Vier erlebnishungrige junge Australier (Jason, Mick, Natasha und Melanie) machen sich per Auto auf den Weg zur titelgebenden Charlie´s Farm, wo sich vor Jahrzehnten einige blutige Morde ereignet haben sollen. Nachdem sie am Weg dorthin von einigen Einheimischen gewarnt worden sind, finden sie sich alsbald auf dem verlassenen Gelände ein und verbringen dort die erste Nacht. Mick, der die Idee zu diesem Trip hatte und den Mädels erst unterwegs davon erzählt hat, heizt den anderen mit einigen Schauergeschichten über das seinerzeitige Treiben auf der Farm ein - Quintessenz ist, daß das geistig zurückgebliebene Kind der mörderischen Familie überlebt haben könnte, da es nach dem Lynchmord der Dorfbewohner an den Eltern alleine in den Wald geflohen sei. Am nächsten Tag gesellt sich noch ein Rucksack-Touristen-Pächen dazu, und in ausgelassener Stimmung wird das Gelände erkundet. Dann aber erscheint der mittlerweile erwachsene Sproß Charlie, der seinerzeit tatsächlich überlebt hat, ganz unvermittelt auf der Bildfläche und die Mordserie setzt sich fort...
Mit Charlie's Farm liegt eine weitere Hommage an die Slasher der 80er und 90er vor, welche das Grundthema von TCM & Co. aufgreift und mit den heute zur Verfügung stehenden Mitteln bezüglich Spezialeffekten und Kameraführung umsetzt. Diesbezüglich gibt es auch nichts zu kritisieren, die verlassene Location im australischen Outback ist gut gewählt, der stellenweise rockige Score unterstützt die Handlung punktgenau und die Bildführung mit einigen Close-ups auf Autowracks, Spinnen, Wespen oder verendete Tiere inklusive einer Panorama-Ansicht der Farm ist fast schon abwechslungsreich zu nennen. Auch die Kills fallen schön blutig aus, sind teilweise handgemacht und werden nicht durch billige Schnellschnitte entwertet - leider finden sie weitgehend im Dunklen statt, was ihnen einen Teil des Schreckens nimmt. Aber trotz all dieser günstigen Voraussetzungen will Charlie's Farm einfach nicht zünden - und das liegt an den (Haupt-)Darstellern.
Zwar macht sich Regisseur Chris Sun die Mühe, seine vier Protagonisten einigermaßen ausführlich vorzustellen und wählt überdies Charaktäre, die nicht dem herkömmlichen Opfer-Schema entsprechen, dennoch vermag man zu keiner Zeit größere Sympathie zu einem der Darsteller aufzubauen. Mick (Sam Coward), die treibende Kraft der ganzen Unternehmung, ist ein schwabbelbäuchiger Sunnyboy mit einer großen Klappe, der in das schlanke Solo-Mädel Melanie (Allira Jaques) verliebt ist - der stellenweise erkennbare Subplot, daß auch so jemand eine normal aussehende Frau abbekommt, ist durchaus interessant, in einem Slasher-Film jedoch deplatziert. Die anderen beiden sind bereits ein Paar: Jason (Dean Kirkright) und Natasha (Tara Reid) - letztere sieht wie ein Junkie aus. Leider kommt der zum Zeitpunkt der Dreharbeiten ausgemergelten Tara Reid (American Pie, Sharknado) dann ausgerechnet jene Rolle zu (die der vernünftigsten Trip-Teilnehmerin), die am meisten Screentime hat - da macht das Zuschauen (und erst recht ein Mitfiebern) einfach keinen Spaß.
Weiters auf der Besetzungsliste: Bill Moseley, aus zahlreichen Slashern bekannt, u.a. für seinen wirklich diabolischen Auftritt in The Devil's Rejects (2005) - hier spielt er den Papa des Monsters (in einer Rückblende) und wird nach wenigen Minuten Screentime per Headshot erledigt. Auch Kane Hodder (Hatchet, Jason Voorhees) ist mit von der Partie, als befreundeter Wrestler darf er kurz mit dem Monster kämpfen - wie Bill Moseley aber eben nur eine kleine Nebenrolle.
Das Monster selbst (Nathan Jones als Charlie), auf dessen erscheinen man eine geschlagene Stunde warten muß, ist zwar ein stilgerecht mit reichlich Latex präparierter Hüne, allerdings erfährt man nichts über seinen Werdegang, seit er als Kind in den Wald fliehen mußte. Dass er weitgehend verletzungsresistent unstoppable seinen Weg geht, ist dem Genre an sich geschuldet, daß er sich nur mit Grunzen und Brüllen artikuliert, ist eher langweilig.
So bleibt Charlie's Farm ein technisch sauber abgedrehter Slasher der neuzeitlichen 2010er Jahre, der genau das bietet, was man sich erwartet, darüber hinaus aber keine unverwechselbaren Charaktäre oder Szenen beinhaltet, die in irgendeiner Weise haften bleiben und somit letztendlich kaum aus der diesbezüglichen Dutzendware herausragt. 5 Punkte.