Der Film, der die Geschichte des Rappers Eminem wiedergibt. So wird es behauptet, doch so wird es wohl nicht sein. Denn die Autobiographie Eminems zeigt sich nur im Ansatz. Er hat zwar auch den Aufstieg aus einem bescheidenen Leben zum Superstar gemacht, aber so dreckig wie sein Charakter in diesem Film ist es ihm bestimmt nicht gegangen. Dennoch wird einem hier eine interessante Geschichte aus dem Ghetto gezeigt, die ausnahmsweise mal nicht voll vom Amerikanischem Traum ist. Die Leute wollen zwar das Beste aus sich machen, sind aber im Grossen und Ganzen mit dem zufrieden sind, was sie haben.
Eminems Charakter will zwar raus aus dieser Gegend, das bezieht sich aber primär auf den Trailerpark, in dem er (bzw. sein Charakter Jimmy Smith Jr.) wohnt. Die Gegend, in der er sich mit seinen Freunden rumtreibt, ist ihm hingegen wichtig, da er dort sowas wie ein Leben hat, was ihm zuhause wohl nicht gegönnt ist. Seine Mutter ist arbeitslos und auch nicht darauf erpicht, einen neuen Job zu suchen. Stattdessen gibt sie sich mit einem total asozialen Arschloch von einem Mann ab, der von ihrem Sohn und ihrer Tochter gar nichts wissen will. Also muss sich Jimmy Smith Jr. nicht nur um sein eigenes Durchkommen, sondern auch noch um seine Schwester kümmern, da seine Mutter ein depressives Häufchen Elend ist, das dazu kaum noch fähig ist. Ein zentrales Element des Films, auch wenn es nur am Anfang und am Ende hin in Erscheinung tritt, sind die sogenannten Battles, die von Jimmys Freund Future geleitet werden. In diesen geht es darum, in Rapform den Gegner auf heftigste zu beleidigen. Das Publikum entscheidet dann immer, welcher der beiden Kontrahenten in die nächste Runde kommt. Beim ersten Battle erliegt Jimmy seinem Gegner total. Daher will er beim nächsten Battle gar nicht mehr mitmachen, doch seine Freunde versuchen alles, ihn zum Mitmachen zu bewegen, was ihnen dann letztendlich gelingt (sonst könnte man sich ja das Ende sparen). Doch bis dahin ,muss er noch eine Woche durchhalten. Sein Job ist hart, der Boss ist ihm gegenüber besonders kritisch. Dann hat ihn seine Freundin sitzenlassen. Doch eine neue ist schon da. Allerdings ist diese nicht viel besser als seine EX. Und dann ist da noch die Clique der Rapper, die ihn beim letzten Battle fertiggemacht hat. DIe sind auf ihn gar nicht gut zu sprechen und prügeln ihn total zusammen, nachdem er auf den Typen aus ihrer Clique losgegangen war, der seine Freundin gefickt hat, obwohl Jimmy immer gedacht hat, er wäre wenigstens sowas wie ein Freund.
Der Film streckt sich, wie gesagt, über jene Woche und zeigt somit einen kurzen, dafür entscheidenen Aussschnitt aus em Leben Jimmy Smith Jr.s. In diesem Zeitraum bekommen wir zahlreiche Rappassagen geliefert, obwohl man den Film trotz dessen nicht als Musikfilm, gar als Musical bezeichnen kann. Vielmehr zeigen diese Passagen, dass die Leute in dem Viertel den Rap dazu benutzen, sich auszudrücken, ohne zu direkt zu werden. OK, die Rap Lyrics sind stellenweise knallhart und total persönlich, aber in dem Viertel ist das legitimer als seine Meinungen dem Gegenüber einfach so ins Gesicht zu sagen. Stattdessen verwendet man den Rap.
Eminem erweist sich überraschenderweise als solider Schauspieler. Ob er sich auch in anderen Filmen beweisen könnte, ist zwar fraglich, aber hier zeigt er eine ordentliche Leistung (obwohl sich die Frage erübrigt, da er keine weiteren Filme mehr machen will). Er bringt die Überzeugung und die "Ich ziehe die Sache durch" Einstellung erstaunlich gut rüber, darf natürlich auch in grossem Maße Gebrauch von allerlei Schimpfwörtern machen. In "8 Mile" erwartet einen mal wieder eine gigantische "Fuck" Tirade. Geflucht wird nämlich ohne Pause. Besonders bei den Battles ist der Anteil an Schimpfwörtern und Beleidungen enorm. Obwohl das auch irgendwie dazu gehört. Man erwartet einfach, dass die Leute einen rauhen Ton haben, und Eminem hat eben auch so einen, und ist daher den Ton des Films gewohnt, was seine Darstellung auch glaubwürdiger macht. Doch auch die anderen Darsteller sind überzeugend. Einzig Kim Basinger ist irgendwie störend. Denn obwohl sie sich Mühe gibt, die heruntergekommene Mutter Jimmys zu spielen, wollte sie sich im Äußerlichen wohl nicht auf ein entsprechendes Make Up einlassen. Sie hat irgendwie einen Schönheitswahn, den sie auch hier mit reinbringt. Denn sie ist immer recht anständig gestylt. Schaut euch mal den Abspann genau an. Kim Basinger hat in fast allen Make Up und Kleidungssparten einen, der sich ausschließlich um sie kümmert. Da kriegt man echt die Krise, obwohl man es von ihr ja gewohnt ist. Aber leider passt das in diesem Film einfach nicht rein. Und Curtis Hanson war es wohl recht, schließlich hatte er sie als Schönheit in seinem Meisterstreifen "L.A. Confidential" untergebracht. Da wollte er sie wohl auch in seinem Ghettodrama "8 Mile" schön halten. Obwohl ich hier nicht weiter rätseln will, wer nun der Hauptverantwortliche für diese kleine Misere ist.
Fazit: Gut gespieltes Ghettodrama, mit einem überzeugenden Eminem und guter Musik. Einzig die etwas überzogenene Kim Basinger und ein wenig Überlänge (90 Minuten hätten es auch getan) trüben den Unterhaltungswert. Macht euch ausserdem auf eine dicke Portion Gefluche vom Feinsten gefasst.