmteste britische Spion, sondern in humoristischer Sicht auch „Kick-Ass" (2010)) oder „Kingsman" (2015) sein könnten.

„Spy - Susan Cooper Undercover" ist eigentlich eine Mogelpackung. Denn man erwartet gewohnt biederes Hausbacken der bestenfalls erträglichen Sorte und bekommt stattdessen einen furchtbar unterhaltsamen, verblüffend launigen Film vorgesetzt, der sich nicht dazu herablässt, wirklich jedem gefallen zu wollen. Vorausgesetzt man betrachtet Matthew Vaughns „Kingsman: The Secret Service" nicht als reine Komödie, dann ist diese beschwingte Chose hier sicherlich der Genrebeitrag des Jahres.

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