kurz angerissen*
Als Folgefilm des vielseits gefeierten „Prisoners“ klar erkenntlich, besiegelt „Sicario“ Villeneuves Position in Hollywood als Umsetzer feingespinstiger Charakterportraits in großflächigen, sterilen Thrillern möglicherweise auf längere Zeit. Noch immer stehen Klischees des Ermittlungsfilms dem angepeilten Ultrarealismus im Weg, der an der US-Mexiko-Grenze allerdings durch grellblasse Farbfilter mit den Schlüsselcodes gelb, blau und weiß in betäubenden Surrealismus gezogen wird.
Die vielerorts kritisierte, weil (ähnlich wie Jessica Chastain in „Zero Dark Thirty“) missverstandene Passivität von Hauptdarstellerin Emily Blunt steht durchweg intransparenten Mitspielern und Widersachern entgegen, so dass der Zuschauer mit einer dicken Plane bewusst auf Distanz gehalten wird. Dies hat eine Nüchternheit zur Folge, die sich auch auf den vom Genre vorgegebenen Thrill auswirkt, der lediglich in einer packenden Plansequenz wirklich spürbar wird und sonst eher körperlos im Raum schwebt.
Von einem „guten“ Film, da kann es kaum zwei Meinungen geben, muss zwangsläufig die Rede sein. Doch wird weder die erzählerische Komplexität noch die fieberhafte Intensität des nach wie vor gültigen Maßstabs „Traffic“ erreicht; und von Villeneuve erhofft man sich in Zukunft noch einmal mehr Pulp, denn die zunehmende Reduktion seiner US-Filme auf die Quintessenz seiner Arbeiten, die in dichten Handlungsnetzen liegt, gleicht dem allmählichen Verfangen in einem Spinnennetz.
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