„8 Mile“ ist nicht nur von „L.A. Confidential“-Regisseur Curtis Hanson, sondern gibt wie Hansons Meisterwerk Kim Basinger eine Hauptrolle.
Doch der Protagonist ist Jimmy Smith (Eminem), genannt Bunny Rabbit. Er und seine Crew sind Hip Hop Fans und rappen ab und zu auch selbst, aber den Schritt zum Durchbruch hin haben sie nie wirklich gewagt. Lediglich Jimmy beweist Mut, indem er bei einem Rap-Battle antritt – jedoch sprachlos von der Bühne abtreten muss, da er kein Wort herausbekommt. Das Problem eines weißen Rappers beim schwarzen Publikum akzeptiert zu werden, ist ein Grundthema von „8 Mile“, wobei Eminem diese Hürde in der Realität ja bereits lange bewältigt hat.
Doch Jimmy hat weitaus schwerwiegendere Probleme: Er lebt in einem heruntergekommenen Viertel in Detroit, muss bei einem unterbezahlten Job schuften und zusehen wie seine Mutter Stephanie (Kim Basinger) sich von ihrem arbeitlosen Liebhaber ausnutzen lässt, der zu allem Überfluss auch noch in Jimmys Alter ist. Die Filmfigur weist schon diverse Parallelen zum realen Eminem auf, auch wenn die Macher nie müde wurden zu betonen, dass „8 Mile“ keine Autobiographie sein soll. Ist aber letzten Endes eh egal, es geht ja um den Unterhaltungswert.
Jimmy möchte dem Elend gerne entfliehen und seiner Familie, die aus ihm, seiner Mutter und seiner kleinen Schwester Lily (Chloe Greenfield) besteht, ein besseres Leben bieten. In seinem Rap-Talent liegt die Hoffnung auf Ausbruch, aber die Chancen sind stehen nicht so gut: Wink (Eugene Bird), der mit ihm ein Demotape machen will, ist als Schwätzer bekannt und bei der nächsten Rap-Battle möchte Jimmy auch nicht antreten, obwohl sein Kumpel David 'Future' Porter (Mekhi Phifer) ihn dazu drängt…
Hansons Werk ist sicherlich nicht der erste Film, der vom jungen Talent unter schlechten Lebensbedingungen erzählt, aber „8 Mile“ setzt Altbekanntes unterhaltsam um. Zum einen vermeidet Hanson es allzu unglaubwürdig zu werden. So endet der Film nicht mit Jimmy als Multimillionär, sondern mit einem kleinen Erfolg und einer moralischen Einsicht – nicht mehr und nicht weniger. Die Geschichte ist unterhaltsam und kurzweilig, sodass die Laufzeit schnell umgeht, auch wenn keine der Wendungen so wirklich zu überraschen weiß. Die Figuren und ihre Konflikte sind meist glaubwürdig, vor allem Jimmys familiäre Probleme sind ziemlich treffend inszeniert.
Um den Film schmackhaft zu machen, taucht Hanson in die Rapkultur ein und gestaltet diesen Einblick allerdings so unterhaltsam, dass auch Nichtfans von Hip Hop wie ich daran ihre Freude haben. Vor allem die Rap-Battles sind natürlich immer wieder Highlights. Empfehlenswert ist es übrigens sich den kompletten Film auf Englisch anzusehen, um das richtige Feeling für die Atmosphäre zu bekommen.
Doch trotz der dramatischen Zeichnung von Jimmys Alltag (Gewalt, Hoffnungslosigkeit, Armut etc.) hat „8 Mile“ ein paar Schwächen. So wird Jimmy stellenweise dann doch als etwas zu gut dargestellt, auch wenn man ihn nicht ganz ohne negative Charakterzüge porträtiert. Auch einige Charaktere bleiben ziemlich flach und hätten besser ausgearbeitet werden können. Man erfährt z.B. nie, was zwischen Jimmy und seiner Ex-Freundin vorgefallen ist und Alex (Brittany Murphy) scheint auch nur dazu sein, um etwas Sex in den Film zu bringen. Das ist schade, denn auf der Ebene vieler anderer Figuren (z.B. Jimmys Gang) funktioniert die Charakterisierung.
Eminem liefert nicht nur sehr gute musikalische Untermalung für den Film, sondern schlägt sich auch schauspielerisch überraschend gut. Kim Basinger ist fast so gut wie in „L.A. Confidential“, auch wenn ihre Rollen als Edelhure und Trailerparkmutti kaum unterschiedlicher sein könnten. Brittany Murphy versucht noch das Beste aus ihrer sehr oberflächlichen Rolle zu machen, schafft dies aber nur teilweise. Die restlichen Darsteller spielen allerdings ziemlich überzeugend.
So bleibt trotz einiger Schwächen in der Figurenzeichnung eine unterhaltsame Aufsteigerstory, zwar nach bekanntem Muster, aber mit viel Flair.