Review

Hugo Grimaldis nach der Ostblock-Produktion „Der schweigende Stern“ aus dem Jahre 1960 zweite Regiearbeit, diesmal unter alleiniger Verantwortung, ist die diesmal in US-amerikanischer Produktion entstandene Mischung aus Science-Fiction-Film und Agententhriller „FBI jagt Phantom“ aus dem Jahre 1965.

Außerirdische Machthaber entsenden den hünenhaften Dr. Kolos (Richard Kiel) auf die Erde, damit dieser wichtige menschliche Wissenschaftler in Androiden klont, mit denen die Macht über die Erde erlangt werden soll. Die Spur führt NSA-Agent Glenn Martin (George Nader) und seine Kollegin zur Burg Dr. Dornheimers (George Macready, „Junges Blut für Dracula“), dessen Roboterklon federführend in der Vorbereitung zur Invasion ist…

„Body Snatchers“ trifft auf „James Bond“ in Grimaldis Genre-Bastard, der das aus Don Siegels Genreklassiker bekannte Replizieren von Menschen in äußerlich identische, jedoch gefühl- und emotionslose Wesen vermengt mit einem chauvinistischen Geheimagenten als Hauptrolle vom Schlage eines Bond-Sunnyboys. Herausgekommen ist ein recht durchschnittlicher, vermutlich höchst unfreiwilliger Trash-Film, der von vornherein erklärt, was da gerade auf der Erde vor sich geht, die außerirdischen Invasoren vorstellt, ihre finsteren Pläne erläutert und damit der Handlung den Großteil potentieller Spannung raubt. Auch Mr. Martin im Stile eines „Columbo“ dabei zu beobachten, wie er den eigenartigen Phänomenen auf die Schliche kommt und den gleichen Wissensstand erlangt wie der Zuschauer, gestaltet sich nicht sonderlich aufregend, denn als wäre es quasi das Selbstverständlichste der Welt, hegt er verdammt schnell den richtigen Verdacht hinsichtlich menschenähnlicher Roboter. Der geneigte Trash-Freund darf sich stattdessen an bizarrem Verhalten der Protagonisten, die ebensolche bizarren Dialoge plappern, erfreuen, sowie an wahnsinnig schlechten Stunt-Choreographien und fragwürdigen schauspielerischen Leistungen.

Für Science-Fiction-Fans hat „FBI jagt Phantom“ hingegen wahrlich nicht viel zu bieten, denn die Sause spielt ausschließlich auf Mutter Erde, die außerirdischen Aggressoren sehen komplett menschlich aus, lediglich die Kulissen inkl. einer Raumstation mit ihren typischen, sinnlos vor sich hin blinkenden Lichtern und einem geheimen, unterirdischen Höhlensystem weisen visuell auf das Genre hin – in naiver und bereits damals altbackener Weise. Das Trash-Herz indes lacht, wenn die ach so übermenschlichen Androiden mit ihren albern modellierten Porzellanschädeln (!) bei Stürzen auf den Boden zerplatzen wie Kloschüsseln auf dem Polterband – die Erdbevölkerung erzittert vor Angst ob derart mächtiger Invasoren! (*räusper*) Den familienfreundlichen, unglaublich weit (aus den Untiefen des Alls eben) hergeholten Kitschfaktor besorgt die Nebenhandlung, in der sich unser Dr. Kolos in die blinde Nichte (Dolores Faith, „The Phantom Planet“) Dornheimers verliebt und damit dann auch das sich in Sachen Unlogik um die eigene Achse drehende und vergnügt Purzelbäume schlagende Finale einleitet, das zumindest in der von mir gesehenen deutschen Kinofassung eine erschreckend abrupte und alberne Pointe bietet.

Inhaltlicher Leerlauf, Klischees und Vorhersehbarkeit machen aus „FBI jagt Phantom“ (der im Original wesentlich sinnvoller „The Human Duplicators“ heißt und mit dem FBI nichts zu tun hat) ein leidliches Trash-Vergnügen, das in seinem Vollbild-Format und seiner extrem billigen Machart auch gar kein rechtes Kinogefühl aufkommen lassen will. Dafür kann er aber durchaus von filmhistorischem Interesse sein, denn immerhin schlüpfte Hauptdarsteller Nader kurz darauf in seine erste „Jerry Cotton“-Rolle und erlangte dadurch Popularität. Sein Gegenspieler Dr. Kolos wird von niemand Geringerem als Richard Kiel gespielt, der es in den 1970ern als „Beißer“ mit dem „echten“ James Bond zu tun bekam.

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