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Die Retrowelle rollt, die 1980er sowie die Nerdkultur sind wieder in, da wollte auch ein kommerziell angeschlagener Adam Sandler sein Stück vom Kuchen und legte mit „Pixels“ trotzdem den nächsten Flop hin, einen sehr teuren sogar.
Thema sind hier alten Arcadegames der seligen Spielhallen, an denen Sam Brenner, sein bester Kumpel Will Cooper und der besonders nerdige Ludlow Lamsoff gerne zocken. 1982 nehmen sie am Spiel um die Meisterschaft teil, in deren Finale Sam gegen den überheblichen kleinwüchsigen Eddie Plant, genannt Fireblaster, antreten muss und beim Zocken von „Donkey Kong“ verliert. Irgendwo zwischen Bestätigung von und Parodie auf das Klischee der alten Kränkung des Helden, der Backstory-Wound, wie es im Englischen heißt, kommt der Auftakt daher, der natürlich auf das Retrofeeling mit grellen Eighties-Frisen, grellen Eighties-Klamotten und grellen Eighties-Spielautomaten setzt.
Etwas mehr als 30 Jahre später haben die Zeiten sich geändert: Sam (Adam Sandler) ist ein heruntergekommener Elektroinstallateur, Will (Kevin James) immer noch sein bester Kumpel, aber inzwischen Präsident der USA, wenn auch mit gewaltigem Imageproblem. Das wird nicht besser, als eine außerirdische Intelligenz einen US-Außenposten angreift, wobei auffällt, dass Chris Columbus sich an der Ästhetik von ähnlich gelagerten Blockbustern wie „Transformers“ orientiert, das Ganze aber dadurch ansatzweise ironisch bricht, dass es sich bei Angreifern und verbleibenden Trümmern um Pixelgestalten handelt.

Es handelt sich bei den Invasoren um Außerirdische, welche eine ins All geschossene Botschaft aus den 1980ern empfangen haben und die dort enthaltenen Arcadespiele als Kriegserklärung aufgefasst haben. Die Menschheit muss drei Runden der Spiele für sich entscheiden bevor die Aliens es tun und da können nur Arcadeprofis ran. Profis wie Sam, Ludlow (Josh Gad) oder der mittlerweile im Knast sitzende Eddie (Peter Dinklage)…
Seitdem Adam Sandler seine Filme familienfreundlicher haben will, ist der früher im mal wieder aufblitzende Biss eine Sache der Vergangenheit, hier allenfalls noch in dem Bibliotheken-Scherz mit seinem Präsidentenkumpel zu sehen. Die Gags hier sind meist müder, zigmal gesehener Slapstick, wenig elanvoll vorgetragen und inkohärent bis zum Geht-nicht-mehr ist das Teil auch: Da schmachtet Ludlow die ganze Zeit virtuelle Blondinen an, um dann in anderen Szenen (dramaturgisch total unmotiviert) als reichlich verschwult rüberzukommen. So schlingert der Film dann irgendwo zwischen „Nerds sind komische Sonderlinge“ und „Nerds sind heimliche Helden“ durch die Gegend, nutzt Ludlow und Eddie eher für erstere These, Sam eher für letztere, und wartet mit so geistreichen Running Gags wie angeblich vergessenem Zähneputzen bei Sam auf.

Dessen Mundhygiene kommt zur Sprache, wenn er sich mit der alleinerziehenden Mutter Violet Van Patten (Michelle Monaghan) zofft. Die heißt nicht nur so ähnlich wie General Patton, sondern ist auch Lieutenant Colonel bei der Armee und mit in die Alien-Abwehr involviert. Wobei sie dann doch meist nur hinter Sam hertrabt, sich in alter Screwball-Manier mit ihm zofft und natürlich am Ende seinem Schlufficharme erliegt. Denn auch wenn „Pixels“ Witze über Nerds macht, so bedient er doch gleichzeitig deren Phantasien, hat selbst für den als gestört gezeichneten Ludlow noch die Traumblondine parat – immerhin muss der Film dafür ein paar Umwege nehmen, die „Pixels“ durch Sam noch kommentieren lässt, was aber an der generellen Friede-Freude-Eierkuchen-Stoßrichtung nichts ändert, der jeder echte Biss abgeht.
Über Logik redet man bei einer derartigen Sandler-Komödie wohl besser nicht (Stichwort Cheatcodes) und vermutlich sollte man über „Pixels“ auch besser nicht zu viel nachdenken oder nach Botschaften tragen, aber die Präsidentenrolle ist teilweise schon etwas beängstigend: Da wird der Mann (zu Recht? Man erfährt es nicht) wegen seiner angeblich katastrophalen Innen- und Bildungspolitik angegangen, doch kaum zeigt er Erfolge in einem (intergalaktischen) Krieg, da wird das alles vergessen und groß gejubelt? Klingt wie der feuchte Traum diverser republikanischer Präsidentschaftskandidaten. Aber vermutlich hat sich hier niemand darüber Gedanken gemacht, wie bei so vielem in „Pixels“.

Das Einzige, das tatsächlich Sorgfalt und Liebe zum Detail beweist, das sind die Effektszenen. Da werden Arcade-Klassiker wie „Space Invaders“, „Pac-Man“ und „Centipede“ als dreidimensionale Real-Life-Adaptionen gezeigt, in einer Parodie auf Invasionsfilme laufen am Ende die pixeligen Videospielgegner in Washington Amok und sogar Max Headroom schaut vorbei. Doch all das ist bloß das Polieren und Vergolden von einem lustlosen Script, das mit der Materie wenig anzufangen weiß: Ein paar Retro-Gags und Anspielungen auf vergangene Videospielzeitalter machen noch keinen Film, wenn man sie ohne jeden Hintersinn einsetzt, ja geradezu enttäuschend wenig mit den Referenzen macht – über ein Ausbuchstabieren der zugegeben sehr gelungen Prämisse kommt „Pixels“ nicht hinaus.
So leistet auch die Schauspielmannschaft bloß Pflichterfüllung. Adam Sandler gibt zum x-ten Mal den kindischen Erwachsenen mit losem Mundwerk, hier aber mit wenig bissigen Sprüchen, Kevin James das tollpatschig-sympathische Dickerchen und Josh Gad das durchgeknallte Nervenbündel, das für den Rest der Welt den Fußabtreter gibt – also alle nach bekanntem Rollenschema aus dem Comedysetzbaukasten, alle im trüben Routinemodus. Die sonst so charmante Michelle Monaghan wird in einer vollkommen undankbaren Rolle verheizt, Peter Dinklage trägt seine Eighties-Prollomatte spazieren und gibt die weniger ehrenhafte, noch rüpeligere Version seiner Rolle als Tyrion Lannister. Brian Cox und Sean Bean geben routiniert Armee-Typen, Dan Akroyd tritt kurz auf und für Cameos als sie selbst gewann man Serena Williams und Martha Stuart.

Am Ende überwiegt die Enttäuschung: Mit origineller Prämisse, interessanter Besetzung und tollen Effekten geht „Pixels“ an den Start, doch trotz souveräner Inszenierung durch Chris Columbus ist bisslose Comedyroutine mit müdem Slapstick und zigmal gesehenen Nerdklischees dabei herausgekommen, bei der alle Beteiligten wenig elanvoll ihre gewohnten Paraderollen herunterspielen. Bei den Voraussetzungen ein Fehlschlag.

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