kurz angerissen*
Eigentlich ist es überraschend, dass so etwas wie ein „Minions“-Solofilm vom Publikum überhaupt angenommen wird. Die Liebe zu den gelben Helferlein des Bösen muss endlos sein; schließlich baut das Spin-Off der erfolgreichen „Despicable Me“-Reihe zumindest streckenweise auf das Dogma einer beschränkten akustischen Kommunikation und ist somit in der Wirkung einem zeitgenössischen Stumm- oder Schwarzweißfilm nicht unähnlich. Man verfügt längst über die technischen Mittel des Ton- und Farbfilms, setzt sie aber bewusst nicht ein.
Umgemünzt auf die „Minions“ bedeutet dies: Alle Trägerfiguren der Hauptfilme werden entfernt und übrig bleiben nur die Statisten; der Randgag wird zum Hauptakt erklärt, obwohl ihm offenbar die Eigenschaften fehlen, diese Aufgabe zu bewältigen.
Künstlerisch zahlen sich solche Experimente oft aus, weil es Spannung verschafft, zu sehen, mit welchen Mitteln die natürlichen Defizite ausgeglichen werden. Und das Abenteuer beginnt erstaunlich einfallsreich. Mit Rückgriff auf einen Off-Kommentar wird die gesamte Zeitgeschichte des Gelblingsvolkes aufgerollt: Von der Herrschaft des Tyrannosaurus Rex in der Kreidezeit zu den ägyptischen Pyramidenbauern über Napoleon (Hitler wäre wohl trotz seiner offensichtlichen Eignung als Gesicht des Bösen nicht ganz angemessen gewesen) bahnt es sich seinen Weg durch die Geschichte bis in die 60er Jahre, die fortan mit allen historischen Bezügen und visuellen Merkmalen zum Schauplatz erkoren werden. In dieser Phase stellt das Drehbuch Bemerkenswertes mit den Minions an – sie werden zu kulturellen Staubsaugern erklärt, was sich in einer erstaunlich ausgefeilten Mischsprache niederschlägt, die bei weitem nicht nur das Comic-Geblödel ausdünstet, das sie zu sein vorgibt.
Leider, leider passiert dann das Gleiche wie immer bei den großen Animationsstudios: Die fiese Antagonistin wird eingeführt und schon ist es wieder ein normaler Standard-Animationsfilm. Anstatt den gelungenen Ansatz beispielsweise zur Hommage an Stummfilm-Slapstick der Ära Chaplin / Keaton auszuarbeiten und sich somit an einem Ansatz à la Jacques Tati zu versuchen, holt man wieder Bazookas, Raketen und andere Supervillain-Instrumentarien aus dem Keller.
Sicher, nichts anderes hat man erwarten können; nachdem die ersten Minuten aber unerwartete Ansätze zeigten, folgt man der Angleichung an den Publikumsgeschmack aber doch mit einem weinenden Auge.
(4.5/10)
*weitere Informationen: siehe Profil