Dass Animationsfilme von Pixar nicht nur was für Kinder sind, sondern auch Erwachsene unterhalten können, kommt immer wieder mal vor. Und diese Beiträge sind in meinen Augen auch mit die besten der Filmschmiede. Dazu gehört auch „Inside Out“, der thematisch ein recht komplexes Feld behandelt.
Dass es erreicht wurde, derart schwer greifbare bis hin zu abstrakten Themen wie Gefühle, deren Einwirken, vergessen, erinnern etc. in eine greifbare Welt zu verwandeln und zu verbildlichen ist alleine schon eine anzuerkennende Leistung. Im vorliegenden Fall hat man das zusätzlich noch in eine ebenso interessante, witzige und auch emotionale Geschichte gepackt.
In dieser trifft man auf das Mädchen Riley kurz nach ihrer Geburt, welche gleichzeitig zur Bildung ihres emotionalen Zentrums führt. Dort finden sich bald die Empfindungen Freude, Kummer, Angst, Wut und Ekel, die ihre Stimmungen lenken. Das Zusammenspiel dieser Emotionen wird im Alter von elf Jahren auf eine harte Probe gestellt, als die Familie nach San Francisco umzieht.
Die fünf Hauptemotionen werden hier anthropomorphisiert dargestellt. Das erleichtert den Zugang, dabei nehmen Freude und Kummer den größten Raum ein. Doch auch den anderen Figuren wird genug Zeit eingeräumt, keine wirkt hier überflüssig.
Das von Pete Doctor inszenierte und mitgeschriebene Werk liefert am laufenden Band neue Ideen ab und wird dabei nie zur selbstzweckhaften Nummernrevue. Natürlich profitiert der Film von der Grundidee, die frisch und spannend wirkt. Oft mag man sich hier selbst wiedererkennen, kann nachvollziehen und erst dadurch auch mitleiden, -lachen, -weinen. Denn trotz des fast durchgehend hohen Tempos beherrscht „Inside Out“ ebenso die leisen sowie melancholischen Töne und spielt diese gut platziert auch aus. Das Anerkennen, dass all dies zur Persönlichkeit dazugehört, ist eine der gewichtigen Aussagen. Was den Humor angeht, so gibt es Slapstickeinlagen, die vom guten Gespür für Timing profitieren ebenso wie Wortwitz und hintergründigen Humor. Den vollen Zugang dazu wird aber wohl nur ein älteres Publikum finden, was einfach an der behandelten Thematik liegt.
Visuell liefert Pixar hier richtig ab. Alleine die fünf Hauptemotionen lassen bei genauerer Betrachtung viele Details erkennen, die Welt in Rileys Kopf reicht von bunt und schrill bis hin zur düsteren Einöde. Dagegen ist die Außenwelt realistisch gehalten, die Figuren werden nicht überstilisiert. Erwähnenswert ist noch der Score von Michael Giacchino, der einige einprägsame Themen bietet.
Viel Licht, aber auch ein bisschen Schatten. Grundsätzlich weiß man, wo die Geschichte hingeht und manchmal meint man auch, die Macher haben Ideen für zwei Filme in einen packen wollen. Auch ist mir die Figur Bing Bong, bei aller Relevanz für Transport der Aussage ums Erwachsenwerden, etwas zu sehr präsent. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau.
Kinder dürften sich vor allem an der grandiosen Optik und der Rasanz erfreuen, für das reifere Publikum bietet „Inside Out“ aber noch so viel mehr. Das Erlebbarmachen des Abstrakten und das Wiedererkennen der eigenen inneren Mechanismen ist so amüsant verpackt, dass das Werk zu den besten aus dem Hause Pixar gehört.