„Schnee, der auf Zedern fällt“ war auch so ein Versuch, sich anhand einer Romanverfilmung einen neuen Oscarbewerber zu schneidern. Liebe, Tragik, Rassenhaß, Verbrechen, alles zusammen in einem schneereichen Winter des Jahres 1950, das sucht doch seinesgleichen.
Was jedoch Ron Bass und Regisseur Don Hicks aus dem Buch gemacht haben, stieß so ziemlich jeden vor den Kopf. In dem verzweifelten Bemühen, eine wahnsinnig innovative Montage zu präsentieren, boten sie den Zuschauern einen gefühlsmäßigen Flickenteppich an, in dem sich weniger komplexe Naturen so schnell hoffnungslos verheddern, wie sie die behäbige Handlung einschlummern läßt.
Der Mordfall, der hier Auslöser der Handlung ist, bietet wirklich nur den Rahmen für die Geschichte, die sich nie so recht für ein Genre entscheiden kann und untentschlossen alles mal antippt, was ihr in den Weg kommt. Der Zuschauer quittierts mit Unruhe, später mit Desinteresse.
Was bleibt, sind teilweise tolle Bilder von winterlichen Gefilden auf der kleinen Insel im Norden der USA um 1950, zeitgenössisch und hoch atmosphärisch, welche Jahreszeit auch immer gerade im Bilde ist.
Leider bleibt die Montage am ehesten im Gedächtnis, die von den Zuschauern nun wirklich höchste Aufmerksamkeit erfordert. Das sieht dann so aus: Gerichtsverhandlung – Rückblick auf die Todesnacht – Überblendung auf die Geschichte von Täter und vermeintlichem Opfer vor mehr als 10 Jahren – kurz Gerichtszahl – Schnitt auf Hawke – 15 Jahre zurück in die Kindheit – dann kurzes Insert vor dem Krieg, wieder einige Jahre vor. Und das alles in nicht mal 15 Minuten und so geht das über die vollen zwei Stunden. Wer da nicht hochaufmerksam im Geiste mitnotiert, verliert schon bald den Faden. Und Kino sollte nicht Arbeit sein, wenn es auch durchaus den Geist anregen sollte.
Was besonders stört, ist, daß dieses verschlüsselte Puzzlespiel jetzt nicht mal einen raffiniert durchdachten Mordfall beinhaltet, die Story ist eher Nebensache. Tatsächlich hat Hawke den Schlüssel zur Auflösung zwei Drittel des Films in der Tasche, hält ihn aber zurück, weil er was für die japanische Gattin des Angeklagten übrig hat und das alles erst noch vom Team in vielen, vielen Inserts gezeigt werden muß.
Die Auflösung ist geradezu läppisch, dafür bekommt man aber eine meditativ-verzweifelte Love-Story zwischen Amerikaner und Japanerin geboten, komplett mit Teenager-Blümchen-Sex und späteren dramatischen Kriegsereignissen.
Zwischendurch geht’s um Internierungslagergreuel, die Würde der Asiaten, den herablassenden unterschwelligen Rassismus einiger Bewohner und was sonst noch so alles dazu gehört.
Nur: nichts davon wirkt ausgearbeitet, rund oder wenigstens passend gefeilt, sondern nur angerissen und wie ein Blatt im Wind davon gewirbelt.
Dafür ist die Kameraarbeit von Robert Richardson vom Feinsten und wurde dann auch als einzige für den Oscar nominiert, so viel sollte man dem zugestehen.
Die bekannten Gesichter geben sich dann auch die Klinke in die Hand, aber überzeugen kann keiner so ganz richtig. Hawke bleibt ganz blaß, von Sydow nervt irgendwann mit seinen dauernden Altersbeschwerden, Rebhorn, Cromwell, Jenkins und Wright sind solide, die Japaner allersamt mehr als ordentlich.
Aber das macht leider noch keinen einheitlichen oder fließenden Film, sondern mehr ein verzweifeltes Ringen um eine neue Art von Filmpoesie.
In meinen Augen leider mißlungen. (4/10)