Ein ambitioniertes kleines Filmchen ganz nach meinem Geschmack. Atomic Brain Invasion ist einerseits eine sympathische Hommage an die billigen Alien-Invasions-Filme der 1950er-Jahre, andererseits aber auch eine schrille Parodie auf dieses in Fankreisen sehr beliebte Genre. Zugegeben, der zur Schau gestellte Humor ist zwar recht gewöhnungsbedürftig und zündet oft nicht, aber der überbordende Enthusiasmus sowohl der Macher als auch der Cast sorgt dafür, daß dieser Umstand nicht sonderlich ins Gewicht fällt. Diese ausgelassene "Spaß an der Freud"-Stimmung ist einfach so ungeheuer herzerfrischend, daß man von der guten Laune förmlich mitgerissen wird. Und auch wenn der Streifen nur etwa zwanzigtausend Dollar gekostet haben soll und er einem andauernd ohne falsche Scham ein herzhaftes "billig" ins Gesicht johlt, hingeschludert oder gar einfallslos runtergekurbelt ist er wahrlich nicht. Man achte einfach mal auf die Ausstattung des in den Fünfziger-Jahren des 20. Jahrhunderts spielenden Streifens. Die Bekleidung, die Hüte, die Frisuren, die Autos... das ist alles hübsch stimmig und man hat sich damit sichtlich Mühe gegeben, obwohl es bestimmt nicht zu hundert Prozent akkurat ist. Und auch der Soundtrack von Daniel Hildreth ist hübsch spooky und hat einen angenehmen Retro-Vibe.
Worum geht's? Ein Behälter mit außerirdischem Schleim crasht nahe einer amerikanischen Kleinstadt auf die Erde und macht bei dieser Gelegenheit eine junge Dame platt, die sich das falsche Plätzchen ausgesucht hat, um mit ihrem Freund zu diskutieren. Ausgerechnet in dieser Gegend erkunden auch einige Studenten für ein Projekt die Botanik, und prompt verschwinden zwei der Gruppe spurlos. Nun ja, nicht ganz so spurlos, denn wer mit dem heimtückischen Schleim in Berührung kommt, verwandelt sich in eine lustige Hirnkreatur (= ein Mensch, der anstelle des Kopfes mit einem kleinen, auf einer verlängerten Wirbelsäule sitzenden, freiliegenden Gehirn mit Augen und Mund vorne dran herumläuft), welche natürlich nur ein Ziel kennt: die Eroberung des Planeten. Zu diesem Zwecke wollen die "Brain People" als erstes den König in ihre Gewalt bringen, und wer war in den Fünfzigern noch mal der König der Welt? Richtig, Elvis Presley, who else? Und der ist für einen Auftritt gerade zufällig in der Gegend! Unsere Studenten stellen sich den Hirnwesen in den Weg und erhalten Unterstützung von drei außerirdischen, ähm, Cheerleadern. Können Sherman (David Lavallee Jr.), Betty (Sarah Nicklin), Lukas (Michael Reed), Kevin (Daniel Lee White) und ihre Freunde den King (Brandon Luis Aponte) retten und die Erde vor dem Untergang bewahren?
Wenn man alte Schinken wie Invaders from Mars (1953), This Island Earth (1955), Invasion of the Saucer Men (1957), Not of This Earth (1957), The Blob (1958), Fiend Without a Face (1958), Teenagers from Outer Space (1959) oder Plan 9 from Outer Space (1959) mag und man mit dem etwas seltsamen Humor der Herren Richard Griffin (Regie & Co-Drehbuch) und Guy Benoit (Co-Drehbuch) klarkommt, dann sollte man mit Atomic Brain Invasion jede Menge Spaß haben. Hier findet man so ziemlich alles, was auch damals von Bedeutung war. Skurrile (böse) Alienkreaturen, geheime Atomversuche, UFOs, das Militär, Kommunistenparanoia ("No matter what happens, It's better to be dead... than a red!"), eine Superwaffe, humanoide (gute) Außerirdische, Teenager, Rock 'n' Roll, you name it. Und als Draufgabe gibt's sogar noch Elvis Presley, wunderbar verkörpert von Brandon Luis Aponte, der dem King zwar kein bißchen ähnlich sieht, aber richtig cool daherkommt. Im Gegensatz zu den aus heutiger Sicht oft unfreiwillig komischen Originalen setzt Griffin allerdings auf (phasenweise etwas zu überdrehten) Camp. Das Design der immens drolligen Hirnwesen ist genial, wobei die kreative Umsetzung der Aliens (War das da eben eine Sockenpuppe?) und der sonstigen Tricks (Hey, nette Miniatur!) einen nostalgischen Charme versprüht. Ursprünglich wollte Griffin den Film stilecht in Schwarzweiß drehen. Da die Produzenten damit aber nicht einverstanden waren, entschied er sich für einen bunten Look mit satten, kräftigen Farben, der dem Streifen gut zu Gesicht steht.
Natürlich gibt es auch negative Aspekte, die den Unterhaltungswert ein wenig mildern. Einige der Schauspieler agieren entweder recht hölzern oder betreiben heftiges Overacting, wobei Sarah Nicklin (in der weiblichen Hauptrolle), Michael Reed (als juvenile delinquent mit Faible für Origami) und Brandon Luis Aponte (als der King) ihre Sachen wiederum sehr gut und gefällig erledigen. Leider funktioniert die zentrale Liebesgeschichte überhaupt nicht, hin und wieder wirkt der in Rhode Island gedrehte Film etwas überladen (Griffin wollte zweifellos alles reinpacken, was ihm in den Sinn kam), und einige Male kommt das launige Geschehen völlig zum Stillstand, was in den ein oder anderen Durchhänger resultiert. Und, wie schon erwähnt, ist das alles sehr, sehr billig. Gleichzeitig wurde der Streifen jedoch auch mit viel Schwung und Phantasie sowie jede Menge Charme und Enthusiasmus umgesetzt. Atomic Brain Invasion hat das Herz einfach am rechten Fleck, wie man so schön sagt, und ist ein augenzwinkernd-lockerer Spaß für die ganze Familie. Und da sollte man all die Widrigkeiten, die solch ein Mikrobudget-Projekt mit sich bringt, gerne in Kauf nehmen. Richard Griffin, Jahrgang 1970, hat sich ja auf diese Art "Hommagen" spezialisiert, obwohl er bevorzugt in den 1970ern wildert. Wem also der kleine Cousin von Mars Attacks! zusagt, für den gibt es noch so manches zu entdecken. Wie z. B. Seepage! aka Creature from the Hillbilly Lagoon (2005), Beyond the Dunwich Horror (2008), Nun of That (2009) oder The Disco Exorcist (2011), um nur einige zu nennen.