Immer mehr Persönlichkeiten, die hauptsächlich durch das Musikbusiness zu weltweitem Ruhm gelangten, versuchen sich nach und nach im Bereich des Films. So agieren schon mal ein David Bowie, ein Phil Collins, eine Jennifer Lopez sowie eine Mariah Carey in mehr oder auch weniger erfolgreichen Machwerken, wobei zu Letzteren unter anderem "Glitter" zählt, den ich persönlich zwar noch nicht gesehen habe, aber dessen Kritiken alles andere als zu genüsslichem Filmspaß einladen. Auch die Spice Girls starteten mit "Spice World - Der Film" einen Versuch, nicht nur in musikalischer Richtung Aufsehen zu erregen und auch mal etwas länger auf der Leinwand zu sehen zu sein als in stinknormalen Videoclips zu ihren Liedern. Auch dieser Versuch ging dermaßen nach hinten los, dass sie seitdem nicht mehr miteinander in einem Film zu sehen waren. Gut so. Besser so. Nun aber mal zum männlichen Geschlecht, bei dem es natürlich auch nicht einfach so vorausgesetzt ist, dass alles glänzt, was sie anpacken. So gesehen bei einigen Musikern afro-amerikanischer Abstammung wie Ice-T oder Ice Cube. Während Letzterer mit "Trespass" oder den beiden "Friday"-Filmen wenigstens einigermaßen für Unterhaltung sorgten, gelangen Ice-T ganz wenige Streifen dieser Sorte. Auch nur "Trespass", bei dem er ja mit Ice Cube unter der Regie Walter Hills gemeinsam vor der Kamera stand, überzeugte ein wenig. Auch weitere Gleichgesinnte, die dem Hip-Hop-Geschäft nachgehen, sei es DMX ("Exit Wounds") oder Snoop Doggy Dog ("Bones"), versuchten sich schon mal als Schauspieler.
Nun geht auch der einzige erfolgreiche weiße amerikanische Rapper vor die Kamera, was schon im Voraus für einigen Wirbel sorgte. Denn über diesen Weißen, Eminem genannt, wurde schon so Einiges geschrieben, ganz sicher nicht nur Positives. Seine Texte enthalten, wie für das Genre üblich, nicht das, was die pflichtbewussten Eltern oder andere pädagogische Instanzen für heranwachsende Kinder gern zugänglich machen möchten. Außerdem hat Eminem natürlich auch schon den ein oder anderen Fehler gemacht, der sich außerhalb seines Lebens als Rapper abgespielt hat, seien es üble Beleidigungen Anderer gegenüber oder handfeste Schlägereien, bei denen er seine Aggressionen freien Lauf ließ. Ein einfaches Leben hat der weiße Rapper so oder so schon mal nicht. Er ist einfach anders, schon allein die Tatsache, der einzige Weiße seiner Zunft zu sein, wird ihm nicht nur zum Vorteil, sondern auch ganz oft zum Nachteil. Viele unterstellen ihm, er hätte Komplexe und müsste durch seine dreckigen und schmutzigen Texte, durch seine Art allgemein für Schlagzeilen und Gesprächsstoff sorgen, damit auch über ihn geredet wird und er sich somit besser fühlt. Zudem, wenn es nach vielen geht, hat er gar Nichts in der Birne und seine Texte angeblich keinen Hintergrund. Kurz gesagt, er ist für viele einfach ein Möchtegern, einer von vielen, die oft auf vielen Straßen gesehen werden und im Grunde einfach unbeachtet bleiben sollten.
Ich für meinen Teil mag Hip Hop auch nicht. Nicht aufgrund der Texte, die schmutzigen und angeblich jugendgefährdende Inhalte gibt es bei der Musik, die ich höre, ganz sicher auch. Erstens interessiert mich dieses Genre einfach nicht und zweitens weiß ich oft auch nicht, was die Interpreten überhaupt ausdrücken möchten. Oft klingt auch mal das Vorurteil durch, Rapper sind keine Musiker, weil sie ja nur etwas ins Mikrofon reden und die Melodie, im Hip Hop ja auch der Beat genannt, meistens ja nicht auf dem Mist des Rappers gewachsen ist. Im Endeffekt läuft es deswegen darauf raus, dass den rappenden Interpreten oft nachgesagt wird, sie können keine Musik machen und keine Gefühle vermitteln.
Ihr fragt euch nun vielleicht, wieso ich das in mein Review überhaupt einfüge, aber das hat einen gewichtigen Grund. Denn obwohl mich der Hip Hop samt seinen vielen Persönlichkeiten nur sehr wenig tangiert und interessiert, war ich einer von denen, die sich "8 Mile" wirklich ansehen wollten. Das hört sich vielleicht paradox an, ist es aber nicht, denn mich interessiert die Person Eminem an sich, sein Leben und wie es letztendlich zu dem Status kam, den er heutzutage innehat.
Also ging ich gleich am ersten Tag ins Kino und schaute mir den Film an, ohne eigentlich irgendwelche Erwartungen zu haben. Vom Filmtechnischen sowieso nicht, weil mich das nicht interessiert an "8 Mile", vom Leben und vom Werdegang des Rappers konnte ich Nichts erwarten, da ich ja ins Kino wollte, um zu wissen, wie eine so berühmte Persönlichkeit "entstehen" kann. Noch dazu eine berühmte Persönlichkeit, deren Haut weiß ist und die in einem Geschäft für Furore sorgt, das ja eigentlich und von Grund auf ja von Schwarzen beherrscht wird.
Knappe 120 Minuten später verließ ich dann den Kinosaal und hatte den Gedanken, eben den Film gesehen zu haben, der mich seit Langem am Meisten bewegt, unterhalten und mitgerissen hat. Seit ganz Langem. Als ich diesen Gedanken und den ganzen Film dann noch einmal überdacht habe, wusste ich, dass dem auch so ist. Das Leben des weißen Rappers nimmt einen mit, es zeigt dem Zuschauer, wie beschissen, unfair und unmotivierend das Leben sein kann. Die Existenz des Vaters wird gar nicht erst angesprochen, die Mutter erwischt er eines Tages mit irgendeinem gestörten Säufer, der sie schlägt und mies behandelt, beim Sex und auch an der Arbeit läuft es nicht unbedingt erfreulich, da er sich stets am Rande einer Entlassung befindet. Abends zieht er dann mit seiner Clique durch die Straßen, haben ein wenig Spaß, aber auch nur ganz wenig, ehe am nächsten Tag dann wieder das Grauen von vorne losgeht. Die Tatsache, dass er soeben mit seiner Freundin Schluss gemacht, der er auch noch seinen Wagen hinterlassen hat, da sie angeblich schwanger ist, macht es nicht besser. Daher zieht Jimmy Smith jr., auch Bunny Rabitt oder nur Rabitt genannt, wieder zu seiner Mutter und seiner kleinen Schwester, die aber auch kurz vor dem Rausschmiss stehen, da die Miete seit 3 Monaten nicht mehr gezahlt wurde, natürlich wegen mangelnder Möglichkeit dazu. Auch ihren Pflichten als Erziehungsberechtigte kommt die Mutter nicht ganz nach, ganz im Gegenteil, sie macht Jimmy sogar für den Zustand, in dem sie sich befinden. Sein einziges Hobby ist der Hip Hop, besser gesagt das Freestylen, dem er manchmal Abends bei Battle-Wettbewerben nachkommt, bei denen er zu Beginn aber auch vollkommen versagt und durch die er zum Gespött jedermanns wird. Als er dann eines Tages ein klein wenig Hoffnung schöpft, weil er ein neues Mädchen kennenlernt, scheint alles etwas besser zu werden, bis auch diese mit anderen rummacht. Von hier an steht die Frage offen, ob Jimmy das alles so ohne Weiteres verdauen kann. Bis zum genialen Ende.
Das war natürlich die grobe Geschichte, das Ende zu verraten kann nicht als Spoiler bezeichnet werden, weil das es mehr oder weniger ein Happy-End gibt sollte jedem bewusst sein. Sonst würde Eminem wohl nicht dort stehen, wo er es heute tut. Aber ich muss sagen, obwohl ich Hip Hop nicht mag, "8 Mile" ist ein geniales Meisterwerk, das ohne jede Frage ein Film für die Ewigkeit ist. Dort geht es nicht um irgendwelche Gangfeindschaften, zumindest nicht essentiell, oder um irgendeine wirkliche Handlung, es geht einfach ums Leben an sich.
Nun stellt sich natürlich die Frage, ob es sich wirklich alles so zugetragen hat oder ob nur manches authentisch ist. Die einen behaupten, "8 Mile" wäre ein ganz normaler Film mit Elementen aus Eminems Leben, andere jedoch sagen, im Großen und Ganzen wäre es sein Leben, das auf der Leinwand zu sehen ist. Sei es wie es will, der Film fesselt so oder so, denn er ist realistisch, nachvollziehbar und für ein so bedeutendes Werk ohne irgendwelche Klischees. Eminem spielt genauso genial wie der Film als Ganzes ist. Seine Gestik, seine Mimik, einfach alles ist wie perfekt. Das ist spätestens dann erkennbar, wenn sich die Kamera minutenlang nicht von ihm abwendet und er gerade dabei ist, einen Monolog oder Dialog zu führen. Denn spätestens da kommt seine großartige, unter die Haut gehende Leistung zum Vorschein und man frägt sich nicht nur einmal, ob er eigentlich den Beruf verfehlt hat. Gut, Jimmy Smith Jr. ist eben eine Person, die für ihn selbst steht oder zumindest einige Gemeinsamkeiten mit ihm hat. Das heißt aber sicher nicht, es sei selbstredend und simpel, einen solchen Charakter zu spielen, ganz im Gegenteil. Sich selber oder eine Person zu spielen, die einem ziemlich ähnelt, ist meiner Meinung nach verdammt schwer, denn genau so vermittelt man anderen die Gefühle, die man selber hat. Nicht nur, weil er die Hauptperson ist, Eminem spielt den Rest völlig an die Wand, wie er den mal völlig Unsicheren, mal den Gefühlvollen, mal den Rüpfelhaften und Gewalttätigen oder auch mal den Hemmungslosen (wie zum Schluss) spielt, einfach jede Rolle kauft man ihm ab, allein durch seine Mimik wird oft schon ersichtlich, was in ihm vorgeht.
Vom Filmtechnischen her muss sonst Nichts weiter erwähnt werden, da sich ja im Endeffekt alles so um eine Sache, besser gesagt um eine Person dreht. Jimmy Smith jr. bzw. Eminem. Da kann auch eine Kim Basinger mit ihrer Gegenwart nichts Anderes bewirken, sie wird eben einfach nur zur Nebensache. Aber auch sie gibt eine überragende Leistung ab.
"8 Mile" ist der beste Film, den ich seit langer Zeit gesehen habe, obwohl er mich ja eigentlich gar nicht interessieren dürfte. Er tut es jedoch und selten war ich so überrascht, so überzeugt und so gut unterhalten wie hier. Dennoch ist der Film nicht leicht zugänglich und muss auch nicht jedem gefallen, der Eminem mag. Ich trau mir nämlich wetten, dass viele Möchtegern-Fans meinen, er sei einer, der sinnlos zuschlägt und zu Gewalt neigt. Beides ist, zumindest im Film, nicht der Fall. Eminems Schauspielerleistung ist phänomenal und Hansons Regiearbeit solide, was soll da noch schief gehen, wenn es um eine solche Persönlichkeit geht, auch wenn nur teilweise authentische Züge vorhanden sein mögen. Ein genialer Film, der mal wieder zum Nachdenken anregt und einem die ganze Vielfalt des Lebens an einem konkreten Beispiel zeigt. Ich war und bin begeistert. Und ich werde es auch bleiben. Genial! 10/10 Punkte