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Das Drehbuchduo Laeta Kalogridis und Patrick Lussier hatten keine leichte Aufgabe vor sich. Sie wurden mit dem Auftrag bedacht, ein Konzept auszuarbeiten, das das Terminator-Franchise finanziell erfolgreich in die fünfte Runde führt. Dabei sollten sowohl die Konventionen des derzeit üblichen Kino-Blockbusters eingehalten, als auch der Reihe längst abhanden gekommenes „Terminator-Feeling" der beginnenden 1990er regeneriert werden. Und wer vom Fach ist und die Originale kennt, weiß um den praktisch nicht zu bewerkstelligenden Spagat zwischen diesen zwei Ansprüchen. Man könnte sogar so weit gehen zu sagen, dass es sich nicht nur um zwei fast nicht zu vereinbarende, sondern um sich gegenseitig ausschließende Prämissen handelt. Nichtsdestotrotz versuchten sich Kalogridis und Lussier an dieser Herkulesaufgabe und kreierten aus mehreren Spielfilmen, einer Fernsehserie und einigen Comics einen weiteren Aufguss einer eigentlich längst erzählten Geschichte. Mit gemischtem Erfolg.

Am Anfang geht es zurück an den Anfang. Erneut landet ein T-800 (Arnold Schwarzenegger) nach einer Reise durch die Zeit im Jahr 1984. Nur kommt er diesmal nicht dazu, Jagd auf die zukünftige Powerfrau Sarah Connor zu machen, denn er wird von einem optisch gealterten Modell gleicher Bauart unerwartet in Empfang genommen und vernichtet. Jeder weiß, mit rechten Dingen kann es hier nicht zugehen. Und geht es auch nicht. Denn, wie „Paps" T-800 dem ebenfalls zurück in die Vergangenheit gereisten Kyle Reese (Jai Courtney) bald erklärt, bewegt man sich auf verschiedenen „Zeitschienen", die nun endgültig die Schotten öffnen und eine wahre Flut an potentiell zu erzählenden Storys ins bereits sinkende Boot schwappen lassen. Man macht sich also gar nicht erst die Mühe, hier noch logische Ankerpunkte zu setzen, sondern lässt die Figuren nach Lust und Laune in der Zeit hin- und herreisen. Dabei erinnert das bald vollkommen unübersichtliche Geschehen eher an den zweiten Teil von Robert Zemeckis‘ „Zurück in die Zukunft"-Reihe als an den traditionellen Terminator-Stoff. Doch insofern man sich nicht dazu versteigt, in dieses Wirrwarr an Zeitebenen und jeder Logik beraubter narrativer Unordnung Sinn hineinkonstruieren zu wollen, ist es wider Erwarten durchaus möglich, „Terminator Genisys" sein spürbares Quäntchen Spaß abzutrotzen. Man muss nur dringend genug wollen.

Arnold Schwarzenegger ist wieder in der Rolle seines Lebens. Das merkt man. Und zumindest das ist doch schon einmal gut so. In gewohnter Manier gibt er die mit ihrer Menschlichkeit ringende Maschine und begräbt nach wenigen Minuten Film die Ängste eines nicht unwesentlichen Teils des Publikums, ein grauhaariger, überalterter Killerroboter könne doch nur Schrott sein. Nicht ohne Selbstironie und umgeben mit einem angenehmen Hauch von Nostalgie, rackert sich der Ausnahmeösterreicher ein weiteres Mal als Beschützer der längst ikonenhaften Sarah Connor (hier: Emilia Clarke) ab und verändert die Zukunft. Oder die Vergangenheit. Dabei erreicht er zwar erwartungsgemäß nicht mehr einstige (Welt-)Klasse, schaukelt das Kind aber so einigermaßen durch den Sturm der Zeit.

Als störendes Element des Films missfällt hingegen der neue Kyle Reese. Jai Courtney ist ein ebenso mieser Schauspieler wie Arnold Schwarzenegger immer schon einer war, doch verfügt er nicht über dessen einstige Präsenz. Mit stets etwas überforderter, leicht unmotivierter Miene gibt der Australier hier den verklemmten Beau, was ihm ungefähr genauso gut gelingt wie eine Seifenblase in die Hosentasche zu stecken. Schon im fünften Part der „Die Hard"-Reihe missglückte ihm seine Rolle als McClane Junior so vollkommen, dass man meinen sollte, das sei es jetzt für ihn im Lichtspielhaus gewesen. Doch wer Freunde in den richtigen Positionen hat, erspart sich im Job viel Ärger. Von der sympathischen Verletzlichkeit des früheren Kyle Reese, der uns mitriss in seinem aufopferungsvollen Kampf gegen das Unvermeidliche, ist bei Courtneys Figur nichts zu spüren. Mit dem Mienenspiel eines Dackels macht sich der Kerl daran, die Welt zu retten - oder die junge Sarah Connor zu umgarnen. Dabei springt er von Zeit zu Zeit durch die Zeit.

Auch Gegenspieler Jason Clarke bleibt recht blass. Und ein wenig durcheinander. Denn das Mannroboterirgendwas will nicht nur die Welt kaputt machen, es will auch, dass Sarah Connor und Kyle Reese sein Ansinnen irgendwie nachvollziehen können. Das ist natürlich etwas viel verlangt von zwei neuerdings recht lebensfrohen jungen Leuten und kann nur schief gehen. Da freut sich der örtliche Schrottplatzbesitzer! Doch das Spielchen ist inzwischen bekannt und wie man einen eigentlich unbesiegbaren Feind besiegt, haben uns diese und andere Sarah Connors ja schon des Öfteren vorgemacht. Richtig bedrohlich wird es so auch nicht nur aufgrund der für dieses Projekt symptomatischen Kinderfreigabe nicht. Der Gegner argumentiert zwar etwas irrational, aber er argumentiert wenigstens. Was ist denn das für ein sonderbarer Kauz? Hier menscheln inzwischen nicht nur die guten Killermaschinen, sondern lieberweise auch schon die bösen. Wer soll da noch durchblicken? Oder Bammel haben?

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