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Und noch eine Videospielverfilmung, bei der man die Vorlage nicht unbedingt zuvor an der Konsole ausgetestet haben muss. "Dead Rising: Watchtower" gehört zu jenen Zombiefilmen, die nach überdurchschnittlichem Budget aussehen und zwischenzeitlich passable Action einstreuen, doch die leicht fahrig erzählte Geschichte kämpft besonders im Mittelteil mit einigen spürbaren Längen.

Eigentlich scheint die Zombie-Epidemie mit der Einnahme des Medikamentes Zombrex unter Kontrolle, doch just als Reporter Chase (Jesse Metcalfe) und Kamerafrau Jordan (Keegan Connor Tracy) ins Quarantänegebiet vordringen, bricht die Seuche erneut aus und das Militär greift ein. Kurz darauf müssen sich Chase und einige Überlebenskämpfer nicht nur gegen Infizierte zur Wehr setzen...

Die Handlung setzt direkt mit einer Actionsequenz ein, als sich Chase gegen einen Zombie-Cop und einen geifernden Clown mit Beil behaupten muss, kurz darauf wird das Zeitrad um einige Tage zurückgedreht. Der Einstieg macht natürlich Lust auf mehr, zumal die solide Ausstattung sogleich anspricht, die Action zackig inszeniert ist und Chase aufgrund leicht unbeholfener Verhaltensweisen innerhalb einer prekären Situation sogleich zum Sympathieträger wird. Dieser Eindruck relativiert sich allerdings, da sich die Geschichte im Verlauf zahlreicher Genrekonventionen bedient, ohne etwas wirklich Markantes beizumengen.

Natürlich mischt das Militär wieder mit und trifft wie immer rabiate Entscheidungen, Forscher wägen stets ab, während Chase ein, zwei Begleiter zur Seite stehen. Das Böse zeigt sich indes nicht nur in mutierter Form, da im Verlauf noch einige Biker mitmischen, die nicht von ungefähr an "Mad Max" erinnern und im Endeffekt die weitaus größere Bedrohung verkörpern. Storytechnisch darf man also beileibe nicht viel erwarten.

Stattdessen punkten einige Actioneinlagen, da die Kamera ein paar ungewöhnliche Egoperspektiven liefert, auffallend lange Takes für mehr Authentizität und Drive sorgen und manche Alltagsgegenstände zweckentfremdet werden, womit zuweilen ein wenig Situationskomik einhergeht. Etwaige CGI können sich fast durchweg sehen lassen und kleine Explosionen sind ebenfalls ansehnlich ausgefallen.
Das Make-up der Zombies geht derweil voll in Ordnung, obgleich sich manche aus unerfindlichen Gründen schneller und andere langsamer bewegen.
Die Gewalteinlagen fallen zwar nicht allzu explizit aus und wirklich derbe Momente werden vorzugsweise ins Off verfrachtet, jedoch spritzt das Blut phasenweise ordentlich.

Aufgrund der vergleichsweise makellosen Ausstattung setzt sich zuweilen eine Endzeitstimmung durch welche vom Score recht gut getragen wird. Auch bei den Mimen gibt es keinen Totalausfall zu vermelden, zumal Jesse Metcalfe und Meghan Ory als seine Begleiterin eine anständige Präsenz mitbringen. Dieses trifft zwar auch auf Rob Riggle zu, der den Zombieveteranen Frank West als Co-Moderator in einem Fernsehstudio verkörpert, doch gleichermaßen wird seine Figur auf Dauer zu einem Nervfaktor.
Verschaffen Ausflüge ins Fernsehstudio zunächst noch minimale Abwechslung mit einigen bissigen Kommentaren, nehmen jene Zwischenschnitte im Verlauf zusehends Tempo aus dem Spiel, vor allem, weil das verbale Duell zwischen den Moderatoren rasch ermüdet.

So verpasst Regisseur Zach Lipovsky mit seinem Zombiefilm den Sprung in höhere Gefilde, da die Erzählung einige Straffungen benötigt hätte und der Streifen mit fast zwei Stunden Laufzeit deutlich zu lang geraten ist. Kurze emotionale Einschübe wirken stellenweise zu konstruiert, gleiches gilt für das irrationale Taktieren einiger Protagonisten, wogegen die Biker ein paar Klischees zuviel einfließen lassen.
Auf optischer Ebene größtenteils ansprechend, jedoch nur ansatzweise spannend vorgetragen und nur selten überraschend oder gar mitreißend.
Somit erhalten Genrefans im Endeffekt einen einigermaßen unterhaltsamen Beitrag, der primär an seiner austauschbaren Story und diversen erzählerischen Längen krankt.
5,5 von 10

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