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ACHTUNG ! SPOILER !

THE HUMAN DUPLICATORS, eine Präsentation der „Woolner Bros." (die „Warner Bros." des armen Mannes?!), ist ein Z-Film reinsten Wassers, den der umtriebige Hugo Grimaldi 1964 in einem Aufwasch mit dem SF-Schlocker „Mutiny in Outer Space" auf Zelluloid bannte.

Irgendwelche humanoide „Herrscher des Weltalls", wie sie sich selbst ganz unbescheiden bezeichnen, beabsichtigen die Erde in ihr Imperium einzureihen. Um diese Absicht in die Tat umzusetzen, „beamen" sie mit Hilfe eines „Teletransporters" ihren besten Agenten, Dr. Kolos (Richard Kiel), auf die Erde. Kolos soll den berühmten Wissenschaftler Professor Dornheimer (George MacReady) dazu zwingen, mit Kolos an dessen Plänen mitzuarbeiten. Der Professor arbeitet in seinem geheimen Labor unter seinem Haus an der Entwicklung von Androiden, doch bisher sind seine Versuche fehlgeschlagen. Kolos aber besitzt das Wissen zum Bau von Androiden. Nach einiger Zeit gelingt es Kolos und Dornheimer tatsächlich, künstliche Menschen, bzw. Duplikate von lebenden Personen herzustellen. Nachdem Kolos nicht mehr auf die Hilfe von Dornheimer angewiesen ist, ersetzt er diesen durch einen Doppelgänger. Nach und nach konstruiert Kolos Duplikate von bekannten Wissenschaftlern, die dann unbehelligt in staatlichen Geheimlaboratorien ein- und ausgehen, um Unterlagen und Materialien zur Massenproduktion von Androiden an sich zu bringen. Mit der so entstehenden Armee von Androiden soll Kolos dann die Erde erobern.
Doch die mysteriösen Vorfälle rufen auch die Geheimdienste auf den Plan und so wird der irdische Agent Glenn Martin (George Nader) beauftragt, die Sache zu untersuchen. Aber kaum ist er auf Dornheimers Labor gestoßen und hat die Zusammenhänge durchschaut, da existiert auch schon ein Duplikat von ihm, welches seinen Vorgesetzten (Richard Arlen) und die Agentin Gale Wilson (Barbara Nichols), mit der Glenn zusammenarbeitet, in die Irre führen soll. Martin sitzt derweil zusammen mit dem echten Dornheimer hilflos in einer Zelle im Keller des Hauses. Inzwischen aber beginnt das mit dem gesamten Wissen des Professors ausgestattete Duplikat von Dornheimer selbstständig zu denken und gegen Kolos aufzubegehren. Das Duplikat will nun selbst, mit Hilfe der Androiden-Armee, die Welt beherrschen. Kolos wird von den Androiden, die unter der Kontrolle des Dornheimer-Duplikats stehen, überwältigt und angekettet. Unterdessen wird Martin von Lisa Dornheimer (Dolores Faith), der Tochter des Professors, aus seinem Verlies befreit. Mit einer von Dornheimer konstruierten Strahlenkanone setzt er die Androiden außer Gefecht, indem er ihren „geistigen Zusammenbruch" herbeiführt, woraufhin diese sich gegenseitig zerstören. Kolos, dessen Mission gescheitert ist, erkennt, dass er selbst nur ein Android ist. Er kehrt in seine Welt zurück, wo ihn seine Vernichtung erwartet.

Dieser stellenweise im launigen Stil eines Ed Wood inszenierte Film unterhält den Zuschauer u.a. mit einem Professor, der sein Labor in einer Art Frankenstein-Gemäuer eingerichtet hat, wo er von zwei drallen Assistentinnen in weißen Highheels unterstützt wird, deren Laborkittel mindestens eine Nummer zu klein ausgefallen sind. Die amüsanten deutschen Dialoge tragen ebenso zur Belustigung bei wie die angeblich hochtechnisierten Androiden, die sich jedoch als hohlköpfig erweisen, wenn ihre Schädel wie Gipsköpfe zerplatzen, sobald sie niedergeschlagen werden. Die amateurhaften SpE und vor allem die nicht hoch genug einzuschätzende Präsenz von „FBI-Mann" George Nader, der hier schon mal für seine kommenden Aufgaben als Agent „Jerry Cotton" trainiert, machen den an sich unspektakulären Film zu einem recht kurzweiligen Vergnügen.

Richard Kiel brachte es in den 70er Jahren zu einer gewissen Popularität als „Jaws" in zwei James Bond Filmen, war aber bereits seit den frühen 60er Jahren in diversen B-Filmen zu sehen. In einer kleinen Rolle als asiatische Wissenschaftlerin Dr. Lin Yeung ist Kim Satana, die jüngere Schwester von Exploitation-Star Tura Satana zu sehen. Dies scheint aber ihr einziger Ausflug vor eine Filmkamera geblieben zu sein. Die wasserstoffblonde Barbara Nichols sorgt als nicht mehr ganz taufrische Assistentin und Love-Interest von Nader für ein wenig Sex-Appeal, hat hier ihre besten Zeiten aber schon eine Weile hinter sich. Kay Weniger hat dann auch nicht viel schmeichelhaftes über die Darstellerin zu sagen: "[Sie] war abonniert auf halbseidene, gewöhnliche Nachtclubschönheiten und Gangsterbräute. [...] Sie verkörperte [...] die Billigausgabe einer Marylin Monroe [...], des kleinen Mannes Traum von einer Sexbombe. Nichols-Figuren waren [...] stets einen Tick zu ordinär." *
Privat hatte Nichols auch nicht viel zu lachen, und sie starb bereits mit Mitte 50. Ein gewisser Ted Durant erscheint als „The Galaxy Being" gleich in dreifacher Ausgabe, auf farblich unterschiedlich eingefärbten Bildschirmen (grün, gelb, blau) im Raumschiff von Kolos, das im Übrigen aussieht wie ein Brummkreisel für Kinder. In einer Szene wird dem Nader-Duplikat einer seiner künstlichen Arme herausgerissen, und als am Ende der unechte Dornheimer von dem unechten, einarmigen Glenn Martin attackiert wird, stammelt Dornheimer nur noch: „Du blöder, falsch programmierter Android..."

Auf keinen Fall verpassen.

THE HUMAN DUPLICATORS, der laut IMDb für ca. $140.000 inszeniert wurde, erlebte sein Uraufführung in den USA am 21.10.1964. Die von der „Berliner Union Film" sehr gut synchronisierte deutsche Fassung F.B.I. JAGT PHANTOM (Synchronregie: Karlheinz Brunnemann) kam am 15.12.1967 in die Kinos. Synchronsprecher waren u.a. Heinz Petruo, Gerd Martienzen, Gerd Günther Hoffmann, Arnold Marquis und Beate Hasenau.** Da George Nader zu dieser Zeit als FBI-Agent „Jerry Cotton" in Deutschland sehr erfolgreich war, dachte sich die Verleihfirma wohl, mit dem deutschen Titel an diesem Erfolg teilhaben zu können: "In Deutschland kam der Film erst im Zuge der Jerry Cotton-Welle in die Kinos. Dort warben in Schaukästen Aushangbilder mit der Aufschrift 'G-Man George Nader jagt Phantom' um die Aufmerksamkeit des Publikums. Hoffte der Verleih hier vielleicht darauf, den Zuschauern suggerieren zu können, es handele sich um einen echten Cotton-Film?" ***

Nach der Kinoauswertung war der Film lange Zeit nur als VHS-Tape von „Joy Video" erhältlich. Diese Fassung hat eine Länge von 76:50 Minuten und der Titel des Films wird hier als „FBI jagt Phantom" in gelber Schrift auf einem roten Hintergrund präsentiert. Im Netz kursiert eine deutsche Fassung mit einer Länge von 79:53 Minuten. Diese Version beginnt mit dem „Woolner Bros." Logo, gefolgt von der Einblendung „Erich J.A. Pietrek zeigt im Verleih NWDF Unitas". Der Titel des Films ist hier als „F.B.I. jagt Phantom" in weißer Schrift über Filmbilder eingeblendet. Hier sind auch die Credits eingedeutscht, dafür aber deutlich spärlicher als in der im Original belassenen VHS-Version. Über den mysteriösen deutschen Film-Verleiher und Kinobetreiber (in Düsseldorf) Erich J.A. Pietrek finden sich im Netz unter dem Link https://www.bachilleratocinefilo.com/2018/07/bambi-filmstudio-klosterstrae-78.html u.a. folgende Infos (Stand: 06/2022):
In Sommer 1959 ist [Pietrek] der Geschäftsführer der Firma Nord-Westdeutscher Film Verleih und Vertrieb (NWDF), untergebracht im 'Asta Nielsen-Haus' an der Graf-Adolf-Straße 37a. Als Verleiher vertreibt er u. a. Filme mit Pat und Patachon sowie Dick und Doof, was er auf seinen Briefumschlägen verkündet."

LAWRENCE H. WOOLNER (1912 - 1985) betrieb bereits in den späten 40er Jahren zahlreiche Autokinos. 1955 gründete er in New Orleans zusammen mit seinen Brüdern Bernard A. Woolner und David Woolner die Produktions- und Vertriebsgesellschaft „Woolner Brothers Pictures". Die Firma spezialisierte sich auf die Bearbeitung und den Vertrieb von Filmen aus aller Welt, darunter z.B. Streifen wie „Die Wahrheit über Rosemarie" (1959), „Blutige Seide" (1964), „Danza Macabra" (1964) oder „Gemini 13 - Todesstrahlen auf Cap Canaveral" (1966). Mitte der 60er Jahre wurde die Gesellschaft wieder aufgelöst. Lawrence Woolner suchte sich neue Aufgaben und gründete zusammen mit Roger Corman „New World Pictures". Bereits nach einem Jahr war Woolner die Rolle als zweite Geige bei „New World" nicht mehr genug und er trennte sich von Corman und gründete „Dimension Pictures". Nach der Produktion und dem Vertreib zahlreicher Exploitation-Filme, davon in den frühen 70er Jahren viele Co-Produktionen mit den Philippinen, meldete „Dimension Pictures" 1981 Konkurs an. Vier Jahre später starb Lawrence H. Woolner im Alter von 73 Jahren. ****

HUGO GRIMALDI (1912 - 1998) hat sich vor allem durch seine Bearbeitung ausländischer Filme für den US-Markt hervorgetan. Einige Filme die er bearbeitete und für die er z.B. neue Szenen drehte, sind „Godzilla kehrt zurück", „Raumschiff Venus antwortet nicht", „Die Mühle der versteinerten Frauen" und „Vampire gegen Herakles". Als Regisseur drehte er noch den Streiden „SS-X-7 - Panik im All" (1965). Daneben hatte er auch bei zahlreichen anderen B-Filmen (u.a. als Cutter) seine Hände im Spiel.

Inhaltswiedergabe auf der VHS von „Joy Home Video":
„Seltsame Überfälle beunruhigen das FBI. Immer wieder führt die Spur zu dem berühmten Wissenschaftler Dornheimer. Staragent Glen Martin (George Nader) begibt sich mit seiner tüchtigen und hübschen Assistentin Gale Wilson (Barbara Nichols) in die „Höhle des Löwen" - in Dornheimers Haus. Was die beiden FBI-Leute dort erwartet, ist schlimmer als die wildesten Alpträume und Schreckens-Visionen, die man sich vorstellen kann.
Doch die grausige Entdeckung findet ein jähes Ende; der G-Man wird überwältigt und in eine Zelle gesperrt. Glen hat zwar den Fall gelöst, aber er sitzt in der Falle. Von ihm wird ein genaues Ebenbild geschaffen, ein künstlicher Mensch mit verbrecherischem Gehirn; - denn seine Gegner sind keine Gangster sondern außerirdische Wesen. Ein riesiger Weltraum-Mensch, ein Phantom, das aus der Tiefe der Galaxis kommt, bereitet mit dem verbrecherischen Double des berühmten Professors und weiteren Androiden die Invasion der Erde vor."

Aus der Werbung:
Made to Kill or Love on Command! (Plakat)
Gefahr aus dem Weltall - Roboter im Angriff auf die Erde! (Plakat)
Gefahr aus dem Weltall - Angriff auf die Erde... (Video)
George Nader in dem Science-Fiction Thriller der Superlative (Video)

Literatur:

* Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films, Fünfter Band L - N; Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, 2001
** www.synchrondatenbank.de (Stand: 06/2022)
*** Christos Tses/Dirk Brüderle: Jerry Cotton. George Nader und seine Filme; Granlex PIV-Eigenverlag, 1998
**** Fred Olen Ray: The New Poverty Row. Independent Filmmakers as Distributors, McFarland 1991

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