Das australische Outback umfasst beinahe 70 Prozent der Landesfläche, entsprechend niedrig ist die Bevölkerungsdichte, zumal hier überwiegend deformierte Killer hausen, die Rucksacktouristen töten und manchmal auch verspeisen. Autor und Regisseur Chris Sun, dessen Vorgänger "Daddy's Little Girl" eine brachiale Schlachtplatte zum Thema Selbstjustiz präsentierte, begnügt sich im vorliegenden Fall mit den üblichen Genrekonventionen des gängigen Backpacker- Slashers.
Die vier Freunde Jason, Natasha, Donkey und Melanie zieht es zum Campen in eine abgelegene Gegend, zur titelgebenden Farm. Hier sollen einst Degenerierte gehaust haben, bis der ländliche Mob den Vater tötete, während das Kind zurückblieb und seither nicht gesehen ward. Und tatsächlich haust Charlie (Nathan Jones) nach wie vor in der Umgebung und jagt mit Vorliebe Eindringlinge...
Die Erzählung benötigt eine relativ lange Anlaufzeit, bis der Mutierte nach rund einer Stunde endlich in Erscheinung tritt. Die vier Abenteurer sind zwar halbwegs sympathisch gezeichnet und eine gewisse Spielfreude ist bei den Mimen durchaus zu erkennen, doch bis auf die obligatorische Vorwarnung der Einheimischen im Diner und ein paar ausladenden Flashbacks mit morbider Grundstimmung mangelt es in der ersten Hälfte primär an düsteren Andeutungen, mal abgesehen von einem verschwundenen Teddy und der vagen Vermutung eines Eindringlings.
Als das muntere Morden schließlich in Kraft tritt, punktet das Geschehen mit ordentlichem Tempo, einigen spannenden Momenten und effektiver Kamera, allerdings ist bei einigen Szenen in einer Scheune die deutlich zu schwache Ausleuchtung zu bemängeln, da an manchen Stellen nur erahnbar ist, wo sich gerade jemand aufhält.
Indes versöhnen die durchweg handgemachten Effekte, welche zuweilen recht derb ausfallen.
Ein abgetrennter Kopf, diverse Einstiche mit mächtigen Gerätschaften, Kehlenschnitt und Kopfschuss mit Großkaliber, als auch Zerquetschen und herausgerissener Unterkiefer liefern passables Futter für Gorehunde.
Darstellerisch gibt es ein kleines Stelldichein mit mehr oder minder bekannten Genrevertretern. Kane Hodder mimt den hilfreichen Guten und darf sich mit dem Monster prügeln, wobei Nathan Jones mit seinen 2,11 Metern voller Muckis und tollem Make-up, viel Gegröle, aber auch kleinen schwarzhumorigen Gebärden eine unterhaltsame Bedrohung verkörpert. Bill Moseley ist mal wieder als Fiesling in düsterer Mission unterwegs, nur Tara Reid wirkt derweil ein wenig gelangweilt und deutlich unterernährt.
Zur vollmundigen Empfehlung an Genrefans mangelt es "Charlie's Farm" an kreativen Ideen fernab gängiger Muster und einer beklemmenden Grundstimmung innerhalb der ersten Hälfte.
Handwerklich ist wenig zu bemängeln, allenfalls der Score fällt deutlich zu hintergründig aus.
Fans blutiger Gewalteinlagen sollten auf die genaue Laufzeit achten, denn alles unter 92 Minuten und 57 Sekunden dürfte geschnitten sein und ergo weniger Freude bereiten.
Ansonsten ein okayer Streifen, den man mit geringer Erwartungshaltung durchaus mitnehmen kann.
6 von 10