"Wir bauen etwas Neues auf."
Es gibt häufig eine gewisse Erwartungshaltung, wenn man sich zuvor über einen Film informiert und ihn dann sieht. So wird "San Andreas" als bildgewaltiger Katastrophenfilm beworben, der von Roland Emmerich's "2012" an einigen Stellen abkupfert. Letzters stimmt, jedoch ist "San Andreas" eher ein Actionfilm, der alle Klischees und Peinlichkeiten erfüllt.
Helikopterpilot Ray Gaines (Dwayne Johnson) ist bei der Los Angeles Feuerwehr angestellt. Seinen Job hat er in der Hand, seine Familie jedoch nicht mehr. Seine Frau Emma (Carla Gugino) lässt ihm gerade die Scheidungspapiere zukommen. Grund dazu ist der Verlust ihrer jüngeren Tochter. Um ein gutes Verhältnis zur älteren Tochter Blake (Alexandra Daddario) ist Ray aber weiterhin bemüht.
Professor Lawrence Hayes (Paul Giamatti) entwickelt ein System zur verbesserten Vorhersage von Erdbeben. Bei den ersten Tests an der Hoover-Talsperre entdeckt sein Team aber nicht nur Vorzeichen für ein Erdbeben, sondern erlebt direkt einen Ausbruch. Er prognostiziert, dass entlang der San-Andreas-Verwerfung weitere, noch stärkere Beben entstehen, die schließlich das Zentrum von San Francisco erreichen werden.
"San Andreas" bietet nichts wirklich Neues. Nicht nur die personelle Konstellation wurde aus "2012" übernommen, auch so einige Situationen sehen nahezu identisch aus und sind ähnlich hirnlos eingebunden. Nicht weiter schlimm, könnte man meinen, sofern das Gesamtpaket unterhält. Abseits der Effekte bietet der Film jedoch so rein garnichts.
Das Schicksal der Figuren bleibt einem ziemlich schnuppe, worunter die Spannung durchgängig leidet. Nur Stereotypen und Schwarz-Weiß-Malerei besiedeln die durchgerüttelte Welt. Zeit für ein wenig Interaktion und Figurenzeichnung nimmt sich "San Andreas" zwar, etwas sinnvolles kommt da aber nicht heraus. Somit verfolgt man die Protagonisten also von einer erzwungenen Situation zur nächsten und erfreut sich an obligatorischen Logiklücken sowie übertriebenen Dialogen und Actionszenen.
Während Hunderte um die Hauptfiguren herum ableben, erfreuen sich diese bester Gesundheit. Zwar nicht unkaputtbar aber doch durch nichts von ihrer Überzeugung abzubringen, gehen sie Wege, die kein anderer geht und profitieren überdies von begünstigenden Zufällen. Glaubhaft oder dynamisch ist das nicht. Aber hey, es ist ja eine Extremsituation, also wer weiß da schon was in den durchgeschüttelten Drehbuchautoren... ähm Figuren abgeht. Auf jeden Fall sind diese eindeutig Gutmütig oder nur auf sich bezogen. Ja... darfs denn auch ein bisschen mehr sein?
Aber genug gemeckert. Wie siehts denn mit den bombastischen Bildern aus? Vorsichtig ausgedrückt: Schwankend. Gerade zu Beginn sind die digitalen Effekte recht unorganisch in die Kulissen integriert. Glücklicherweise sind die späteren Effekte erheblich besser und detailreicher. Massig zerspringende Fenster, vereinzelte Feuerherde und in sich zusammenfallende Gebäude ergeben ein apokalyptisches Endzeitbild. Die miese Kameraführung schneidet die Bilder jedoch unvorteilhaft ab oder erzeugt so wacklige Bilder, dass das Zusehen ermüdet.
Die Darsteller sind mäßig. Carla Gugino ("Sucker Punch") und Alexandra Daddario (" Percy Jackson"-Reihe) sind neben ein paar weiteren Jungdarstellern bestenfalls wegen ihrer optischen Vorzüge sehenswert. Dwayne Johnson ("The Scorpion King", "G.I. Joe - Die Abrechnung") ist zwar wie geschaffen für einen Katastrophen- bzw. Actionfilm, neben seiner bulligen Präsenz ist er schauspielerisch aber zu nichts in der Lage.
"San Andreas" hat ein paar atmosphärische Momente, wo Bild und Ton gut zusammen passen. Neben diesen wenigen Momenten bietet der Film aber nicht viel. Durch die mangelhafte Bindung zu den Figuren kommt kaum Spannung auf. Klischees, prollige Anmerkungen und eine glattgebügelte Geschichte ohne Überraschungen senken die Authentizität. Wer bereits "2012" gesehen hat, wird so einige Déjà-vu's erleben. Vom Beginn abgesehen, sind die Effekte überaus ansehlich. Aber das allein reicht nicht um ca. 115 Minuten zu füllen. Sehr knappe ...
3 / 10