Das Schwert im Herzen
"The Boy and the Beast" beweist einmal mehr, dass auch ohne das Studio Ghibli große und wunderschöne Animes entstehen können. Hier trifft japanische Sage auf "Karate Kid" mit einem gewissen Kniff. Die Welt der Tierwesen ist beeindruckend detailliert und außergewöhnlich anzusehen, die Kämpfe zwischen den Fabelwesen erinnern an eine Mischung aus "Thor: Ragnarok" und "Pokémon". Doch sein Herzstück trägt der Film woanders... Die Geschichte dreht sich um einen kleinen Menschenjungen, der nach der Scheidung seiner Eltern von zu Hause wegläuft und in der Parallelwelt der Tierwesen landet. Dort wird er Schüler eines dickköpfigen Kämpfers, dem er noch genauso viel beibringen wie er von ihm lernen kann.
Zuerst einmal muss man mal wieder die optische und kreative Überlegenheit der asiatischen Zeichenkunst herausstellen. Was hier an verspielter Details und augenöffnenden Visuals aufgefahren wird, verleitet allein schon dazu, nach dem Abspann gleich erneut Play zu drücken. Es gibt massig zu entdecken. Zudem bietet der Film ein paar klasse animierte wie choreographierte Kämpfe, von denen man sich vielleicht ein paar mehr gewünscht hätte. Außerdem erinnerungswürdige Nebenfiguren und eine mannigfaltige Welt mit einigen Überraschungen und Wendungen. Doch wie gesagt, sein Herz und das, was hängen bleibt, liegt anderswo. Nämlich in der Beziehung zwischen dem Jungen und dem Biest, seinem Meister, Freund und Ansporn. Allein sind beide Figuren schon sehenswert und charakterstark, doch zu zweit heben sie ihre Geschichte auf ein neues Level. Herrlich. Lustig. Berührend. Vom Anfang bis zum perfekten Ende. Vom Feeling kam mir am ehesten noch "Kubo" in den Sinn.
Fazit: eines der ersten Anime-Meisterwerke in der Nach-Ghibli-Zeit. Witzig, herzlich, tiefgründig. Ein weises Abenteuer voller Freundschaft, Ehrlichkeit und Selbstfindung. Und monstermässiger Action!