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Ich kann mit Rap nichts anfangen, ich kann mit Eminem nichts anfangen und halte "8 Mile" für überschätzt. Als weißer Schwarzer kämpft sich Jimmy Smith also täglich durch das Ghetto. Dabei immer ein klares Ziel vor Augen, meistert er mehr oder weniger sein Leben. Einige Klischees und reichlich Ghettomentalität dazu und fertig ist der Film. Was daran so großartig sein soll, ist mir ein Rätsel.

Ghettofilme gibt es genug, ebenso wie Slums auf der Welt. Außer einem kleinen, zudem verfälschenden Einblick in das Leben einiger dort wohnender Exemplare samt ihren Träumen bekommt man nichts. Die Realität wird hier sowieso nicht eins zu eins widergespiegelt, denn die alleinstehende Wrackmutter mit gefühlslosem Stecherfreund, die untreue Freundin, die süße, aber schweigsame Schwester und der vorhersehbare Verlauf der so genannten "Battles", um nur einige Beispiele der Spektakulärisierung zu nennen, wirken arg konstruiert, aber wirklich arg. Gegen Ende steigert sich der Film, indem die eigentliche Dramatik mehr zum Zuge kommt, worin sich dann auch Anspruch erkennen lässt. Erstaunlicherweise wird das Thema des Rassenkonflikts - schließlich zieht ein Weißer in der afroamerikanischen Domäne seine Show ab - aber leider allenfalls nur angeschnitten.

Die Battles sind erwartungsgemäß in recht schwer verständlichem Englisch und werden in der deutschen Fassung mit Untertiteln mehr oder weniger gut übersetzt. Rüde Schimpfwörter sind dabei, so wie im gesamten Slang, an der Tagesordnung. Ich kann mir über diese Veranstaltungen zwar ein Schmunzeln wirklich nicht verkneifen, doch andere Länder, andere Ausdrucksformen.

Mit das Beste, was "8 Mile" zu bieten hat, ist letztlich noch die handwerklich gute Inszenierung. Die Kameraführung ist bewusst semidokumentarisch und vermittelt mit dunkel gehaltenen Bildern eine zumindest authentische Atmosphäre. Passend dazu sind ausschließlich Rapstücke zu hören. Eminem kann sich schauspielerisch, das überrascht, angenehm aus der Affäre ziehen, überzeugt in verbalen, aber auch physischen Konfrontationen mit Emotionalität, wird mit Gangstermütze und monotoner, immer ruhig cooler Miene den ausgesprochen gut gesinnten Kritiken aber nicht ganz gerecht.

Curtis Hansons "8 Mile" ist über weite Strecken annehmbar, doch selten beeindruckend oder spannend, auch wenn es keine klassische From-Rags-to-Riches-Story ist. Für alle, die dem Battle-Gehampel etwas abgewinnen können, natürlich Pflichtprogramm.

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