Review
von Leimbacher-Mario
Wie in alten, primitiven Zeiten...
Chris Sun hat mit „Charlie‘s Farm“ einen (oberflächlich) ultraharten, altmodischen und gern gesehenen Slasher erschaffen, der sicher nie auf das Niveau der Ikonen kommt, an denen er sich offensichtlich orientiert, mit denen er sich indirekt sogar im letzten Drittel einen Faustkampf liefert (!), den man jedoch locker zwischendurch konsumieren kann, ohne sich zu ärgern. Mitternachtsfutter per excellence. Äußerst blutig, mit nicht allzu vielen aber wenn dann richtig klasse Goreeffekten und einem Wrestlingstar voll in seinem Element. Das Augenzwinkern stimmt, das Feeling erinnert an eine gern zitierte Ära und nicht erst durch seine letzte, staubtrockene Szene, wird klar, auf wessen Seite hier alle Sympathien liegen...
In dem australischen Hardcore-Slasher geht es um eine Gruppe junger Erwachsener, die sich auf zur legendären „Charlie’s Farm“ macht, auf der mal ein unfassbares Massaker passiert sein soll. Blöd nur, dass der kleine Charlie damals überlebt hat und nun zu einem stattlichen Mutanten herangewachsen ist, der sichtlich Freude daran hat, strunzdumme Touris und Gaffer kreativ nieder zu strecken. Zur Not (und unserer grandiosen Unterhaltung) sogar mal, in dem er sie mit ihren eigenen Dingeldongs füttert...! Ja, Charlie geht alles andere als zimperlich vor. Und Nathan Jones hat sichtlich Spaß dabei, man würde seine Augen auch ohne Kontaktlinsen bzw. Effekte funkeln sehen. Und durch die klar verteilten Sympathien wiegen miese Darsteller wie eine höllisch verbrauchte Tara Reid als Final Girl (!) auch nur noch halb so ärgerlich. Dass jeglicher Nervenkitzel oder jegliches Mitfiebern grundsätzlich fehlt, da die „Protagonisten“ nie über Stockbrotstatus hinauskommen, beschränkt den Film jedoch fast ausschließlich auf kurze Goreorgasmen. Dass diese (nach dem Intro) lange auf sich warten lassen und oft viel zu dunkel abgelichtet sind, trübt in der B-Note. Ausgesprochen und völlig (positiv) übertrieben erfüllen diese jedoch ihren Zweck für Fans wie uns. Wenn Unterkiefer händisch abgerissen werden oder Schädel unter Traktorreifen geraten, dann kann kein Gorebauer meckern. Immerhin. Früher wäre das Ding sicher auf dem Index gelandet, heute weiß man das einzuschätzen und mit einem müden Lächeln abzuwinken. Gut so. Denn was war an sowas je auch nur ansatzweise ernst zu nehmen?!
Fazit: ein gnadenlos brutaler und ebenso flacher, schnell vergessener Aussie-Slasher, der gerne an Jason oder Victor Crowley herankommen würde, dies jedoch nie ganz schafft... Für den naiv-gorigen Versuch gibt es von Fans des Subgenres und der saftigeren Gangart allerdings genug Sympathiepunkte. Für Hardcore-Slasherianer!