Musikstars in Filmen - das geht oft nicht gut, von Madonna über Elvis bis 50 Cent. Drum herum scheint trotzdem kaum ein Superstar zu kommen. Auch Marshall Mathers aka Slim Shady aka Eminem darf da nicht fehlen, liefert sein Leinwanddebüt als einer der größten Rapper aller Zeiten - aber anders als bei seinen zahlreichen Kollegen, verhält sich "sein" Film "8 Mile", ähnlich rebellisch wie er selbst & zeigt allen Kritikern den mittleren Finger. Was für ein fesselndes Musikdrama, was für ein packendes HipHop-Dokument, was ein guter Film! Das hätten so die wenigsten erwartet, das freut mich umso mehr.
Es ist eine Art Semi-Biographie über Eminems Anfänge in Detroits Rapszene, tief vergraben unter White Trash, Träumen von Ruhm & Sorglosigkeit, der Angst zu versagen. Allerdings mit geändertem Namen, etwas aufgehübscht & für einen Spielfilm dramatisiert. Ganz so weit von der Realität scheint es aber gar nicht zu sein, was viele seiner Weggenossen & Bewohner Detroits bestätigen. Als Fan des Künstlers, der Musikrichtung & der urbanen Stimmung Detroits, ist "8 Mile" ein Klassiker. Aber auch für "normale" & unvoreingenommene Zuschauer, gehört das Drama über Battleraps, den alltäglichen Hustle & brüderliche Freundschaft, zum kleinen Einmaleins der Musikfilme. Schon allein der Titeltrack "Loose Yourself" & eigentlich der gesamte Soundtrack altern gut & sind nach 15 Jahren schon Youngtimer.
Da Eminem die Geschichte am Herzen lag & er auf zahlreiche reale Erfahrungen zurückgreifen konnte, mal ganz abgesehen von seinem Talent & Charisma, liefert er hier als rappender "Rabbit" so stark ab, dass einem die Spucke wegbleibt. Da verblassen sogar gestandene Schauspielgrössen wie Basinger oder Phifer gegen. Authentizität wird allgemein groß geschrieben & die Atmosphäre, egal ob auf den Straßen Detroits oder den Battlerap-Clubs, ist greifbar, kredibil & wortwörtlich "street". Die grau-blaue Farbpalette passt wunderbar, die Raps sind packend & wirken wirklich wie Kämpfe, fast Rocky-ähnlich. Apropos Rocky: die altbackene Underdog-Story wurde selten so zeitgemäß & urban umgesetzt, funktioniert noch immer. Ein junger Klassiker, für ein spezielles Publikum & alle anderen offenen Geister, die mal hinter Vorurteile, Protz & übliches HipHop-Getue gucken möchten. Ungeschönt, ungeschnitten, unkitschig. Aber das Wort gibt's gar nicht. Egal, nicht das erste & nicht das letzte Wort, was dieser Film hervorbringt.
Fazit: Eminems Quasi-Lebensgeschichte, verdammt mitreissend erzählt. Nicht nur Meilenstein der HipHop-Filmkultur & eine der besten Schauspiel-Performances eines Musikers!